Bergaufenthalt als Diät
Gipfelluft hilft beim Abnehmen
Die dünne Luft in höheren Regionen hilft dem Körper, überschüssige Kilos loszuwerden. Zu diesem Schluss kommen Mediziner von der Universität München in der Zeitschrift Obesity. Sie schickten eine Gruppe stark übergewichtiger Männer für eine Woche auf die Zugspitze und halfen ihnen so, Gewicht zu verlieren. Das gelang, obwohl die Männer auf dem Berg keinen Sport trieben und so viel essen durften wie sie wollten.
Bewegung verboten
Auch Sportler verlieren mehr Gewicht, wenn sie in hohen Lagen trainieren. Als Ursache vermuten Wissenschaftler den geringen Sauerstoffanteil in der Bergluft – die Sportler atmen schneller, haben einen höheren Puls und bessere Fettverbrennung. Die Münchner Ärzte wollten nun untersuchen, ob sich dieser Effekt auch in der Therapie von übergewichtigen Patienten ausnutzen lässt. Dazu luden sie 20 Männer über 50 Jahre für eine Woche auf das Schneefernhaus in 2.650 Meter Höhe ein. Alle Teilnehmer litten am metabolischen Syndrom, das durch Übergewicht, Bluthochdruck und erhöhte Blutzucker- und Cholesterinwerte gekennzeichnet ist.
Um zu verhindern, dass sich die Männer ungewohnt viel bewegen und so das Ergebnis verzerrt wird, erreichten sie den Gipfel per Seilbahn. Außerdem bekamen sie einen Schrittzähler mit der Anweisung, wie gewohnt nicht mehr als 5.500 Schritte pro Tag zu gehen. Essen durften die Männer dagegen soviel sie wollten. Parallel dazu beobachteten die Forscher per Bluttest den Spiegel der Hormone Leptin und Ghrelin, die Appetit und Stoffwechsel steuern, und dokumentierten Blutdruck und Kalorienaufnahme.
„Stets genug Schweinsbraten“
Am Ende der Woche wogen die Teilnehmer statt durchschnittlich 105,2 Kilo nur noch 103,5 Kilo. Dieses Gewicht hatten sie auch noch vier Wochen nach dem Versuch, da sie im Anschluss ihre Schrittzahl erhöhten. „Scheinbar gab der Höhenaufenthalt Anstoß, um aus der üblichen Lethargie zu entkommen“, sagt Studienautor Rainald Fischer.
Während der Blutdruck der Männer sank, beobachteten die Forscher, dass der Leptin-Spiegel, der das Hungergefühl schwächt, stieg. Tatsächlich reduzierten die Studienteilnehmer auch während dieser Woche die tägliche Kalorienzufuhr um 700 auf rund 2.000 Kalorien. „Und das, obwohl wir uns Mühe gaben, dass sie stets genügend Schweinsbraten zur Verfügung hatten“, sagt der Mediziner.
Ergebnisse weiter zu prüfen
Da es in dem Versuch keine Kontrollgruppe im Tal gab, die einen direkten Vergleich erlaubt, will Fischer das nachholen. Auch ist die Zahl der Versuchsteilnehmer eher gering und das Experiment deshalb nicht unbedingt repräsentativ. Schon jetzt empfiehlt Fischer Abnehmwilligen aber den Aufenthalt in höheren Lagen, auch wenn sie dort nicht viel Sport betreiben.
Bitte loggen Sie sich ein, um diesen Artikel auf Ihre persönliche Merkliste zu setzen.




zurück