Was hilft wirklich?

Erkältungsmythen

Alloy Photography/Veer
Wird die Erkältung von Fieber begleitet, helfen Wadenwickel, die Temperatur zu senken.

Hilft ein Schal gegen Halsschmerzen? Bekommt man eine Erkältung, wenn man mit nassen Haaren vor die Tür geht? Und lindert Hühnersuppe eine Atemwegsinfektion? Dr. Ursula Marschall und Dr. Utta Petzold von der Barmer GEK haben die Antworten und räumen mit den gängigsten Erkältungsmythen auf.

Erkältung und Grippe sind das Gleiche

Das ist ein Irrtum! Die „echte“ Grippe, im Fachjargon Influenza genannt, ist eine durch Viren aus den Gattungen Influenzavirus A oder B ausgelöste Infektionskrankheit bei Menschen. Bei einer Erkältung handelt es sich dagegen nur um einen grippalen Infekt. Eine Erkältung verläuft deutlich harmloser als eine Grippe und wird durch andere Viren verursacht.

Die Nase putzen statt hochzuziehen

Es widerspricht zwar den Regeln der guten Erziehung, doch aus wissenschaftlicher Sicht ist nichts gegen das Hochziehen einzuwenden, aber durchaus etwas gegen das Schnäuzen. Beim Schnäuzen entsteht ein Druck, der dazu führen kann, dass sich die Krankheitserreger auch auf die Nasennebenhöhlen ausbreiten. Dann droht möglicherweise eine Nasennebenhöhlenentzündung. Deshalb lieber zwischendurch auch mal auf ein Taschentuch verzichten. Tipp: Gerade bei einer Erkältung mit Schnupfen ist eine regelmäßige Nasenspülung hilfreich.

Die Krankheit einfach in der Sauna herausschwitzen

Besser nicht! Der Körper ist während einer Erkältung ohnehin geschwächt und würde die Herausforderung des Temperaturanstiegs schwerer verkraften.

Sauna im Winter härtet ab

Vorbeugend stärkt der Wechsel von Heiß und Kalt beim Saunagang prima die Abwehrkräfte – auch Wechselduschen haben diesen Effekt. Ein starkes Immunsystem ist bereits frühzeitig in der Lage, eindringende Krankheitserreger abzuwehren. Auch Herz und Kreislauf werden durch die Temperaturreize trainiert und zusätzlich wird die Durchblutung gefördert. Allerdings treten diese Effekte erst ein, wenn sich der Körper an die Wechselreize von Schwitzen und Abkühlen gewöhnt hat, und das dauert mindestens drei Monate. Wer durch Saunagänge einer Erkältung vorbeugen möchte, sollte am besten das ganze Jahr über einmal wöchentlich zur Schwitzkur gehen. Wer nur in die Sauna geht, wenn es draußen kalt ist, hat davon nicht mehr als eine angenehme Entspannung. Tabu sind Saunagänge für Menschen, die bereits Fieber oder erhöhte Temperatur haben. Auch wer unter schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen leidet, sollte vor dem Saunieren seinen Arzt fragen.

Mit nassen Haaren holt man sich eine Erkältung

Nicht auf direktem Weg, denn Auslöser für eine Erkältung sind Viren und die interessieren sich nicht für den Feuchtigkeitsgrad der Haare, sondern für den Durchblutungsgrad der Schleimhäute. Dieser sinkt, sobald die Kopfhaut auskühlt. Lassen nasse Haare jedoch die Kopfhaut auskühlen, können sie den Ausbruch einer Erkältung tatsächlich fördern. Um einer Auskühlung der Kopfhaut und damit einer schlechteren Durchblutung der Schleimhäute vorzubeugen, sollte man bei kaltem Wetter lieber mit trockenen Haaren und am besten mit Mütze vor die Tür gehen.

Mit kalten Umschlägen das Fieber senken

Das funktioniert tatsächlich – und nicht nur bei Kindern! Dabei sollte aber auf eine "Dauerkühlung" verzichtet werden. Ideal sind etwa 20 Minuten, anschließend die Beine gut abtrocknen. Wadenwickel reduzieren nach circa einer Stunde die Körpertemperatur bei 39 Grad um etwa ein 1 bis 1,5 Grad Celcius.

Atemwegsinfektionen mit Hühnersuppe weglöffeln

Eine selbstgemachte Hühnersuppe ist nicht nur ein Seelentröster, sondern auch ein Gesundmacher. Wissenschaftliche Forschungen belegen: Hühnerfleisch sowie gekochtes Gemüse enthalten Inhaltsstoffe, die eine entzündungshemmende Wirkung haben. Außerdem befeuchtet der heiße Dampf der Suppe die Schleimhäute zusätzlich und sorgt so dafür, dass das Sekret in Hals und Nase besser abfließt. Und zu guter Letzt trägt die Suppe zur täglichen Flüssigkeitszufuhr bei und ersetzt die Elektrolyte, die beim Schwitzen verloren gehen.

Bei Halsschmerzen hilft ein Schal

Das lässt sich aufgrund mangelnder Daten leider nicht eindeutig beantworten. Vielmehr gilt bei Halsschmerzen, die durch Viren verursacht werden: Gut ist, was gut tut. Das kann bei manchen ein wärmender Schal sein, bei anderen ein kühlendes Eis. Allerdings bevorzugt ein Großteil der Patientinnen und Patienten bei Halsschmerzen Wärme. Aus wissenschaftlicher Sicht ist das durchaus sinnvoll, da sich die Gefäße durch Wärme weiten und die Schleimhaut in Rachen und Hals besser durchblutet wird. Dadurch werden zerstörte Krankheitserreger, Zellen, Schleim und Eiter schneller abtransportiert.

Mit Antibiotika ist man im Nu wieder fit

Falsch! Antibiotika wirken nur gegen Bakterien. Erkältungen werden jedoch in der Regel von Viren verursacht. Bis eine Erkältung wieder abgeklungen ist dauert es mit oder ohne Arzneimittel ungefähr 14 Tage. Nasenspray und Halstabletten lindern die Beschwerden, „heilen“ können auch sie die Erkältung nicht.

Ein Kombipräparat ist die einfachste Lösung

Nicht immer! Kombipräparate versprechen zwar, verschiedene Beschwerden gleichzeitig zu bekämpfen und sind deshalb bei einer Erkältung mit Husten, Fieber, Schnupfen und Gliederschmerzen sehr beliebt. Sie enthalten jedoch in flüssiger Form bis zu 18 Prozent Alkohol, beeinträchtigen die Fahrtüchtigkeit und sind nicht für jedermann geeignet. Bei Asthma, Bluthochdruck oder Erkrankungen der Schilddrüse kommen sie nicht in Frage. Kinder sollten diese Medikamente ebenfalls nicht einnehmen. Menschen mit einer Erkältung sollten sich in der Apotheke eine individuell abgestimmte Medikation empfehlen lassen, die den einzelnen Symptomen gerecht wird. Wer zum Beispiel nur Schnupfen hat, braucht kein Kombipräparat gegen Husten und Schnupfen.

Der Erkältung sportlich davonlaufen

Auf keinen Fall! Denn bei einem grippalen Infekt ist das Immunsystem geschwächt. Sport wäre in dieser Zeit nur eine unnötige Belastung. Im schlimmsten Fall droht eine Herzmuskelentzündung. Also lieber ein paar Tage pausieren und nach Abklingen der Symptome wieder langsam mit dem Training beginnen.

Autoren

Sandra Göbel/Barmer GEK | zuletzt geändert am 19.11.2014 um 16:54 Uhr
Vorheriger Artikel

Komplementärmedizin bei Rheuma