Nicht die Führungskräfte dopen

Doping im Job nimmt zu

Corbis Photography/Veer
Gesundheitsbewusst mit dem Körper umgehen - auch im Job.

Knapp drei Millionen Deutsche haben im vergangenen Jahr verschreibungspflichtige Medikamente genutzt, um am Arbeitsplatz leistungsfähiger zu sein oder um Stress abzubauen. Das geht aus dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport „Update: Doping am Arbeitsplatz“ hervor.

Hirn-Doping auf dem Vormarsch

Für die repräsentative Studie wertete die DAK-Gesundheit Arzneimitteldaten von 2,6 Millionen erwerbstätigen Versicherten aus und befragte mehr als 5.000 Berufstätige im Alter von 20 bis 50 Jahren. Demnach haben knapp 6,7 Prozent das sogenannte Hirndoping wenigstens schon einmal praktiziert – 2008 waren es nur 4,7 Prozent. DAK-Vorstandschef Herbert Rebscher warnt hinsichtlich der steigenden Anwenderzahlen: „Suchtgefahren und Nebenwirkungen des Hirndopings sind nicht zu unterschätzen. Deshalb müssen wir auch beim Thema Gesundheit vorausschauen und über unsere Wertvorstellungen und Lebensstilfragen diskutieren.“

Männer wollen Leistung, Frauen bessere Stimmung

Auslöser für den Griff zur Pille sind meist hoher Leistungsdruck sowie Stress und Überlastung. Zwischen den Geschlechtern gibt es Unterschiede bezüglich der Motive. „Frauen nehmen eher bestimmte Mittel gegen Depressionen, um die Stimmung zu verbessern und Ängste und Nervosität abzubauen“, erläutert Rebscher. „Bei Männern sind es meist anregende Mittel. Sie wollen wach bleiben, stark und leistungsfähig sein.“

Entgegen der landläufigen Meinung sind es nicht primär Manager und Kreative, die sich mit Medikamenten zu Höchstleistungen pushen wollen. Im Gegenteil: Je unsicherer der Arbeitsplatz und je einfacher die Arbeit selbst, desto höher ist das Risiko für Hirndoping. „Das Klischee der dopenden Top-Manager ist damit vom Tisch“, meint Rebscher.

Wunderpillen gibt es nicht

Mehr als jeder Zweite bekommt für die entsprechenden Medikamente ein Rezept vom Arzt. Jeder Siebte erhält Tabletten von Freunden, Bekannten oder Familienangehörigen, jeder Zwölfte bestellt sie ohne Rezept im Internet. Professor Dr. Klaus Lieb, Facharzt und Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz, warnt: „Der Bezug aus dem World Wide Web ist riskant. Dort gibt es viele Medikamentenfälschungen, die ohne Rezept abgegeben werden und der Gesundheit erheblich schaden können.“

Der Experte dämpft zudem Erwartungen an das Hirn-Doping: „Eine Wunderpille gibt es nicht. Oft zeigen die Medikamente nur kurzfristige und minimale Effekte auf die kognitive Leistungsfähigkeit. Demgegenüber stehen hohe gesundheitliche Risiken, wie körperliche Nebenwirkungen bis hin zur Persönlichkeitsveränderung und Abhängigkeit.“

Autoren

Sandra Göbel/DAK-Gesundheit | zuletzt geändert am 20.03.2015 um 11:04 Uhr
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