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Redaktion apotheken.de » Psychische Erkrankungen

Zwänge bei Kindern früh erkennen


Ritualisierte Handlungen sind Warnzeichen


Eltern sollten aufmerksam werden, wenn ihre Kinder bestimmte Verhaltensweisen wie Hände waschen oft grundlos wiederholen und dieses Ritual nur schwer durchbrechen. Solche Symptome weisen auf eine Zwangsstörung hin, die der Arzt frühzeitig behandeln muss. Nur das verhindert, dass sich die ritualisierten Handlungen festigen.

Marotte oder Zwangsstörung?

Eine aktuelle Auswertung mehrerer Studien zeigt, dass viele Eltern Zwangsstörungen bei ihren Kindern zu spät erkennen. Häufig halten sie die Zwangshandlungen der Kinder für komische Marotten und übersehen so erste Krankheitssymptome. Auch schaffen es viele Kinder, ihre Zwänge lange Zeit vor den Eltern zu verheimlichen, indem sie Ausreden erfinden und sich vom Familienleben zurückziehen.

Im Durchschnitt vergehen so etwa zwei Jahre, bevor Eltern mit ihren Kindern zum Arzt gehen. Das ist tückisch: Denn je länger die Zwänge unentdeckt bleiben, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie chronisch werden. Verlaufsstudien belegen, dass 15 Jahre später 70 Prozent der Patienten noch immer mit Zwangssymptomen kämpfen. Dabei gehören Reinigungs- und Kontrollzwänge zu den häufigsten Erkrankungen.

Am Anfang steht nur ein Gedanke

Einer Zwangshandlung geht immer ein Zwangsgedanke voraus. Bei einem Kind mit Waschzwang etwa löst die Vorstellung, Schmutz oder Krankheitskeime an den Händen zu haben, Panik aus. Dieses Angstgefühl kann das Kind nur bekämpfen, indem es eine bestimmte Handlung wiederholt – sich also ausdauernd mit viel Wasser und Seife die Hände wäscht.

Das Waschen zu beenden, ist für gesunde Menschen selbstverständlich, für jemanden mit einer Zwangsstörung allerdings ein großes Problem. Häufig weiß das Kind, wie unsinnig seine Zwangsgedanken sind. Da es aber unbedingt die Panikreaktion vermeiden will, führt es Rituale aus. Ein Kind mit Waschzwang ritualisiert meistens das Händewaschen. Dabei seift es sich beispielsweise – abhängig von der Art des Schmutzes – unterschiedlich oft die Hände ein. Dies hilft ihm, mit der Zwangshandlung Händewaschen wieder aufzuhören.

Angst aushalten heißt Angst verlieren

Die Verhaltenstherapie zielt darauf, diesen Regelkreis zu brechen: Die Patienten sollen sich bewusst ihren Zwangsgedanken und den Angst auslösenden Situationen aussetzen, dürfen dabei aber nicht die gewohnte Zwangshandlung ausführen. So lernen betroffene Kinder, dass ihre Angstgefühle auch ohne die übliche Zwangshandlung schwächer werden und sie die Rituale gar nicht brauchen.

Unterstützend zur Verhaltenstherapie verschreiben Ärzte auch Medikamente, in der Regel selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs). Diese Antidepressiva sind wirksam und gut verträglich. Um Rückfällen vorzubeugen, raten Ärzte, die Kinder auch danach noch therapeutisch betreuen zu lassen.


24.03.2011 | Von: Christine Stockert