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Redaktion apotheken.de » Gesund leben | Vorsorge » Forschung verstehen

Vererbbares Virus: erstmals entdeckt


Herpesvirus 6 kann vererbt werden


Bislang war kein menschliches Virus bekannt, das von Eltern auf ihr Kind durch genetische Vererbung übertragen werden kann. Das hat sich jetzt geändert: Forscher aus Florida haben entdeckt, dass ein bestimmtes Herpesvirus, das Herpesvirus 6, genau das tut. Es nistet sein Erbgut in die Zellen der Eltern ein und schafft es so, manchmal auf die Kinder übertragen zu werden.

Einnisten in die Chromosomen


Das Herpesvirus 6 ist im Grunde harmlos. Fast alle Menschen stecken sich schon in der frühen Kindheit damit an und erkranken in der Folge an einem Dreitagefieber, auf das ein kurzer Ausschlag folgt. Zwar steht das Virus in Verdacht, auch Gehirnhautentzündungen oder Multiple Sklerose auszulösen, das ist jedoch noch nicht nachgewiesen. Sobald jemand mit dem Virus infiziert ist, bleibt es für den Rest des Lebens im Körper.

Das Forscherteam der Universität Florida, geleitet von Peter Medveczky, hat nun entdeckt, dass es dies auf andere Weise als andere Herpesviren schafft: Es pflanzt sein Erbgut dauerhaft in den Zellkern, genauer die Chromosomen, des Menschen ein. Und das ist sein besonderer Trick: Während andere Herpesviren sich nur im Zellkern „verstecken“, schafft es das Herpesvirus 6 bis in die Chromosomen, also die DNA der Eltern. Wenn es in die Chromosomen der Eizelle oder Samenzelle der Eltern gelangt, kann es darüber auch ins Erbgut der Kinder kommen. Die DNA des Virus ist dann in jeder einzelnen Zelle des Kindes vorhanden und bleibt für immer dort. Das Herpesvirus 6 ist damit das erste bekannte menschliche Virus, das vererbt wird.

In jeder Zelle des Kindes


Von den Zellen des Kindes aus, kann das Virus auch wieder reaktiviert werden. Passiert dies, ist es denkbar, dass das Immunsystem des Kindes darauf nicht reagieren kann, weil es das Virus nicht als fremden Krankheitserreger erkennt. Schließlich ist es von Anfang an im Körper.

Wodurch genau es reaktiviert wird, ist noch unbekannt. „Unsere Entdeckung wirft viele Fragen auf“, sagt Medveczky. „Wir würden gerne wissen, ob es eine Rolle spielt, wo exakt auf dem Chromosom sich das Virus einnistet. Ob daraus verschiedene Krankheiten entstehen. Wir würden auch gerne wissen, ob bestimmte Medikamente und Substanzen das Virus reaktivieren.“ Der Forscher glaubt, dass diese Fragen Virologen noch jahrelang beschäftigen werden.


11.03.2010 | Von: Stefanie Grutsch