Umgang mit Medien früh lernen

Zeitung für Grundschüler

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Lesen bildet - das gilt auch für Kinder.

Schon für Grundschulkinder kann Zeitunglesen spannend sein. Und es hat einen positiven Effekt auf die Leselust und Informationsfreude im späteren Leben. Das zeigt eine Studie der Hochschule Heilbronn, in der erstmals der langjährige Effekt von Zeitungsprojekten in der Grundschule untersucht wurde.

Die Leiterin der Studie Prof. Nicola Marsden erzählt im Gespräch mit Stefanie Grutsch von der Leselust der Jugendlichen und was sie im Umgang mit modernen Medien können müssen.Frau Marsden, Zeitunglesen in der Grundschule – das klingt zunächst überraschend. Interessiert das denn die Kinder überhaupt?

Das interessiert die Kinder sehr – wenn man es richtig macht. Bei den medienpädagogischen Projekten der Zeitungsverlage erhalten die Lehrerinnen und Lehrer viele Ideen, wie sie mit der Zeitung im Unterricht arbeiten können. Und was die Kinder noch mit der Zeitung machen können, zum Beispiel Zeitungsenten basteln. Meist kommt auch eine Redakteurin oder ein Redakteur in die Klasse und beantwortet die Fragen der Kinder und es gibt einen Besuch im Druckhaus.Welche Artikel lesen denn die Kleinen und können sie sie auch tatsächlich verstehen?

Die Kinder interessieren sich überraschenderweise für ähnliche Themen wie die Erwachsenen: Katastrophen und schlimme Sachen, das Wetter und der eigene Ort stehen an erster Stelle. Wie die Großen auch erwarten die Kinder von ihrer Zeitung, dass sie ihnen Orientierung in ihrem Alltag bietet.
Um die Artikel zu verstehen, brauchen sie meist tatsächlich Unterstützung. Die erhalten sie in dem Schulprojekt von den Lehrerinnen und Lehrern. Zu Hause – das wäre zumindest zu hoffen – von den Eltern. Außerdem bieten viele Zeitungsverlage mittlerweile Artikel und Seiten speziell für Kinder oder Jugendliche an.Was können Jugendliche besser, die als Kinder an einem Zeitungsprojekt teilgenommen haben?

Sie lesen lieber, speziell eben Tageszeitung. Sie interessieren sich stärker für das, was in der Zeitung steht, und lesen insgesamt lieber. Und sie stehen dem Lesen positiver gegenüber als Jugendliche, die als Kinder nicht an einem Zeitungsprojekt teilgenommen haben.

Das sind ja wichtige Kompetenzen, vor allem weil die modernen Medien immer unüberschaubarer werden. Gerade im Internet sind die Quellen oft schwer nachzuprüfen und es gibt eine wahre Flut an Informationen. Können die Jugendlichen aus dem Projekt damit besser umgehen?

Genau darum geht es ja beim Lesen der Tageszeitung: Hier gibt es eine Qualitätssicherung, die ich bei vielen anderen Informationsquellen nicht habe. Allgemein informieren Jugendliche sich überwiegend übers Internet, es hat sich bei den Jugendlichen aus dem Projekt aber gezeigt, dass sie eher die Seiten von Tageszeitungen aufsuchen.Halten Sie es aus dieser Sicht für sinnvoll oder notwendig, solche Projekte an jeder Grundschule in Deutschland einzuführen?

Die Auseinandersetzung mit dem Medium Tageszeitung ist Teil des Lehrplans an unseren Schulen. Bei den von uns untersuchten Zeitungsprojekten handelt es sich um Aktionen, die in Zusammenarbeit mit der regionalen Zeitung durchgeführt werden. Da gibt es Handreichungen und Workshops für die Lehrerinnen und Lehrer und die Schulklassen erhalten über mehrere Wochen täglich die Tageszeitung.
Wenn die Möglichkeit für die jeweilige Lehrer besteht, an einem solchen Projekt teilzunehmen, dann denke ich, dass sie das unbedingt machen sollten.Was können Sie Eltern und Erziehern darüber hinaus raten, um Kinder auf den Umgang mit modernen Massenmedien vorzubereiten?

Grundsätzlich kann ich die Vorbildfunktion der Eltern und Erzieher gar nicht genug betonen: Was die Kinder beobachten ist immer wichtiger als das, was wir ihnen erzählen. Bei den Kindern geht es darum, ihnen einen sinnvollen Umgang mit den Medien beizubringen. Wir müssen das, was sie interessiert, ernst nehmen und ihnen dann zeigen, wo sie gute und richtige Antworten auf diese Fragen bekommen.

Bei Jugendlichen geht es darum, überhaupt zu verstehen, mit welchen medialen Problemen sie zu kämpfen haben. Hierzu gehört beispielsweise das derzeit viel diskutierte Mobbing in virtuellen Netzwerken. Oder den so genannten „Serendipity-Effekt“: Das heißt, bei der Suche nach Informationen im Internet findet man etwas, was man gar nicht gesucht hat. Das ist einerseits ein glücklicher Zufall, andererseits eine große Zeitfalle. Erwachsene müssen sich mit solchen Dingen auskennen, damit die Jugendlichen sie als Ansprechpartner ernst nehmen.

Nicola Marsden von der Hochschule Heilbronn hat die Effekte von medienpädagogischen Zeitungsprojekten wie „Zeitung in der Grundschule“ (ZiG) untersucht. Gemeinsam mit Franziska Drescher hat sie herausgefunden, dass Projekte wie ZiG auch fünf Jahre danach noch eine positive Wirkung auf die Jugendlichen zeigen.

Zusammenfassung der Studie

Autoren

Stefanie Grutsch | zuletzt geändert am 04.02.2016 um 12:54 Uhr
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