Neue Empfehlungen herausgegeben

Ernährung gesunder Säuglinge

Alloy Photography/veer
Zwischen dem 5. und 7. Lebensmonat sollte neben dem Stillen Beikost zugefüttert werden, zum Beispiel Brei.

Die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin hat ihre Empfehlungen zur Ernährung gesunder Säuglinge aktualisiert. Die Experten empfehlen Stillen ohne Zufütterung in den ersten 4 bis 6 Lebensmonaten, und weitergeführtes Stillen neben der Beikost. Von sogenannter Selbstfütterung des Babys und veganer Ernährung des Säuglings raten die Experten ab.

In den ersten Monaten möglichst stillen

Die Ernährungskommission der Deutschen Fachgesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) hat zahlreiche aktuelle Studien und Publikationen ausgewertet und in ihre Empfehlungen für die Ernährung gesunder Säuglinge einbezogen. Insgesamt bestätigt die Ernährungskommission in ihrer wissenschaftlichen Publikation die Empfehlung, Säuglinge in den ersten 4 bis 6 Lebensmonaten wenn möglich ausschließlich zu stillen. Zahlreiche Studien belegen, dass Stillen das Abwehrsystem von Säuglingen stärkt und bestimmten Erkrankungen wie Asthma vorbeugt. An das ausschließliche Stillen schließt sich eine stufenweise Einführung von Beikost an bis hin zur normalen Familienkost zum Ende des 1. Lebensjahres.

Die Experten bewerteten neue Trends in der Babykost kritisch, zum Beispiel das sogenannte Baby-led Weaning (weaning = Abstillen) und die vegane Ernährung von Säuglingen.

Baby-led Weaning – Selbstfütterung des Babys

Selbstfütterung statt Babybrei – das ist das Ziel des „Baby-led Weaning“. Hier nimmt sich das Baby seine Beikost selbst, indem es die angebotene Nahrung selbständig zum Mund führt. Den konsequenten Verzicht auf Brei, sehen die Experten als problematisch an. Denn bei konsequenter Einhaltung der ausschließlichen Selbstfütterung bestimmt allein die motorische Entwicklung des Kindes, wann mit der Selbstfütterung begonnen wird. Solange gibt es Milch. Da die meisten Kinder erst im Lauf des 2. Lebenshalbjahres in der Lage sind, die Selbstfütterung zu praktizieren, verschiebt sich der Beginn der Beikostgabe meist einige Monate nach hinten. Dies sei zu spät, um die Chancen auf ein gemindertes Allergie- und Zöliakierisiko nutzen zu können. Denn die Einführung von Beikost nach der 17. und vor der 26. Lebenswoche (5. – 7. Lebensmonat) mindert diese Risiken wesentlich, so belegen es Studien seit längerem. Zudem betont die DGKJ-Ernährungskommission, dass bei Baby-led Weaning die angemessene Versorgung des Babys mit kritischen Nährstoffen wie Eisen nicht gesichert ist.

Vegetarisch bis vegan – auch für´s Baby?

Immer mehr Erwachsene ernähren sich vegetarisch oder vegan und wollen dies als Eltern auch an ihre Kinder weitergeben. Die DGKJ-Ernährungsexperten kommen in ihrer Empfehlung zu dem Schluss, dass eine ovo-laktovegetarische Ernährung im 1. Lebensjahr möglich ist. Ovo-Lakto-Vegetarier essen kein Fleisch und Fisch, nahmen aber Lebensmittel zu sich, die vom lebenden Tier stammen, zum Beispiel Milchprodukte. Bei einer ovo-laktovegetarischen Ernährung ist jedoch eine sorgfältige Auswahl der Lebensmittel notwendig, um die Nährstoffversorgung des Kindes sicherzustellen.

Eine vegane Ernährung hingegen – also rein pflanzlich ohne Milchprodukte und Ei – verursacht schwerwiegende Defizite in der Nährstoffversorgung des Kindes. Dies ist mit hohen Risiken für seine Entwicklung und Gesundheit verbunden, bis hin zu irreversiblen neurologischen Schäden. Eine vegane Ernährung ist deshalb für Säuglinge nicht geeignet.

Autoren

Sandra Göbel/DGKJ | zuletzt geändert am 21.07.2014 um 13:21 Uhr
Vorheriger Artikel

Keine Angst vor Psychopharmaka