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Redaktion apotheken.de » Gesund leben | Vorsorge » Forschung verstehen
Ständiges Gedankenwälzen verschlechtert den Zustand depressiver Patienten nur.
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Zu viel Grübeln macht krank


Grübeltherapie hilft gegen Depressionen


Zermürbendes Grübeln ist häufig ein Symptom von Depressionen. Depressive Patienten, die zu viel grübeln, haben zudem häufiger Rückfälle, wenn die Krankheit schon überwunden schien. Am Zentrum für Psychotherapie der Ruhr-Universität-Bochum (RUB) wurde eine neue Therapie gegen das Grübeln entwickelt. 80 Prozent der bislang behandelten Patienten hat sie geholfen.

Grübeleien stoppen


„Warum gerade ich? Wieso bin ich nie richtig zufrieden mit dem, was ich tue? Warum gelingt es mir nicht, mein Leben in den Griff zu bekommen? Was hat es zu bedeuten, dass mein Chef mich gestern so komisch angesehen hat?“, das sind Gedanken, die depressive Patienten laut den Bochumer Psychologen endlos wälzen. Je länger sie grübeln, desto schlechter wird ihr Selbstwertgefühl, desto düsterer erscheinen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Die Psychologen der RUB unterstützen ihre Patienten, die ziellosen Grübeleien zu überwinden. Dazu zeigen sie ihnen Strategien, ihre Gedanken bewusst zu lenken und selbst zu entscheiden, worauf sie sich konzentrieren wollen. Außerdem hinterfragen sie den Zweck des Gedankenwälzens, denn viele Patienten glauben, es würde ihnen helfen, Probleme zu lösen. „Wir setzen uns im Gegensatz zu anderen Therapien mehr mit dem Prozess des Grübelns selbst auseinander als mit den Inhalten der Grübelei“, sagt Studienleiter Tobias Teismann.

Depressionen langfristig gebessert


Bislang hat er mit seiner Kollegin Ulrike Willutzki 40 Patienten behandelt. Erste Analysen zeigen, dass sich bei rund 80 Prozent von ihnen die Depression deutlich gebessert hat. Sie waren insgesamt besserer Stimmung, hatten mehr Selbstwertgefühl und Antrieb. Dieser Effekt war auch noch bei Untersuchungen drei und sechs Monate nach Abschluss der Behandlung nachweisbar. 78 Prozent der Befragten gaben bei Therapieende an, mehr Kontrolle über das endlose Nachdenken zu haben.

Mindestens vier Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Depressionen. Sie sind fast ständig niedergeschlagen, können kaum noch Freude oder Genuss erleben und ziehen sich oft von Familie und Freunden zurück. Grübeln, Selbstzweifel und Schuldgefühle gehören genauso zur Depression wie Appetitmangel, Schlafstörungen, Antriebslosigkeit und ein ständiges Gefühl von Erschöpfung und Müdigkeit. Die Therapie, die den Patienten hilft, das ständige Grübeln und Zweifeln zu durchbrechen, verbessert ihre Lebensqualität deutlich.


15.04.2010 | Von: Stefanie Grutsch; Bild: iStockphoto