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Redaktion apotheken.de » Psychische Erkrankungen

Stresshormone gegen Höhenangst


Kortisol-Tabletten lindern Symptome


Türme besteigen oder Riesenrad fahren und von oben die Welt bestaunen: Für viele Menschen ist das ein Vergnügen. Menschen mit Höhenangst jedoch treibt solch ein Vorhaben Schweißperlen auf die Stirn. Allein die Vorstellung weit oben zu sein, lässt sie förmlich vor Angst erstarren. Was dagegen hilft: Verhaltenstherapie und Kortisol-Tabletten.

Kortisol hemmt Angstgedächtnis

Das Stresshormon Kortisol beeinflusst die Gedächtnis­leistung – es animiert zu emotionalem Umdenken und fördert das Abspeichern neuer Informationen. Für die Therapie von Phobien ist das ein wesentlicher Aspekt, denn Menschen, die Angst empfinden, behalten dieses Gefühl im Gedächtnis. Sobald sie etwa einen hohen Turm sehen, erinnern sie sich daran und erleben dieselben Angstgefühle erneut. Erst, wenn Betroffene lernen, diesen Mechanismus zu durchbrechen, können sie auch die Angst besiegen. Kortisol hilft ihnen dabei. Es unterstützt Betroffene, das in der Verhaltenstherapie Gelernte umzusetzen.

Angstgefühle simulieren

Zu diesem Schluss kommen Forscher der Universität Basel in einer aktuellen Studie. Sie behandelten insgesamt 42 Menschen mit Höhenangst. Alle Patienten nahmen innerhalb einer Woche an drei Verhaltenstherapie-Sitzungen teil. Darin konfrontierten die Forscher sie mit einer virtuellen Angstsituation. Das heißt, sie täuschten ihnen über einen Kopfhörer die Fahrt in einem offenen Aufzug vor. Tatsächlich aber standen die Patienten auf einem Holzpodest.

Zusätzlich leiteten die Forscher die Teilnehmer in der Verhaltenstherapie an, wie sie ihre Angst überwinden. Jeweils eine Stunde vor den Sitzungen bekam die eine Hälfte zusätzlich Kortisol-Tabletten verabreicht, die andere erhielt ein Placebo. Drei bis fünf Tage nach der Therapie sowie nach einem Monat wiederholten dann alle Patienten die Fahrt im Fahrstuhl.

Weniger Angst dank Kortisol

Wie stark die Teilnehmer dabei an Höhenangst litten, bestimmten die Forscher anhand eines  Fragebogens. Zusätzlich maßen sie bei den Patienten den elektrischen Widerstand der Haut. Auch daran können Ärzte Angstsymptome ablesen. Im Ergebnis verbesserte Kortisol die Angstgefühle der Patienten im Vergleich zur Placebo-Gruppe deutlich. Menschen mit Höhenangst profitieren also, wenn sie zusätzlich zur Verhaltenstherapie Kortisol bekommen. Nun wollen die Forscher herausfinden, ob das auch für Patienten mit anderen Ängsten gilt.


30.03.2011 | Von: Dr. nat. med. Anke Kopacek