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Werbung verführt Jugend zum Trinken


Alkoholwerbung fördert das Komasaufen


Je mehr Alkoholwerbung Jugendliche sehen, desto mehr Alkohol trinken sie. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Deutschen Angestellten Kasse (DAK). Jungen sprechen noch mehr auf die Werbung an als Mädchen.

Erster deutscher Forschungsbericht


In Deutschland ist es fast unmöglich, der Alkoholwerbung zu entgehen. Selbst wenn ihre Zielgruppe nur Erwachsene sind, auch Jugendliche sehen sie und reagieren darauf. Der Forschungsbericht der DAK weist nun als erster in Deutschland den Zusammenhang von Alkoholwerbung und dem Alkoholkonsum von Jugendlichen nach. „Bisher basierte die deutsche Forschung in diesem Bereich auf internationalen Daten, die lediglich auf Deutschland übertragen wurden“, sagt Dr. Erbe von der DAK. 3.400 Schüler im Alter zwischen 10 und 17 Jahren nahmen an der Befragung für die Studie teil. Nur 1,5 Prozent der befragten Schüler gab an, noch nie eine der angegebenen Alkoholwerbungen gesehen zu haben.

Je mehr Werbung, desto mehr Konsum


Die Studie hat gezeigt: Jungen trinken öfter und mehr Alkohol als Mädchen. „Interessant dabei ist, dass Jungen Alkoholwerbung auch eher wahrnehmen als Mädchen“, sagt Erbe. Auch erinnern sie sich hinterher besser an die Markennamen. Bei den Kontrollwerbungen für Handys und Süßigkeiten, nach denen in der Studie auch gefragt wurde, war beides nicht der Fall.

Die Werbung beeinflusst auch das exzessive Trinken, das so genannte Komasaufen. Die Gruppe mit dem höchsten Werbekontakt trinkt doppelt so oft exzessiv wie die mit dem niedrigsten Werbekontakt. In den vergangenen vier Jahren sind die Krankenhausaufenthalte von Minderjährigen mit einem gefährlichen Vollrausch um 36 Prozent gestiegen.

Werbekontrollen gefordert


Angesichts ihrer Studienergebnisse fordert die DAK eine gesetzliche Neuregelung für die Werbewirtschaft. „Die im letzten Jahr eingeführte Selbstverpflichtung reicht unserer Auffassung nach nicht aus, um Kinder und Jugendliche zu schützen“, erklärt Erbe. Auch die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing fordert strengere Kontrollen. Ein Bericht der Europäischen Kommission bestätige, dass Alkoholwerbung das spätere Trinkverhalten beeinflusse. „Die kürzlich vorgenommenen Mini-Reformen des Deutschen Werberates reichen nicht aus. Ich bin dafür, dass in Deutschland Alkoholwerbung vor der Aussendung im Fernsehen durch den Deutschen Werberat auf Regelbefolgung überprüft wird“, sagt Bätzing.


13.05.2009 | Von: Stefanie Grutsch