Belastungen gelassen meistern

Stress im Job

Alloy Photography/Veer
Pausen zum Durchschnaufen sind wichtig und sollte man sich regelmäßig nehmen.

Stress macht vorübergehend produktiv, doch auf Dauer ist er schädlich. Wie man es schafft trotz wachsender Anforderungen im Beruf mehr auf sich selbst zu achten, verrät Nadja Lins – Business-Coach aus Frankfurt.

Heute haben wir viel bessere Arbeitsbedingungen als früher. Gleichzeitig fühlen wir uns aber stärker überfordert und gestresst. Woher kommt das?

Unsere Seele ist für kurzfristige Belastungen ausgelegt, nicht für andauernde. Hinzu kommt, dass wir in der heutigen Zeit wesentlich weniger Ruhepausen und Entspannungsphasen einlegen. Dadurch werden wir weniger belastbar. Es liegt in der Verantwortung eines jeden Einzelnen, für sich selbst zu sorgen und auszuloten, welche Grundbedürfnisse man hat, und wie man sicherstellen kann, dass man diese auch versorgt.

Auch wenn sie kurz vor einem Burnout stehen, trauen sich die meisten Mitarbeiter nicht ihrem Vorgesetzten zu sagen, wie sehr der Stress sie auffrisst. Ist die Angst als Versager abgestempelt zu werden, begründet? Was würden Sie in so einem Fall empfehlen?

Ja, diese Angst ist begründet. Wenn ein Mitarbeiter nicht ausreichend Vertrauen in seinen Vorgesetzten hat und nicht weiß, wie dieser mit solch einem Anliegen umgeht, ist es sicherlich sinnvoll, sich zunächst privat helfen zu lassen. Hilfreich können dabei so genannte „Burnout-Lotsen“ sein. In vielen Regionen sind diese als Coach vor Ort und erstellen mit Betroffenen zusammen ein Gutachten, so dass diese sehr gut erkennen, wo sie selbst ansetzen können. Zudem gibt es dann dort die Möglichkeit, über einen Zeitraum von zwölf Wochen (anonym) einen Kurs zu besuchen.

Wem der Job über den Kopf wächst, der hat häufig zu wenig Zeit zum Entspannen. Wie schaffen es Betroffene dennoch, zumindest an den Wochenenden, wieder Kraft für die neue Woche zu tanken?

Im Job sollte man darauf achten, dass man ausschließlich Aufgaben innerhalb des eigenen Verantwortungsbereiches erledigt und anderen nur im Bedarfsfall aushilft. Für Zuhause ist es ratsam ganz bewusst zwei Pausen oder Interaktionen pro Tag einzuplanen, in denen man sich selbst etwas Gutes tut. Was das konkret ist, spielt keine Rolle – Hauptsache, man tankt auf! Grundsätzlich sollte man ausreichend schlafen, ausgewogen essen und auf moderate Bewegung zum Stressabbau achten.

Sind Stress und Nervosität im Berufsalltag sowie Schlafstörungen in der Nacht schon erste Anzeichen für ein Burnout? Woran erkennt man, dass man gefährdet ist?

Ob die genannten Symptome schon Anzeichen eines Burnouts sind, lässt sich nur im Einzelfall durch einen Arzt klären. Wichtig ist es für die Betroffenen herauszufinden, welche Faktoren an der Arbeit sie so extrem stressen? Und zu überlegen, welche Möglichkeiten es gibt, diese Faktoren zu klären bzw. zu verändern? Was die Schlafhygiene anbelangt, könnte es sinnvoll sein, spätestens eine Stunde vor dem Einschlafen sämtliche Gedanken zur Arbeit/Problemen zu notieren und dieses Denken dann bewusst zu beenden. Vor dem Einschlafen sollte das Bewusstsein dann auf positive Gedanken im Leben/Alltag gelenkt werden. So kann man sich selbst positiv beeinflussen.

Männer gehen oft nachlässig mit ihrer Gesundheit um, auch wenn in Folge von Stress bereits erste Erschöpfungsanzeichen, wie Schlafstörungen oder Herzrasen auftreten. Wie kann man da gegensteuern, ohne den Arzt aufsuchen zu müssen?

Wenn sich die ersten körperlichen Signale einstellen, versuchen wir Menschen häufig, es als "vorübergehend" abzutun und "geben noch mehr Gas", um die Arbeit erledigt zu bekommen. Vor allem Männern ist oft nicht bewusst, dass möglicherweise Handlungsbedarf besteht. Statt also „Gas zu geben“, wäre genau das Gegenteil richtig: sich bewusst für sich selbst Zeit nehmen und für sich (und/oder) mit dem Partner aufzulisten, was genau im momentan Leben als stressig empfunden wird, bzw. als "unerträglich" gefühlt wird.

Autoren

Nadja Lins/djd/Sandra Göbel | zuletzt geändert am 17.12.2014 um 16:20 Uhr
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