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Redaktion apotheken.de » Gesundheit und Politik » Arzneimittelversorgung

Umgang mit Medikamenten


Viele Patienten zu sorglos


Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa erkundet den Umgang der Deutschen mit Medikamenten. Sie zeigt, dass viele sich nicht ausreichend informieren und ohne Rücksprache mit Arzt oder Apotheker verschreibungspflichtige Medikamente nehmen.

Wechselwirkungen unterschätzt


Offenbar vertrauen die Menschen unkritisch in die Sicherheit von Medikamenten. Das sollte aber nicht dazu führen, dass sie sich nicht über die richtige Einnahme, Nebenwirkungen und Risiken informieren. Das ist aber der Fall: Von den 1.000 Befragten gaben 17 Prozent an, dass sie den Beipackzettel ihrer Medikamente nur selten oder nie lesen. Nur 66 Prozent sagten, dass sie sich immer im Beipackzettel informieren.

Außerdem wird die Gefahr von Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder Nahrungsmitteln unterschätzt. Antibiotika etwa können nicht wirken, wenn der Patient nicht auf Alkohol verzichtet. Doch 17 Prozent der Befragten glauben, dass Wechselwirkungen keine oder allenfalls eine geringe Gefahr darstellen.

Die Apothekerin Heike Wendt von der Techniker Krankenkasse, in deren Auftrag die Befragung durchgeführt wurde, empfiehlt den Patienten, immer alle Mittel anzugeben, die sie einnehmen. „Falls der Arzt oder Apotheker dazu nicht nachfragt, sollte jeder auch unaufgefordert auf die von ihm angewendeten Arzneimittel hinweisen“, sagt Wendt. Dabei spielen auch vermeintlich harmlose Naturarzneimittel eine Rolle. Johanniskraut beispielsweise droht die Wirkung der Anti-Baby-Pille abzuschwächen. Ginkgo macht in Kombination mit gerinnungshemmenden Arzneimitteln Probleme.

Laxer Umgang auch mit Schmerzmitteln


Doch nicht nur der Umgang mit ordentlich verschriebenen oder frei verkäuflichen Medikamenten ist problematisch. Allgemein herrscht ein zu sorgloser Umgang mit Arzneimitteln. Jeder Achte gab an, dass er schon verschreibungspflichtige Medikamente genommen hat, die gar nicht für ihn bestimmt waren. Unter den 18- bis 25-Jährigen war es sogar jeder Fünfte. Jeder Vierte nimmt häufig verschreibungspflichtige Medikamente von früheren Erkrankungen, ohne das mit dem Arzt abzusprechen.

Auch das Verfallsdatum wird häufig ignoriert. Wenn sie Medikamente aus ihrem häuslichen Arzneischrank holen, achten 29 Prozent der Befragten nicht immer auf das Verfallsdatum. Bei den 18- bis 25-Jährigen waren es sogar 38 Prozent. Jeder Achte kontrolliert zudem nur alle vier Jahre oder noch seltener seine Hausapotheke auf abgelaufene Medikamente.

Bedenklich ist laut Wendt auch der laxe Umgang mit Schmerzmitteln. 13 Prozent der Befragten gaben an, dass sie mindestens einmal pro Woche Schmerzmittel nehmen. Sechs Prozent nehmen die Mittel sogar täglich. Gleichzeitig räumten 17 Prozent ein, dass sie Schmerzmittel bereits länger als erlaubt eingenommen haben, und 15 Prozent sagten, dass sie zwar noch nicht in der Situation waren, bei Bedarf aber durchaus die empfohlene Einnahmedauer überziehen würden.

In all diesen Fragen können Apotheker die Patienten unterstützen. Es lohnt sich, in der Apotheke häufiger nachzufragen und sich zum richtigen Umgang mit Medikamenten beraten zu lassen.


04.09.2009 | Von: Stefanie Grutsch