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Hautsalbe Regividerm


Apotheker raten zur Besonnenheit


In der letzten Woche hat die Hautsalbe Regividerm viele Schlagzeilen geliefert. In einem Fernsehbeitrag der ARD mit dem Titel „Heilung unerwünscht“ wurde die Salbe mit den Bestandteilen Vitamin B 12 und Avocadoöl als wirksames Mittel gegen Schuppenflechte und Neurodermitis vorgestellt.

Der Film warf der Pharmaindustrie vor, sie würde die Produktion der einfachen und preisgünstigen Salbe verhindern, um ihren eigenen teuren Medikamente keine Konkurrenz zu machen. Inzwischen steht nicht nur die Salbe, sondern auch der Umgang der ARD mit dem Thema in der Kritik. Menschen, die unter den beiden Krankheiten leiden, könnten sich Hoffnungen auf Heilung machen, die die Salbe nicht erfüllen kann. Denn die Studienergebnisse zu Regividerm sind dürftig und für eine Zulassung als Arzneimittel keinesfalls aufsreichend. 

Über die Wirkung der Creme liegen drei Berichte vor: ein Therapievergleich mit einem Plazebo an 49 Neurodermitis-Patienten, ein Vergleich mit Calicopatriol an 13 Patienten mit Schuppenflechte, beide von der Uni Bochum, und eine randomisierte Doppelblind-Studie an 21 Neurodermitis-Patienten unter 18 Jahren. 

Schuppenflechte und Neurodermitis sind sehr belastende Erkrankungen. Nach dem derzeitigen medizinischen Wissen sind sie nicht heilbar. Medikamente, die die Symptome dämpfen, haben oft starke Nebenwirkungen. Natürlich nähren Berichte über einfache, nebenwirkungsfreie Heilmethoden bei Betroffenen und ihren Angehörigen die Hoffnung.

Keine Selbstversuche ohne Rücksprache mit dem Arzt

In Apotheken fragen nach dem Fernsehbeitrag viele Patienten nach Regividerm. Apotheker mahnen zur Besonnenheit: „Bei diesem Präparat sind noch viele Fragen offen. Bislang sind nur wenige Daten veröffentlicht, es besteht weiterer Forschungsbedarf“, sagt Prof. Harmut Morck von der Pharmazeutischen Zeitung. Der Deutsche Psoriasis Bund e. V. und der Deutsche Neurodermitis Bund e. V. haben sich kritisch geäußert. Morck: „Wer die Creme ausprobiert, sollte dies nicht ohne Rücksprache mit einem Experten tun. Patienten sollten ihre bestehende Arzneimitteltherapie nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt ändern.“ 

Regividerm ist in Apotheken derzeit nicht erhältlich. Die Apotheken können keine identische Rezeptur anfertigen, da nicht alle Hilfsstoffe in Arzneibuchqualität verfügbar sind, berichtet die Pharmazeutische Zeitung in ihrer Online-Ausgabe. Die Markteinführung ist aber noch dieses Jahr geplant. Eine schweizer Firma will die Creme produzieren und verkaufen. Dies wird allerdings nur möglich sein, wenn sie als "Medizinprodukt" deklariert werden kann. Als "Arzneimittel" ist sie noch nicht ausreichend in medizinischen Studien geprüft.


28.10.09 |

Von: Dorothee Steeb; Bild: ABDA


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