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Wenn Medikamente die Psyche stören

Vorsicht vor Arznei-Nebenwirkungen

Viele Medikamente verursachen psychische Beschwerden. Doch woher kommen sie und wer ist besonders gefährdet? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Dass Psychopharmaka unerwünschte Nebenwirkungen haben können und gelegentlich sogar kontraproduktiv wirken (zum Beispiel indem sie die Suizidalität bei Depressiven erhöhen), wissen viele. Doch auch Arzneistoffe gegen körperliche Erkrankungen können der Seele schaden. Die spezifische Wirkweise ist dabei nicht immer vorhersehbar. Was Sie über mögliche Nebenwirkungen von Arzneimitteln wissen sollten.

Was verursacht die Nebenwirkungen?

Warum es bei vielen Medikamenten zu unerwünschten Begleiterscheinungen kommt, ist nicht immer eindeutig geklärt. Häufig verändern die Arzneistoffe den Hormonspiegel, zum Beispiel indem sie die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol erhöhen oder des Wohlfühlhormons Serotonin senken, was Depressionen begünstigt. Neben dem spezifischen biochemischen Wirkmechanismus spielt aber noch eine Vielzahl weiterer Faktoren eine Rolle: die Dosierung der Arznei, die zu behandelnde Erkrankung, eventuell weitere eingenommene Medikamente (Wechselwirkungen) sowie die körperlichen und psychischen Voraussetzungen des Patienten. Auch ist nicht auszuschließen, dass die Beschwerden in Wirklichkeit auf einer Verschlechterung der Grunderkrankung beruhen.

Was sind typische Symptome?

Typische psychische Nebenwirkungen von Medikamenten sind Abgeschlagenheit und verminderte Konzentration, Schlafprobleme sowie Stimmungsschwankungen. Die Wirkungen auf die seelische Gesundheit können aber auch ernsthafter sein: So führen bestimmte Arzneimittel bei manchen Patienten zu Halluzinationen, Angststörungen oder Depressionen. Im äußersten Fall kommen Wahnvorstellungen und Suizidalität hinzu. Häufig sind Nebenwirkungen jedoch zurückzuführen auf die Dosierung der Medikamente und damit weitgehend kontrollierbar.

Bei welchen Medikamenten ist besondere Vorsicht geboten?

Vor allem die direkt im Gehirn wirkenden Psychopharmaka bergen ein hohes Risiko für psychische Nebenwirkungen. Grundsätzlich sind daneben Arzneimittel besonders risikoreich, die eine hohe Dosis oder schnelles Aufdosieren nötig machen. Diese sollten daher nur im Ernstfall eingenommen werden. Zu spezifischen Medikamentenwirkungen und -nebenwirkungen berät Sie ihr Arzt oder Apotheker. Diese finden sich zudem in der Packungsbeilage.

Wer ist besonders gefährdet?

Besonders gefährdet sind vor allem Patienten, die eine psychische Krankheit und/oder psychische Nebenwirkungen von Medikamenten in der Krankheitsgeschichte aufweisen. Dazu kommen weitere Faktoren wie hohes Alter, Erkrankungen des Gehirns (Demenz, Schlaganfall), die gleichzeitige Einnahme verschiedener Medikamente und eine herabgesetzte Leistung von Niere und/oder Leber. Auch Patienten mit Suchterkrankungen sind besonders gefährdet.

Was passiert nach dem Absetzen der Medikamente?

Ein nicht seltenes Problem, vor allem bei Psychopharmaka, besteht im sogenannten „Rebound-Effekt“. Dabei treten die behandelten Symptome nach Absetzen des Medikaments verstärkt wieder auf. Um die psychische Reaktion des Patienten abschätzen zu können, ist es wichtig, dass dieser die verschriebene Arznei regelmäßig und genau nach Verordnung einnimmt. Beim Absetzen wird die Dosis dann schrittweise gesenkt, um den Rebound-Effekt zu minimieren.

Quelle: PTAheute 9/2015


05.07.2017 | Von: Leonard Olberts; Bildrechte: Africa Studio/Shutterstock


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