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Diagnosefinder
Ziel: Medikamente ohne Nebenwirkungen
Wissenschaftlern gelang es erstmals, Nebenwirkungen auszuschalten
Mit der Tatsache, dass Medikamente Nebenwirkungen haben, müssen wir leben. Das soll aber nicht für immer so bleiben, finden die Pharmazeuten der Universität Würzburg. Sie haben einen Weg gefunden, Nebenwirkungen zu verhindern - zumindest im Fall eines bestimmten Medikaments.
Warum Medikamente Nebenwirkungen haben
Häufig wirken Arzneistoffe, indem sie an bestimmte Proteine einer Zelle, die so genannten Rezeptoren, andocken und damit komplexe Reaktionsketten in Gang setzen. Dabei nutzen sie in der Regel die gleichen Bindungsareale auf den Proteinen wie körpereigene Botenstoffe.
"Interessanterweise sind diese Bindungsareale vieler Rezeptoren strukturell sehr ähnlich, so dass es schwierig ist, mit Medikamenten nur den gewünschten Effekt zu erzielen", erklärt Professorin Ulrike Holzgrabe von der Universität Würzburg. Seit rund 20 Jahren erforscht sie das Problem der Wirkstoff-Rezeptor-Verbindungen. "Die Tatsache, dass Arzneistoffe auch an 'falsche' Rezeptoren binden, führt zu Nebenwirkungen", erklärt Holzgrabe.
Aufgabe der Pharmakologen und Chemiker war es also, einen Wirkstoff zu entwickeln, der ausschließlich an den einen, gewünschten Rezeptortyp binden kann. Das ist jetzt in einem Fall geglückt: "Wir haben so genannte 'dualstere Hybride' entwickelt, die diese Aufgabe erfüllen", sagt Ulrike Holzgrabe. Diese neuen Moleküle docken mit einer Seite an die Bindungsstelle des Rezeptors an, an der auch die körpereigenen Substanzen Kontakt aufnehmen. Gleichzeitig sind sie so gebaut, dass sie sich auch noch an eine zweite, weiter entfernt liegende Bindungsstelle an den Rezeptor lagern. Sie nehmen also gleichsam doppelt Kontakt auf.
"Diese zweite Bindungsstelle hat ursprünglich keine Funktion", sagt die Pharmazeutin. Weil sie sich jedoch von Rezeptor zu Rezeptor strukturell sehr stark unterscheidet, bindet die neue Substanz ausschließlich an exakt den Rezeptor, dessen Signalweg stimuliert werden soll - Nebenwirkungen bleiben somit aus.
Einsatz bei Schmerzen und Alzheimer
Die neue Substanz bindet an Rezeptoren, die bei der Verarbeitung von Schmerzen und bei Gedächtnisprozessen eine Rolle spielen. Gut möglich, dass der Wirkstoff also einmal gegen Schmerzen und Alzheimer Verwendung findet. Bis dahin ist es allerdings noch ein langer Weg: "Optimistisch gerechnet zehn, realistisch betrachtet 15 Jahre werden wohl noch vergehen, bis das neue Medikament tatsächlich in Apotheken erhältlich sein wird, so Ulrike Holzgrabe.
- Links:
- Die Arbeit wurde in der Fachzeitschrift der Federation of American Societies for Experimental Biology veröffentlicht. Ein Abstract des Artikels (Englisch) steht online zur Verfügung.



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