Singen gegen das Vergessen

Musiktherapie bei Demenz

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Musik holt Demenz-Patienten in die Gegenwart zurück.

Musik hat eine besondere Kraft. Sie vermittelt Freude, schult den Geist und schafft Gemeinsamkeit. Davon profitieren nicht zuletzt Menschen mit Demenz. Durch eine Musiktherapie gewinnen sie einen Teil ihrer Lebensqualität zurück.

In Deutschland leben ca. 1,4 Millionen  Menschen mit Demenz. Die Ursachen der Erkrankung sind vielfältig, doch die Symptome gleichen sich. Im Laufe der Zeit schwindet bei den Betroffenen das Kurzzeitgedächtnis sowie das Orientierungs-, Lern- und Sprechvermögen. Begriffe und Gegenstände verlieren ihre Bedeutung, Gelerntes gerät in Vergessenheit, Orte und Gesichter aus dem täglichen Umfeld werden fremd. Umso faszinierender ist es mitzuerleben, wie Demenzkranke beim gemeinsamen Musizieren Liedstrophen aus Weihnachts- oder Volksliedern wie selbstverständlich mitsingen.

Singen und Demenz

„Demenz lässt sich nicht heilen, zumindest im Moment noch nicht“, erklärt Prof. Dr. Theo Hartogh von der Universität Vechta. „Aber es gibt viele Ansätze, die die Lebensqualität von dementiell Erkrankten verbessern. Ein sehr effektiver ist das Singen und Musizieren“. Der Musikwissenschaftler und -Pädagoge hat das Thema über lange Jahre erforscht. Er weiß: „Singen und Musizieren ist auch dort möglich, wo es Gespräche nicht mehr sind.“ Musik holt die Betroffenen in die Gegenwart zurück. Sie festigt die Bindung zwischen den Erkrankten untereinander und dem Pflegepersonal. Zusätzlich stärkt sie die geistigen Fähigkeiten der Betroffenen. Dabei hat sich gezeigt, dass der Lerneffekt besonders hoch ist, wenn auch neue Lieder eingeübt werden.

Demenz-Patienten soll der Zugang zur Musiktherapie erleichtert werden

„Aufgrund der stetig steigenden Zahl dementiell erkrankter Menschen besteht ein erhöhter Bedarf an musikalischen Angeboten für diese Zielgruppe“, betont Dr. Ulrike Kehrer, Dozentin für Musik an der Katholischen Akademie Stapelfeld in Cloppenburg. Vor allem im ländlichen Raum fehle es an passenden Angeboten. Einen Anfang machen die Katholische Akademie und die Universität Vechta. Sie bieten einen Kurs für interessierte Pflegekräfte und Angehörige. Hier lernen die Teilnehmer medizinische sowie musikalische Grundlagen, studieren geeignete Lieder ein und üben sich im Einsatz von Instrumenten und mimischen Gestaltungselementen.

Autoren

Susanne Schmid/ Universität Vechta | zuletzt geändert am 03.09.2015 um 15:28 Uhr
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