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Lücken im Impfpass
Zu viele Eltern vernachlässigen Impfschutz ihrer Kinder
Jeder vierte Jugendliche in Deutschland ist einem erhöhten Masernrisiko ausgesetzt, weil er nicht ausreichend geimpft ist. Auch bei anderen Krankheiten gibt es deutliche Impfdefizite: Mehr als zwei von zehn Kindern und Jugendlichen werden nicht umfassend gegen Wundstarrkrampf (Tetanus) oder Keuchhusten geimpft. Dabei gehören Impfungen zum kostenlosen Vorsorgeprogramm, das Kinder vor diesen gefährlichen Infektionen schützen soll.
Der Grund für den mangelnden Impfschutz: Viele Eltern vergessen ihn ganz einfach. Vor allem Zweitimpfungen, die für den Vollschutz notwendig sind, werden oft nicht durchgeführt. Kinderkrankheiten stellen aber nicht nur für die betroffene Person ein Risiko dar. Auch die Gesamtbevölkerung ist aufgrund des lückenhaften Impfverhaltens einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt.
Masern werden oft verharmlost
Dabei könnten bestimmte Krankheiten durch eine hohe Impfrate der Bevölkerung sogar komplett verdrängt werden. Beispiel Masern: Sie sind eine der ansteckendsten Krankheiten überhaupt. Bei kritischen Verläufen kann es zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie Lungen- und Hirnhautentzündung kommen. Diese betreffen jedes fünfhundertste infizierte Kind, wovon jedes dritte bleibende Schäden davon trägt oder sogar an den Folgen stirbt. Weltweit gehen Maserninfektionen dank der Impfung zurück – ausgerechnet in Deutschland nehmen sie derzeit wieder zu.
Vollständiger Impfschutz ist nur vorhanden, wenn alle nötigen Einzeldosen verabreicht wurde. Damit der Krankheitserreger ausgelöscht werden kann, müssten mehr als 95 Prozent der Deutschen zweimal gegen Masern geimpft werden. Zurzeit verfügen aber nur etwa 87 Prozent über einen Komplettschutz mit Erst- und Zweitimpfung. Als Folge dieser Impfdefizite steigen die Fallzahlen immer weiter an. Fehlende Immunität ist auch der Grund, warum es in der Vergangenheit immer wieder zu Epidemien kam.
Impfmüdigkeit auch bei anderen Krankheiten
Auch bei anderen Infektionskrankheiten führt eine niedrige Impfquote in Deutschland zu einer deutlich erhöhten Infektionsgefahr. Zwar findet beispielsweise der Erstschutz gegen Tetanus in der Regel statt, die im Vorschulalter erforderliche Auffrischimpfung wird aber meist zu spät oder gar nicht durchgeführt.
Zu viele verlassen sich darauf, sich erst im Falle einer Verletzung impfen zu lassen. Oftmals werden die Wunden dann aber als harmlos eingeschätzt und der Gang zum Arzt erst gar nicht angetreten. Den besten Schutz bietet daher immer noch eine Immunisierung. Seit diesem Jahr empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) bei der nächsten Tetanusauffrischung auch den Keuchhustenschutz. Vor allem für Säuglinge und Kleinkinder kann Keuchhusten lebensbedrohlich sein, wird aber oft noch unterschätzt. Die Ansteckungsgefahr geht dabei überwiegend von infizierten Erwachsenen aus, die mit Kindern in Kontakt kommen. Eine entsprechende Auffrischung ist also nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene notwendig.
Vielen Eltern fehlt Wissen über Impfungen und Risiken
Schutzimpfungen gehören heute zu den wirkungsvollsten und kostengünstigsten vorbeugenden Maßnahmen der Medizin. Das Problem: „Viele Eltern sind schlecht informiert. Sie kennen häufig die gesundheitlichen Risiken nicht, denen sie ihre Kinder ohne umfassenden Schutz aussetzen“, sagt der Gesundheitsexperte Frank Grunwald. Auch bei den Argumenten, die für oder gegen eine Immunisierung sprechen, verfügen sie oft nur über Halbwissen. Daher sei mehr Aufklärung nötig. Denn nur wer die Vorteile und die Notwendigkeit von Impfungen kennt, kann seine Kinder auch umfassend gegen gefährliche Kinderkrankheiten schützen lassen und damit die Ansteckungsgefahr eindämmen.



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