Kinder in Problembezirken sind dicker

Wohnort hat Einfluss aufs Gewicht

Mike Watson/ veer.com
Der Wohnort eines Kindes wirkt sich entscheidend auf sein Gewicht aus. Kinder aus Problemvierteln mit wenig Grünanlagen neigen stärker zu Übergewicht.

Übergewicht bei Kindern hat viele Ursachen. Neben dem Schulabschluss und dem Einkommen der Eltern beeinflusst auch der Wohnort das Körpergewicht. Das haben Forscher der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig heraus gefunden.

Wohnort wichtiger als Bildungsniveau

Circa 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind übergewichtig, 6 Prozent gelten als adipös, also fettleibig. Viele von ihnen leiden später unter Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck oder Herzkrankheiten. Doch wovon hängt es ab, ob sich ein Kind normal oder übergewichtig entwickelt? Antworten darauf liefert eine Studie der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig. Die Forscher werteten die Daten der Einschulungsuntersuchung von rund 3000 Leipziger Kindern aus. Sie teilten die 63 Ortsteile der Stadt Leipzig in vier Gruppen ein. Das Hauptaugenmerk lag auf der Arbeitslosenquote, dem Haushaltseinkommen und dem Anteil der Personen mit niedrigem Schulabschluss.

Das Ergebnis zeigt: Über 12 Prozent der übergewichtigen Kinder leben in den Problembezirken. Nur rund 6 Prozent Kinder mit Übergewicht stammen aus den privilegierten Ortsteilen. „Dabei hat sich gezeigt, dass der Wohnort des Kindes neben dem elterlichen Sozialstatus zusätzlichen Einfluss auf das Übergewicht bei Kindern ausübt: Denn wohnt eine Mutter mit niedriger Bildung in einem privilegierten Ortsteil, verringert sich das Übergewichtsrisiko beim Kind“, erklärt Prof. Dr. Brähler, ehemaliger Leiter der der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie an der Universität Leipzig.

Weniger Spielplätze und Grünflächen

Warum der Wohnort des Kindes derart beeinflusst, zeigen die Ergebnisse US-amerikanischer Studien. Stark benachteiligte Ortsteile unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von privilegierten. In Problembezirken sind nicht nur das Bildungsniveau niedriger und die Arbeitslosigkeit höher. Die meisten benachteiligten Stadtviertel sind außerdem dicht und vor allem mit Hochhäusern bebaut, die verkehrstechnische Anbindung ist schlechter. Hier gibt es meist weniger Grünflächen und Spielplätze, wo Kinder abseits des Straßenverkehrs an der frischen Luft spielen können.

„Um mit Präventionsmaßnahmen gezielt Übergewicht bei Kindern bekämpfen zu können, muss in weiteren Studien noch genau erforscht werden, wodurch diese großen Unterschiede verursacht werden“, erklärt Brähler. Dieses Wissen wird den Kommunen zukünftig bei der Planung und Umgestaltung von Stadtvierteln helfen. Der Wohnort sollte nicht darüber entscheiden, ob Kinder übergewichtig werden. „Denn aus übergewichtigen Kindern werden meist adipöse Erwachsene, deren Kinder wiederum ein erhöhtes Übergewichtsrisiko haben“, warnt Brähler.

Autoren

Anne Jantos | zuletzt geändert am 24.04.2014 um 09:17 Uhr
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