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Kortisontherapie



Kortison ist ein Schlüsselmedikament in der heutigen Medizin. Die Ärzte sagen Glukokortikoide, denn es gibt nicht nur ein, sondern viele Kortisonpräparate. Kortison & Co. sind wirkungsgleich mit dem körpereigenen Kortison, dem Kortisol und haben ein weites Feld von Anwendungen: von den rheumatischen Erkrankungen, Allergien, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, über Autoimmunerkrankungen bis hin zur Unterdrückung von Abstoßungsreaktionen bei Transplantationen – überall hat die Therapie mit Kortison einen Stammplatz in der heutigen Medizin.

Glukokortikoide haben lebensnotwendige Funktionen, indem sie Stoffwechselabläufe steuern: Beispielsweise die Körpertemperatur, die Blutgefäßweit- und -engstellung und die Konstanthaltung des pH-Werts im Blut. Außerdem spielen sie bei der Anpassung des Körpers an den Tag-Nacht-Rhythmus, an Temperaturwechsel, Lärm und Stress eine Schlüsselrolle, weshalb sie auch zu den Stresshormonen gezählt werden.

Wirkung. Kortisol und Kortison wirken – erwünscht und unerwünscht – im Einzelnen folgendermaßen:

Sie beeinflussen Entzündungsprozesse in sehr umfangreicher Weise – was das Haupteinsatzgebiet der Kortisontherapie ist. Unter anderem dämpfen sie die Antikörperbildung, wodurch sich aber auch die Gefahr erhöht, an langwierigen Infektionen zu erkranken.

Sie unterstützen die Neubildung von Zucker (Glukose) in der Leber und hemmen gleichzeitig die Aufnahme von Glukose in die Zellen. Dies führt zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels und diabetesähnlichen Beschwerden (Steroid-Diabetes).

Sie hemmen die Kalziumaufnahme im Darm und in der Niere, wodurch sich der Kalziumgehalt im Blut senkt. Als Gegenmaßnahme schüttet die Nebenschilddrüse vermehrt Parathormon aus, das nun Kalzium aus den Knochen herauslöst: Es besteht Osteoporosegefahr.

Sie greifen in den Stoffwechsel der Geschlechtshormone ein und hemmen das sexuelle Interesse.

Sie mobilisieren Fette aus dem Fettgewebe, und schwemmen sie ins Blut (Hyperlipidämie). Die so erhöhten Fettwerte sind im Blut messbar und als Stammfettsucht sichtbar.

Damit einhergehend steigern sie den Appetit und verursachen Schlaflosigkeit.

Sie intensivieren die Magensaftsekretion: Dadurch steigt die Gefahr, Magengeschwüre zu entwickeln. Wenn Kortison längere Zeit eingenommen werden muss, ist deshalb eine vorbeugende Behandlung mit einem magensäurehemmenden Medikament, einen sogenannten Protonenpumpenhemmer wie Pantoprazol oder Omeprazol notwendig. Sonst droht ein Magengeschwür.

Prinzipien der Kortisontherapie

Die verschiedenen Kortisone unterscheiden sich vor allem hinsichtlich ihrer Wirkungsstärke und Wirkdauer, aber nicht in der Art ihrer Wirkung. Verabreicht werden sie oral (Tabletten und Kapseln), lokal (Salbe, Dosieraerosol, Darmeinlauf und Spritzen in Gelenkspalt) sowie als Injektion in eine Vene.

Dosis. Die normale Kortisolproduktion folgt einem deutlichen Tagesrhythmus mit dem höchsten Spiegel morgens um 7 Uhr und einem Tiefpunkt um Mitternacht. Um diesen zirkadianen Rhythmus nicht völlig durcheinander zu bringen, werden Kortisontabletten deshalb grundsätzlich frühmorgens eingenommen. Nur bei hohen Dosen werden morgens 2/3 der täglichen Dosis eingenommen und mittags 1/3.

Ermittlung der Zieldosis. Die Zieldosis orientiert sich an der einer ausreichenden Beschwerdebesserung, ohne die Nebennierenrindenfunktion zu unterdrücken.

Um den Patienten auf die für ihn geltende Zieldosis einzustellen, orientiert sich der Arzt zunächst an den Grenzwerten der Kortisondosis, die gerade noch nicht zum Cushing-Syndrom führen. Diese Grenzwerte, auch Äquivalenzdosen oder Cushing-Schwellendosen genannt, stellen aber nur Richtwerte dar, die auf Erfahrungen beruhen. Da jeder Mensch seine eigene Cushing-Schwellendosis hat und diese von Mensch zu Mensch stark schwankt, gibt es leider keine andere Möglichkeit, als sie individuell durch Ausprobieren herauszufinden. Somit stellt das Finden der richtigen Zieldosis das Hauptproblem für die richtige Kortisontherapie dar.

Übersicht gängiger (Gluko-)Kortikoidpräparate:

  • Kortisol (Hydrokortison): Wirkstärke 1; Äquivalenzdosis 30 mg pro Tag
  • Kortison: Wirkstärke 0,8; Äquivalenzdosis 40 mg pro Tag
  • Prednison: Wirkstärke 4; Äquivalenzdosis 7,5 mg pro Tag
  • Prednisolon: Wirkstärke 4; Äquivalenzdosis 7,5 mg pro Tag
  • Methylprednisolon: Wirkstärke 5; Äquivalenzdosis 6 mg pro Tag
  • Triamcinolon: Wirkstärke 5; Äquivalenzdosis 6 mg pro Tag
  • Dexamethason: Wirkstärke 25; Äquivalenzdosis 1 mg pro Tag

Die zirkadiane Therapie (einmalige Gabe täglich) wird von der alternierenden Therapie (jeden 2. Tag die doppelte Dosis der üblichen Tagesmenge) unterschieden. Bei der Langzeittherapie ist die alternierende Therapie zu bevorzugen, da so die Nebenniere wenigstens jeden 2. Tag etwas stimuliert wird.

Nebenwirkungen

Bei akuten Erkrankungen kurz und als Stoßtherapie angewandt, ist Kortison praktisch frei von Nebenwirkungen. Wenn Kortison lange und nicht nur lokal begrenzt eingesetzt wird, kommt es zu allen Symptomen des Cushing-Syndroms. Glücklicherweise bilden sich aber die meisten Beschwerden wie Ödeme, Vollmondgesicht, Wangenröte und Stammfettsucht sowie die Diabetesbeschwerden wieder vollständig zurück.

Nicht umkehrbar ist jedoch die durch längerfristige Therapie verursachte Osteoporose (Knochenausdünnung). Patienten, die Kortison länger als 3 Wochen einnehmen, bekommen deshalb vorsorglich gegen unwiderrufliche Knochenschädigungen täglich 2 x 500 mg Kalzium und 2 x 500 Einheiten Vitamin D3 als "Knochenvitamin".


Von: gesundheit-heute.de; Kristine Raether-Buscham, Dr. med. Arne Schäffler | zuletzt geändert am 18.01.2019 um 09:34


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