Antibiotika: Individuelle Dosierung
Unterschiede im Körperbau stärker berücksichtigen
„Erwachsene nehmen dreimal täglich eine Tablette“ so oder so ähnlich lauten die Anweisungen auf den Beipackzetteln von Antibiotika, antiviralen Medikamenten und Antipilzmitteln. Dabei bleibt unberücksichtigt, ob es sich bei dem Patienten um eine zierliche, kleine Frau oder um einen bulligen Zwei-Meter-Mann handelt. Das sei nicht länger vertretbar, sagen Ärzte.
Exakte Dosierung verhindert Resistenzen
Die beiden Mediziner Matthew Falagas und Drosos Karageorgopoulos aus Athen fordern jetzt in der Fachzeitschrift „The Lancet“, Antibiotika zugeschnitten auf Körpergewicht und Körperbeschaffenheit des Patienten zu dosieren. Nur so erhalte jeder Betroffene die für ihn optimale Dosis. Und nur so sei gewährleistet, dass tatsächlich alle Bakterien abgetötet werden. Das ist besonders wichtig, um die Bildung von resistenten Erregern zu verhindern.
Die aktuelle Praxis, jedem Patienten die gleiche Dosis zu geben, sei völlig veraltet und nahezu unverantwortlich - auch vor dem Hintergrund, dass es immer mehr übergewichtige Menschen gibt.
Für die Zulassung von Medikamenten für Kinder, ältere Menschen, Nieren- und Leberkranke sind bereits jetzt spezielle Studien vorgeschrieben. Für alle anderen Abweichungen vom Durchschnitt, wie ein ungewöhnlich hohes oder niedriges Körpergewicht, gilt das hingegen nicht, kritisieren die Mediziner.
Übergewichtige brauchen andere Dosierung
Studien legen nämlich nahe, dass übergewichtige Menschen nicht nur ein anderes Körpervolumen haben, in dem sich ein verabreichter Wirkstoff verteilt, sondern auch eine andere Körperchemie. So ist bei ihnen etwa die Löslichkeit mancher Medikamente anders, weil der Körper einen höheren Fettanteil hat. Außerdem produziert Fettgewebe Hormone und Botenstoffe, die die Wirkung eines Mittels verändern können. Auch der Abbau von Wirkstoffen durch Leber und Nieren ist oft aufgrund von vergrößerten oder geschädigten Organen anders als bei normalgewichtigen Menschen.
Body-Mass-Index kein sinnvoller Anhaltspunkt
Leider reicht es deshalb nicht, einfach den Body-Mass-Index zugrunde zu legen, betonen die beiden Ärzte, denn dieser sagt nichts über den Muskel- oder Fettanteil im Körper aus. Es sei also dringend nötig, vorhandene Studien zur Dosierung neu auszuwerten und die jeweils beste Anpassungsmethode zu ermitteln.
Künftig sollten Studien so angelegt werden, dass sie Unterschiede im Körperbau berücksichtigen. Ansonsten verschärft sich das Resistenzproblem weiter - denn die meisten Krankheitserreger werden deswegen unempfindlich gegen Medikamente, weil die Dosierung nicht hoch genug ist, um im ersten Schritt alle Bakterien abzutöten.
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- Links:
- Ein Interview mit den Autoren (Englisch) kann man online bei "The Lancet" hören.




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