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Diagnosefinder
Wurmfortsatz am Blinddarm
Doch kein überflüssiges Anhängsel
Der Wurmfortsatz am Blinddarm steht in Verruf: Überflüssiges Relikt der Evolution soll er sein und bemerkbar macht er sich nur bei einer so genannten Blinddarmentzündung, die eigentlich eine Entzündung eben dieses Wurmfortsatzes ist. Dass Darwin mit seiner Theorie, der Wurmfortsatz sei ein nutzloses Überbleibsel der Evolution, unrecht hatte, legt eine amerikanische Studie jetzt nahe.
Wurmfortsatz als ‚Versteck’ für Darmflora
Der Wurmfortsatz am Blinddarm ist scheinbar zu nichts zu gebrauchen: Dort wird nicht verdaut, wenn man ihn bei einer Entzündung entfernt, fehlt er offenbar hinterher nicht. Eine Forschergruppe um William Parker von der amerikanischen Duke Universität sagt jetzt, er sei trotzdem kein nutzloses Überbleibsel. Schon vor zwei Jahren hat Parker vermutet, dass der Wurmfortsatz ein Rückzugsgebiet für gesundheitsfördernde Bakterien der Darmflora ist. Bei schwerem Durchfall oder anderen Darmerkrankungen könnten die Darmbakterien dort überleben, um hinterher den Darm umso schneller wieder zu bevölkern und die gesunde Darmflora so wieder herzustellen.
Darwin hatte einfach nicht genug Informationen
Um diese These zu untermauern zeigt Parker jetzt, dass der Wurmfortsatz – anders als von Darwin angenommen – noch bei sehr vielen Tieren vorkommt und das schon seit vielen Millionen Jahren. Über 70 Prozent aller Primaten- und Nagetierfamilien haben heute noch einen Wurmfortsatz. Seit über 80 Millionen Jahren gibt es ihn laut Parker schon und er hat sich im Laufe der Evolution sogar zweimal entwickelt. Bei den australischen Beuteltieren und eben bei jenen urzeitlichen Nagetieren, aus denen später die Affen und Menschen entstanden sind. „Darwin hatte einfach noch nicht die Informationen, die wir heute haben“, sagt William Parker. „Wenn er alle Spezies, die heute noch einen Wurmfortsatz haben, gekannt hätte und gewusst hätte, wie weit er verbreitet ist, hätte er wahrscheinlich nicht geglaubt, er sei ein Überbleibsel der Evolution.“
Blinddarmentzündungen künftig vorbeugen?
Ob die neuen Erkenntnisse Parkers dazu beitragen können, Blinddarmentzündungen künftig öfter zu verhindern, ist noch unklar. Parker selbst glaubt, dass das Wissen über den Wurmfortsatz dazu helfen wird, Allergien, Autoimmunerkrankungen und Blinddarmentzündungen vorzubeugen.
- Links:
- Die Studienergebnisse wurden im Journal of Evolutionary Biology veröffentlicht.



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