Helfer bei der Chemotherapie

Methadon gegen Hirntumore

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Chemotherapie und Methadon könnten künftig ein schlagkräftiges Duo bei der Bekämpfung von Tumorzellen bilden.

Bisher ist Methadon nur als Mittel gegen körperliche Entzugserscheinungen von Heroinabhängigen bekannt. Jetzt haben Forscher des Universitätsklinikums Ulm herausgefunden: In Kombination mit einer Chemotherapie tötet Methadon bösartige Krebszellen im Gehirn ab. Waffe gegen Gliobastome In der jüngsten Vergangenheit ist Methadon als vielversprechendes Medikament gegen Tumorzellen in den Fokus der Wissenschaft gerückt. Bereits 2008 brachte die Chemikerin Dr. Claudia Friesen vom Ulmer Institut für Rechtsmedizin Leukämiezellen mithilfe von Methadon zum Absterben. Jetzt wies die Forscherin im Labor nach, dass das Schmerzmittel zusammen mit einer Chemotherapie Gliobastome abtöten kann. Gliobastome sind die häufigsten bösartigen Gehirntumoren bei Erwachsenen. „Wir haben entdeckt, dass die zusätzliche Gabe von Methadon bei einer Chemotherapie die Wirkung der Zellgifte um bis zu 90 Prozent verstärkt“, erklärt Dr. Friesen. Methadon macht Zellen aufnahmefähiger

Die Tumorzellen besitzen an ihrer Oberfläche bestimmte Strukturen, an denen das Methadon bindet. Dann öffnen sich Kanäle, durch die die Medikamente der Chemotherapie in die Zelle eindringen. Unter dem Einfluss von Methadon nehmen die Krebszellen jedoch nicht nur mehr Medikamente auf, sondern geben auch weniger davon wieder ab. Auf diese Weise verbleiben große Mengen des Krebsmittels für längere Zeiträume in den Tumorzellen. Das bedeutet für die Patienten: eine geringe Medikamentendosis und damit weniger Nebenwirkungen der Chemotherapie. Umgekehrt bilden sich durch die Krebsmedikamente mehr Oberflächenstrukturen auf den Tumorzellen. Dadurch gelangt wiederum eine größere Menge an Methadon in die Zellen. Auf diese Weise schaukeln sich die Chemotherapie und das Methadon gegenseitig hoch, bis die Krebszelle abstirbt.

Mithilfe des schlagkräftigen Duos zerstörten die Forscher sogar sehr widerstandsfähige Glioblastome fast komplett. Davon könnten zukünftig auch Patienten profitieren, die schon als austherapiert galten. „Möglicherweise können wir mit Methadon bisher resistente Tumorzellen wieder für die Chemotherapie empfänglich machen“, berichtet die Expertin. Die methadonunterstützte Chemotherapie war sogar gegen die berüchtigten Tumorstammzellen erfolgreich. Diese widerstehen der herkömmlichen Behandlung häufig und führen zu Rückfällen der Betroffenen. Hoffnung für Krebspatienten

Die positiven Ergebnisse der Laborversuche müssen sich künftig noch in klinischen Studien bewähren. „Wir wollen Methadon als Unterstützer und Verstärker der konventionellen Chemotherapie in den klinischen Alltag einbringen. Methadon erhöht den Therapieerfolg signifikant, überwindet Resistenzen und greift gesunde Zellen nicht an“, fasst Dr. Friesen zusammen. Die Forscher gehen davon aus, dass sich die Erkenntnisse auch auf andere Krebsarten wie Bauchspeicheldrüsen-, Eierstock- oder Prostatakrebs übertragen lassen.

Autoren

Anne Jantos/Deutsche Krebshilfe e.V. | zuletzt geändert am 07.10.2014 um 11:10 Uhr
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