Kultusministerkonferenz rät zu Kursen

Reanimation ab der 7. Klasse

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Im Notfall sollte jeder eine Wiederbelebung beherrschen. Künftig lernen Schüler ab der 7. Klasse, was bei Herz-Stillstand zu tun ist.

Im Notfall wissen was zu tun ist: Wiederbelebung soll ab dem kommenden Schuljahr als Pflichtthema auf dem Lehrplan stehen. Das empfiehlt der 395. Ausschuss der Kultusministerkonferenz. Künftig sind ab der 7. Klasse zwei Unterrichtsstunden pro Jahr dafür vorgesehen. Deutschland als Schlusslicht in Europa

In Ländern wie Norwegen oder Dänemark gehört Reanimations-Training schon lange zum Lernstoff an Schulen. Ganz anders in der Bundesrepublik: Erst beim Führerschein ist ein Erste-Hilfe-Kurs für alle Pflicht. Aus diesem Grund liegt die Quote der Wiederbelebungsmaßnahmen bei Notfällen in Deutschland nur zwischen 17 und 21 Prozent. Damit landet die Bundesrepublik auf einem der letzten Plätze im europäischen Vergleich. Kommt es zu einem Herz-Kreislauf-Stillstand, wissen knapp 80 Prozent der Ersthelfer nicht was zu tun ist oder wenden ihr Wissen nicht an. Mit fatalen Folgen für die Betroffenen. „Schon nach fünf Minuten ohne Wiederbelebungsmaßnahmen – und damit ohne Sauerstoffversorgung – kann es zu bleibenden Schäden im Gehirn kommen. Die Chance zu überleben, steigt durch eine sofortige Herzdruckmassage um das Zwei- bis Dreifache“, erklärt Prof. Dr. Hugo Van Aken, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI). In Norwegen, wo Reanimation seit 1961 auf dem Lehrplan steht, wenden 73 Prozent der Ersthelfer bei Notfällen Wiederbelebungsmaßnahmen an. Zwei Stunden pro Schuljahr genügen

Jetzt haben die Wissenslücken bei Ersthelfern in Deutschland politische Konsequenzen. Eine Initiative der Anästhesisten-Verbände in Deutschland trägt Früchte. Der 395. Schulausschuss der Kultusministerkonferenz empfiehlt, Reanimations-Training auf den Lehrplan an allen Schulen zu setzen. Künftig sind ab der 7. Jahrgangsstufe jährlich zwei Unterrichtsstunden für dieses wichtige Thema vorgesehen. Die Lehrkräfte müssten dazu entsprechend geschult werden. Dann könnte das Training ohne größeren Aufwand, beispielsweise in den Fächern Sport oder Biologie, in den Stundenplan integriert werden.

2006 stellten Prof. Dr. Van Aken und seine Kollegen den Erfolg des schulischen Reanimations-Trainings in einer Studie unter Beweis. „Die Schüler können schon nach einmaligem Training das theoretische und praktische Wissen über einen längeren Zeitraum anwenden. Bei einer jährlichen 2-stündigen Auffrischung wird sogar ein dauerhafter Lernerfolg erreicht“, erklärt der Experte. .„Dabei spielt es keine Rolle, ob die Schüler von professionellen Rettungshelfern ausgebildet wurden oder von gut geschulten Lehrern“, ergänzt Prof. Dr. Götz Geldner, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten e.V. (BDA).

Autoren

Anne Jantos/ Circle Comm GmbH | zuletzt geändert am 17.07.2014 um 13:58 Uhr
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