Erhöhtes Risiko für Mutter und Kind

Frauen bei Geburten immer älter

Corbis Photography/ veer
Die Anstrengungen einer späten Mutterschaft sind nicht zu unterschätzen. Geburt und Stillzeit kosten mehr Kraft als in jungen Jahren.

In Deutschland bekommt fast jede zweite Frau erst mit über 30 Jahren das erste Mal Nachwuchs. Das birgt trotz moderner Medizin und Schwangerschaftsbetreuung ein erhöhtes Risiko für Mutter und Kind. Ältere Mütter erleiden mehr Fehlgeburten, sind häufiger auf Kaiserschnitte angewiesen und entwickeln öfter Schwangerschaftsdiabetes, warnt der Berufsverband der Frauenärzte (BVF). Erst Ausbildung, dann Kinder

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat jedes fünfte im Jahr 2012 geborene Kind eine Mutter, die bei der Geburt des Kindes über 35 Jahre alt war. Moderne Frauen wollen häufig erst ihre Ausbildung beenden und im Beruf Fuß fassen, bevor sie das erste Kind bekommen. Außerdem vertrauen sie auf die Errungenschaften der Medizin und die umfassende Betreuung von Schwangeren in Deutschland. „Trotzdem können wir nicht alle Risiken, die das höhere Alter der Mütter mit sich bringt, einfach durch medizinische Maßnahmen beseitigen. So sinkt ab 35 und noch stärker ab 40 Jahren die Fähigkeit des Organismus, die Schwangerschaft zu halten. Aborte und Fehlgeburten sind die Folge. Ein weiteres Risiko ist das Übergewicht vieler Schwangerer, das zum Schwangerschaftsdiabetes und zu Komplikationen wie Bluthochdruck und Nierenschäden in der Spätschwangerschaft führen kann, zu einer Überernährung des Kindes in der Gebärmutter und zu Kaiserschnitten“, erklärt Dr. med. Christian Albring, Präsident des BVF. Zu schwach für natürliche Geburten

Für viele Frauen jenseits der 35 Jahre, die unsportlich und übergewichtig sind, ist vor allem die Geburt selbst ein Problem. Ihr Körper ist nicht fit genug, um eine natürliche Geburt auszuhalten. Um die Gesundheit des Kindes nicht zu gefährden, führen die Ärzte dann sicherheitshalber einen Kaiserschnitt durch. „Etwa jede sechste Geburt endet in einem sekundären Kaiserschnitt, der ursprünglich nicht geplant war. In den meisten Fällen steckt hier ein hartnäckiger Geburtsstillstand mit einer Verschlechterung der kindlichen Herztöne dahinter, weil die Frau nicht mehr die Kraft hat für die anstrengende letzte Phase der Wehen“, erläutert der Experte. Je älter, desto weniger Reserven

Auch nach der Geburt haben es ältere Frauen schwerer als Gebärende unter 30 Jahren. „Wir sehen bei älteren Müttern längere Erholungszeiten nach Kaiserschnitten und auch nach natürlichen Geburten. Zudem haben sie oft weniger Reserven für die kraftraubende erste Zeit mit dem Baby, für die Schlafunterbrechungen durch Stillen und Wickeln, und sie leiden häufiger unter schweren Rückenschmerzen durch das Tragen. Auch die Zeit mit Klein- und Schulkindern kann für Frauen, die auf die 40 oder auch auf die 50 Jahre zugehen, gesundheitlich sehr anstrengend werden. Wenn die Kinder dann aus dem Gröbsten raus sind und sie wieder in den Beruf einsteigen möchten, sind sie oft älter als ihre künftigen Vorgesetzten, bei denen sie sich vorstellen. Oftmals melden sich dann auch schon die ersten Anzeichen der Wechseljahre, insgesamt eine schwierige Zeit“, warnt Dr. Albring.

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Anne Jantos/BVF | zuletzt geändert am 16.09.2014 um 09:12 Uhr
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