Für starke Knochen sorgen

Osteoporose

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Kalzium ist gut für die Knochen. In Milch und Milchprodukten ist es reichlich enthalten.

Osteoporose, auch Knochenschwund genannt, zählt zu den häufigsten Erkrankungen im Alter. Die Knochen brechen schneller – schon kleine Ausrutscher genügen. Wer besonders gefährdet ist und wie sich der Knochen stärken lässt, erklärt Dr. med. Vanadin Seifert-Klauss, Fachärztin und Leiterin des Osteoporosezentrums am  Klinikum rechts der Isar in München.

Osteoporose ist eine Krankheit, die sich schleichend entwickelt. Wie kann ich erkennen, dass ich gefährdet bin, bevor erste Knochenbrüche auftreten?

Seifert-Klauss: Man sollte sich folgende Fragen stellen: Sind die eigenen Eltern oder Geschwister betroffen? Nehme ich seit vielen Jahren Medikamente wie etwa Cortison, die als Knochenräuber gelten? Habe ich Untergewicht oder ernähre mich – aus welchen Gründen auch immer – sehr einseitig? Zudem entwickeln etwa ein Drittel der Frauen nach den Wechseljahren eine Osteoporose. Letztendlich kann eine Knochendichtemessung (DXA-Messung) helfen, Osteoporose früh zu erkennen.

Warum sind Frauen besonders gefährdet, an einer Osteoporose zu erkranken?

Seifert-Klauss: Knochen bestehen aus einer kompakten äußeren Hülle, auch kortikaler Knochen genannt, und dem inneren, sogenannten trabekulären Knochen, der ein wenig aussieht wie ein Schwamm. Frauen haben einen höheren trabekulären Knochenanteil als Männer. Dieser ist vor allem in Wirbelkörpern vorherrschend und reagiert schnell auf hormonelle Veränderungen, da er durch seine Schwammstruktur eine große Oberfläche hat und sehr stoffwechselaktiv ist. Während es um die Menopause zu stärkeren Verlusten am trabekulären Knochen kommt, was zu Wirbelbrüchen führen kann, wird im fortgeschrittenen Alter vermehrt der kortikale Knochen abgebaut. Letzteres kann auch zu Brüchen des Oberschenkelhalses führen.

Gibt es außer dem Lebensalter und den Wechseljahren noch weitere Risikofaktoren, die eine Osteoporose begünstigen?

Seifert-Klauss: Ja, zahlreiche, darunter vor allem zu wenig Bewegung. Bei auf den Rollstuhl angewiesenen Patienten ist das ein riesiges Problem, aber beispielsweise auch bei älteren, unsicheren Menschen. Zu den weiteren Risikofaktoren gehören die Einnahme bestimmter Arzneimittel, wie zum Beispiel Cortison, eine familiäre Vorbelastung sowie Unter- oder Mangelernährung.

Ab welchem Lebensalter sollten Frauen anfangen, einem Knochenschwund aktiv vorzubeugen? Welche Vorbeugungsmaßnahmen sind sinnvoll?

Seifert-Klauss: Schon von Kindheit an, denn in den ersten drei Lebensjahrzehnten wird die Knochenmasse aufgebaut. Je stärker die Knochen in der Jugend sind, desto länger halten sie dem später einsetzenden Abbau stand. Aber auch in späteren Lebensjahren sind vorbeugende Maßnahmen immer noch sinnvoll – etwa mäßige, aber regelmäßige Aktivität, genügend Sonnenlicht und frische Luft sowie eine vielseitige Ernährung mit ausreichend Milchprodukten oder anderen Kalziumquellen.

Lässt sich die Versorgung mit Kalzium und Vitamin D allein über die Ernährung abdecken, oder wann ist es nötig, sie durch geeignete Präparate zu ergänzen?

Seifert-Klauss: Ab 50 Jahren, teilweise auch schon früher, sehen wir immer mehr Menschen mit Vitamin-D-Mangel. Ist zusätzlich eine niedrige Knochendichte bekannt, rate ich oft zur zusätzlichen Zufuhr von Vitamin D und auch von circa 500 Milligramm Kalzium pro Tag. Bei Knochenbrüchen ist der Bedarf ebenfalls erhöht.

Wie sieht eine über die allgemeinen Basismaßnahmen hinausgehende Osteoporosetherapie heute aus?

Seifert-Klauss: Wir haben inzwischen eine große Auswahl an Therapiemöglichkeiten, die es erlauben, je nach Bedürfnissen und individuellen Zusatzrisiken der Patienten für beinahe jeden ein maßgeschneidertes Konzept anzubieten. Zu den zurzeit gebräuchlichsten Osteoporosemitteln zählen etwa Bisphosphonate, SERMs (selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren) und Strontiumranelat. Die Medikamente sind als Tabletten, Spritzen und Infusionen verfügbar. Zudem gibt es den Wirkstoff Denosumab, der alle sechs Monate unter die Haut injiziert wird. Immer wichtiger wird hierbei, auch nach Therapiebeginn mit den Patienten im Kontakt zu bleiben. So kann gemeinsam darauf geachtet werden, ob Nebenwirkungen auftreten und dass die Therapie nicht abgebrochen wird.

Häufig sind Stürze der Grund für Knochenbrüche bei Senioren. Wie kann man das Sturzrisiko wirksam senken?

Seifert-Klauss: Stürze bei Senioren sind oft durch kurze Schwindelepisoden bedingt. Auch stehen Medikamente, die entwässern oder müde machen, den Blutdruck stark senken oder Durchfälle verursachen, oft mit solchen Stürzen in Zusammenhang. Manchmal tragen auch Sehstörungen zum Sturzrisiko bei. Neben der Beseitigung der berüchtigten Stolperfallen im Haushalt wie beispielsweise lose Teppiche und Türmatten helfen Haltegriffe an gefährlichen Stellen. Werden Koordination und Muskelkraft etwa durch Seniorensport geübt, so kann ein Ausrutschen sehr viel besser abgefangen werden. Vitamin D hilft über die dadurch verbesserte Muskelkoordination ebenfalls, das Sturzrisiko zu senken, wie in Studien bewiesen wurde.

Kann der Hausarzt eine Osteoporose behandeln, oder ist es besser, sich an spezielle Zentren oder Fachärzte zu wenden?

Seifert-Klauss: Gerade der Hausarzt kann oft am besten die vielen Medikamente älterer Patienten daraufhin prüfen, ob diese knochenabbau- oder sturzfördernde Wirkungen haben oder ob die Therapien gut aufeinander abgestimmt sind. Viele Hausärzte behandeln in ihren Praxen Osteoporosepatienten erfolgreich auch in Kooperation mit spezialisierten Osteoporosezentren. Bei Knochenbrüchen müssen selbstverständlich die entsprechenden Fachärzte für die Diagnose und Versorgung hinzugezogen werden.

Autoren

Sandra Göbel/djd | zuletzt geändert am 01.04.2015 um 14:04 Uhr
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