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Priapismus



Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Priapismus: Schmerzhafte Erektion über zwei Stunden ohne sexuelle Erregung . Ursache ist meist ein verminderter Abfluss von venösem Blut aus den Schwellkörpern, seltener ein erhöhter Blutzustrom. Der Priapismus entsteht häufig aus ungeklärter Ursache, kann aber auch Folge von Bluterkrankungen oder Medikamenteneinnahme sein.

Der Priapismus ist ein urologischer Notfall. Wird die Dauererektion nicht innerhalb von etwa 6 Stunden behandelt, nehmen die Schwellkörper Schaden, es drohen bleibende Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion).

Symptome und Leitbeschwerden

  • Schmerzhafte Dauererektion über 2 Stunden
  • Manchmal Penisverkrümmung nach oben
  • Später blau verfärbte Vorhaut und Eichel.

Wann zum Arzt

Sofort zum Urologen oder in ein Krankenhaus, wenn

  • oben genannte Beschwerden auftreten.

Die Erkrankung

Der Priapismus gehört zu den selteneren Erkrankungen, er kommt etwa 1–3/100.000 vor. Prinzipiell kann er sich in jedem Alter entwickeln, am häufigsten betroffen sind jedoch Jungen von 4–10 und Männern von 20–50 Jahren.

Die Dauererektion kann über 2 verschiedene Wege zustande kommen:

  • Low-Flow-Priapismus (90 %): Hier fließt das venöse Blut nicht mehr aus dem Penis ab, die Erektion wird prall und schmerzhaft. Der Druck im Schwellkörper liegt über dem diastolischen Blutdruck, wodurch die Durchblutung des Penis eingeschränkt wird. Nach etwa 12 Stunden kommt es zur Blutgerinnung im Schwellkörper mit fibrotischer narbiger Abheilung.
  • High-Flow-Priapismus (10 %): Auslöser dieser seltenen Form ist ein vermehrter Einstrom arteriellen Blutes in den Schwellkörper (z. B. durch eine geplatzte Arterie), der Abstrom über die Venen funktioniert noch. Hier ist die Erektion meist weniger prall und schmerzhaft, die Gefahr von Schäden durch eine mangelhafte Blutzufuhr besteht nicht.

Ursachen und Risikofaktoren

  • Idiopathischer Priapismus (30 %): Bei etwa einem Drittel der Fälle (meist Low-Flow-Form) ist die Ursache ungeklärt.
  • Medikamente und Drogen (20–30 %): Hier führen vor allem Kokain, Alkohol, Schmerzmittel und Psychopharmaka zu einem Priapismus. Die zur Behandlung von Erektionsstörungen verordneten PDE-5-Hemmer wie etwa Sildenafil (z. B. Viagra®) sind nur sehr selten Auslöser eines Priapismus.
  • Sichelzellenanämie (10–20 %): Bei dieser angeborenen Erkrankung kommt es bei der Erektion durch Verklumpung der krankheitstypisch verformten roten Blutkörperchen zu einem verminderten venösen Abfluss aus dem Schwellkörper. Das mittlere Erkrankungsalter beträgt 12–15 Jahre, das Priapismus-Risiko für homozygote Sichelzellanämie-Kranke 40–90 %.
  • Schwellkörper-Autoinjektionstherapie SKAT: Vor allem bei der SKAT-Therapie mit den Wirkstoffen Phentolamin/Papaverin (heute kaum noch verwendet). Bei der inzwischen bevorzugten SKAT-Therapie mit Alprostadil entwickeln etwa 1 % der Männer einen Priapismus.
  • Sehr seltene Ursachen eines Priapismus sind neurologische Erkrankungen (zum Beispiel Bandscheibenvorfälle), Kompression der Schwellkörper aufgrund von Tumoren oder Metastasen (Prostatakrebs, Melanom) oder Verletzung von Arterien im Schwellkörper durch Punktionen oder Traumata.

Diagnosesicherung

Die Diagnose des Priapismus ist eine Blickdiagnose. Um Hinweise auf die Ursache zu erhalten befragt der Arzt den Betroffenen nach möglichen Injektionen, SKAT-Therapie, Drogenkonsum oder Vorerkrankungen. Weitere Maßnahmen sind:

  • Blutuntersuchung: Blutbild, Drogenscreening, Bestimmung von HbS bei Verdacht auf eine Sichelzellanämie
  • Blutgasanalyse aus dem Schwellkörper als Hinweis auf Low-Flow- oder High-Flow-Priapismus; dazu nutzt der Arzt Blut, das er bei der therapeutischen Punktion abzieht, siehe unten
  • Evtl. Doppler-Sonografie zur Unterscheidung von Low-Flow- und High-Flow-Priapismus.

Behandlung

Low-Flow-Priapismus

Hier muss die Therapie innerhalb von 12 Stunden erfolgen, um den drohenden Gewebeschaden und eine dauerhafte Impotenz abzuwenden.

  • Schmerzbehandlung, evtl. Sedierung.
  • Schwellkörperpunktion: Nach örtlicher Betäubung durchsticht der Urologe die Eichel des Penis mit einer Nadel (Kanüle), die ausreichend tief in die Schwellkörper hineinreicht. Anschließend saugt er bis zu 500 ml Blut ab und spült die Schwellkörper mit Kochsalzlösung.
  • Um den venösen Abfluss zu verbessern, injiziert der Arzt einmal oder wiederholt hochverdünntes Adrenalin oder Noradrenalin in die Schwellkörper.
  • In manchen Fällen legt der Arzt eine Kinderblutdruckmanschette um den Penis und pumpt die Manschette auf Werte über dem systolischen Blutdruck auf, um den Abfluss zu fördern.
  • Bei Sichelzellanämie versucht der Arzt, durch zusätzliche Sauerstoffgabe und Flüssigkeitszufuhr die weitere Verklumpung der roten Blutkörperchen zu verhindern.
  • Wenn Punktion und Injektionen versagen, muss der Blutabfluss operativ wiederhergestellt werden. Dabei wird eine Verbindung zwischen den Schwellkörpern (Shunt) geschaffen, um einen Blutabstrom zu ermöglichen.

High-Flow-Priapismus: Diese Form des Priapismus heilt in etwa 60 % spontan. Unterstützt wird die Rückbildung durch lokale Kühlung und Kompression. Ist die Ursache eine geplatzte Arterie und die spontane Besserung bleibt aus, muss der Arzt operativ eingreifen und die geplatzte Arterie entweder per Embolisation (transarterielle Katheterembolisation) verschließen oder chirurgisch unterbinden.

Prognose

Bei einer konservativen Therapie bleiben in der Regel keine Schäden am Schwellkörper zurück. Anders sieht es aus, wenn operativ eingegriffen werden muss: Hier beträgt die Rate der Impotenz nach dem Eingriff 50–90 %.

Ihr Apotheker empfiehlt

Lassen Sie im Fall einer Dauererektion (Priapismus) keine Zeit verstreichen. Wird die Therapie zu spät eingeleitet, drohen dauerhafte Erektionsstörungen.


Von: gesundheit-heute.de; Dr. med. Martina Sticker, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski | zuletzt geändert am 01.08.2019 um 10:09


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