Strahlenärmere 3D-Diagnostik

Neue Alternative zur Mammografie

Die Mammografie spielt bei der frühzeitigen Diagnose von Brustkrebs eine große Rolle. Sie steht allerdings in der Kritik. Die Vorwürfe: Fehldiagnosen und Strahlenbelastung. Ein neues Verfahren soll bessere Bilder bei weniger Strahlung liefern.

Krebstherapie: je früher, desto besser

Die Prognose von Brustkrebs hängt entscheidend vom Zeitpunkt der Diagnose ab. Je früher der Krebs entdeckt wird, desto besser sind die Chancen auf Heilung. Die etablierten Screening-Programme sind deshalb in der Krebsvorsorge nicht mehr wegzudenken. Das Problem: Sie haben Fehlentdeckungsraten von bis zu 20 Prozent. Bei der Mammografie können kleine Tumoren durch das Raster rutschen, wenn dichtes Drüsengewebe darüber liegt. Auf der anderen Seite kommt es immer wieder zu Fehlalarmen, da harmlose Verwachsungen als Krebsgeschwüre fehlinterpretiert werden. Diese Fehldiagnosen belasten die Psyche der betroffenen Frauen oft nachhaltig.

Wenig Strahlen, scharfe Bilder

Computertomografien (CT) liefern zwar schärfere Aufnahmen als die Mammografie, setzen die Frauen jedoch einer hohen Strahlenbelastung aus. Sie eignet sich deshalb nicht für regelmäßige Vorsorgen. Das soll sich nun ändern. Ein internationales Forscherteam der European Synchrotron Radiation Facility (ESRF) entwickelte ein neues CT-Verfahren. Zum Einsatz kommt eine besonders energiereiche Röntgenstrahlung, die das Gewebe leichter durchdringt und schärfere Aufnahmen liefert. Gleichzeitig benötigen die Ärzte eine 25-mal niedrigere Strahlendosis als bei einer herkömmlichen CT, sodass die Belastung für die Patientin sinkt.

Fehldiagnosen vermeidbar

Die Forscher machten 512 Aufnahmen einer menschlichen Brust mit dem neuen Verfahren und den herkömmlichen Methoden. Anschließend bewerteten fünf unabhängige Radiologen die Schärfe und Qualität der Bilder, ohne Hinweis auf die eingesetzten Verfahren. Dabei schnitt die neue Methode deutlich besser ab.

Die neuen 3D-Bilder haben eine zwei- bis dreifach höhere Auflösung als die Mammografie. Viele Fehldiagnosen lassen sich dadurch vermeiden. Prof. Maximilian Reiser fasst die Ergebnisse zusammen: „Das neue Verfahren könnte der klinischen Anwendung der Computertomografie bei Brustuntersuchungen den Weg ebnen und uns damit eine wertvolle Waffe für den frühzeitigen und verbesserten Kampf gegen Brustkrebs in die Hand geben.“ Der nächste Schritt besteht nun darin, die neue Technologie in die Kliniken zu bringen.

Autoren

Sandra Göbel | zuletzt geändert am 26.10.2012 um 12:25 Uhr
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