Schneeglöckchen gegen Demenz

Blühender Wachmacher

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Das Schneeglöckchen trotzt dem Winter und dem Vergessen.

Schneeglocken, Frühlingsfrohlocken: Der Winter geht langsam zu Ende. Doch Schneeglöckchen läuten nicht nur den Frühling ein. In ihnen versteckt sich ein Medikament gegen Alzheimer.

Verbeugung im Schnee

Wenn die ersten wärmenden Sonnenstrahlen den Frühling ankündigen, weckt das auch einige Blumen aus dem Winterschlaf. Das Schneeglöckchen gehört dabei zu den ersten blühenden Frühlingsboten. Bereits ab Februar trotzt es Minusgraden, um Vorgärten und Waldböden zu zieren. Auffällig sind die langen, lanzettförmigen Blätter und die Blüte: ein weißer Trichter, der sich zum Boden neigt, als wolle sich das Pflänzchen vor der Welt verbeugen.

Applaus für das Schneeglöckchen

Kein Wunder, die Welt hat nämlich allen Grund, dem Schneeglöckchen zu applaudieren. In seiner Blumenzwiebel steckt ein wertvoller Arzneimittelstoff – das Alkaloid Galantamin. Ärzte behandeln damit Beschwerden bei Demenz. Der Wirkstoff stärkt das Gedächtnis von Alzheimerpatienten, hebt ihre Stimmung und erleichtert ihren Alltag.

Das Gehirn als Bühne

Wie Galantamin wirkt, ist gut erforscht. Es greift in den Stoffwechsel eines Wachmachers ein – dem Acetylcholin. Als Botenstoff im Gehirn übernimmt Acetylcholin viele Aufgaben. Unter anderem spielt es eine wichtige Rolle im Gedächtnis. Dabei gilt: Je mehr Acetylcholin vorhanden ist, desto aufmerksamer und aufnahmefähiger ist das Gehirn.

Und was genau macht Galantamin? Es verhindert, dass Eiweiße den Wachmacher Acetylcholin abbauen. Zudem erhöht es die Empfindlichkeit von Nervenzellen. Das erklärt, warum Galantamin Alzheimersymptome lindert.

Ein Schauspiel mit Geschichte

Bereits 1950 entdeckten Forscher den Schneeglöckchen-Wirkstoff. Zunächst setzten sie ihn als Mittel gegen Kinderlähmungen und Nervenschmerzen ein. Im Jahr 2000 folgte dann die europaweite Zulassung als Medikament gegen Alzheimer. Während das Galantamin früher nur aus Blumenzwiebeln stammte, wird es heute rein industriell hergestellt.

Ein giftiges Ende

Zu viel Galantamin ist allerdings gefährlich. Deshalb gelten Schneeglöckchen als giftig. Nach dem Verzehr drohen Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Also gehört das Schneeglöckchen nur als Zierpflanze in den Garten. Den richtig dosierten Wirkstoff gibt es in der Apotheke.

Autoren

Julia Ehmer | zuletzt geändert am 07.12.2011 um 09:43 Uhr
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