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Um Gewöhnungseffekten vorzubeugen, sollten sich Arzneimittel-Anwender immer in der Apotheke über den richtigen Gebrauch aufklären lassen.

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Arzneimittelabhängigkeit


Wenn Arzneimittel krank machen


Medikamente sollen Beschwerden lindern. Doch manchmal werden sie selbst zum Problem – weil man nicht mehr ohne sie auskommt. Wie sich eine Arzneimittelabhängigkeit äußert und Betroffene die Sucht überwinden, erklärt Göran Donner, Vizepräsident und Pressesprecher der Sächsischen Landesapothekerkammer. 

Herr Donner, bei welchen Medikamenten besteht Suchtgefahr?

Etwa vier bis fünf Prozent aller verschreibungspflichtigen Medikamente können abhängig machen. Neben Abführmitteln und opiathaltigen Schmerzmitteln sind das vor allem Schlaf- und Beruhigungsmittel, die Benzodiazepine oder die so genannten Z-Substanzen Zolpidem, Zopiclon und Zaleplon enthalten. Doch auch bei rezeptfreien Arzneimitteln können sich Gewöhnungseffekte einstellen, etwa bei Nasensprays. Wer ein Mittel aus den genannten Gruppen verwendet, sollte sich daher immer in der Apotheke über den richtigen Gebrauch aufklären lassen.

Wer ist denn vor allem betroffen? Gibt es Risikogruppen, die besonders gefährdet sind?

Generell sind ältere Menschen stärker betroffen, vor allem Frauen: Sie stellen zwei Drittel aller Arzneimittelabhängigen. Meist geht es dabei um Beruhigungs-, Schlaf- oder Schmerzmittel. Aber auch Menschen, die in Beruf oder Freizeitsport mehr leisten wollen, tappen leicht in die Falle der Abhängigkeit. Sie betrachten Arzneimittel fälschlich als ‚Konsumgut‘ und Problemlöser im Alltag. Es fehlt das Bewusstsein, wie schnell Medikamente abhängig machen können. Die Apotheken übernehmen hier eine wichtige gesellschaftliche Funktion, indem sie über das Abhängigkeits- und Missbrauchspotential eines Medikaments aufklären und Tipps zur Suchtprävention geben.

Und woran erkennt man, dass man von einem Medikament abhängig ist?

Auch eine Arzneimittelabhängigkeit zeigt sich in den klassischen Suchtsymptomen: zwanghaftes Verlangen nach der Substanz, allmähliche Dosissteigerung, Verlust der Kontrolle über den Konsum – dazu gehört auch, dass man wider besseren Wissens weitermacht – und natürlich Entzugserscheinungen. Das können zum Beispiel Konzentrations- oder Schlafstörungen, Gereiztheit, Unruhe, Gliederschmerzen oder Stimmungsschwankungen sein. Oft wird die Abhängigkeit nur durch Zufall entdeckt: etwa, wenn im Urlaub ein gewohntes Mittel nicht verfügbar ist und es zu den genannten Beschwerden kommt. Ob es sich dabei um Anzeichen eines Arzneimittelentzugs handeln könnte, lässt sich oft schon in einem vertraulichen Beratungsgespräch mit den Arzneimittelexperten in der Apotheke klären. Betroffene finden hier ein stets verfügbares, niedrigschwelliges, dazu individuelles und auf Wunsch auch anonymes Beratungsangebot.

Wie kommt es überhaupt zu einer Abhängigkeit?

Am Anfang steht stets ein Gewöhnungseffekt. Der Körper reagiert nach längerer Einnahme mit dem Gegenteil der gewünschten Wirkung, so dass die Dosis erhöht werden muss. Im nächsten Schritt entwickelt sich eine Niedrigdosisabhängigkeit – bei den meisten Betroffenen bleibt es dabei. In dieser Phase sind sich die Patienten ihres Problems häufig gar nicht bewusst. Weil die Dosis gleich bleibt oder nur geringfügig erhöht wird, glauben sie, alles unter Kontrolle zu haben. Nur wenige erreichen das Stadium der „echten“ Sucht, in dem die Dosis selbstständig in kurzer Zeit deutlich erhöht wird. Einen Sonderfall stellen Abführmittel dar. Anders als Schlaf- und Schmerzmittel wirken sie zwar nicht auf die Psyche, machen aber bei langfristiger Anwendung den Darm träge – und damit ebenfalls immer mehr „Nachschub“ nötig.

Und wie kann man sich aus der Abhängigkeit befreien?

Zu erkennen, dass man ein Problem hat, ist der erste und wichtigste Schritt auf dem Weg aus der Abhängigkeit. Der Entzug selbst sollte stets unter ärztlicher Überwachung erfolgen. In der Regel wird die Dosis schrittweise reduziert, in Einzelfällen kann auch ein sofortiges vollständiges Absetzen des Medikaments möglich sein. Welche Vorgehensweise die richtige ist, entscheidet der Arzt. Und parallel zur Entwöhnung muss immer auch die Ursache des Medikamentenproblems bekämpft werden. Nur wenn das Problem, das zur Anwendung des Präparats geführt hat, gelöst wird, kann der Entzug dauerhaft gelingen.

Quelle: Sächsische Landesapothekerkammer


29.03.2017 | Von: Redaktion apotheken.de; Sächsische Landesapothekerkammer/Sandra Göbel; Bildrechte: Syda Productions/Shutterstock


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