Behandlung an Stadium anpassen

Erste Hilfe bei Lippenherpes

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Schon beim ersten Kribbeln handeln!

Im Winter hat Lippenherpes Hochsaison. Wenn die Lippe juckt und kribbelt, ist die Bläschenbildung kaum mehr aufzuhalten. Doch mit den richtigen Mitteln wird man die Viren schneller wieder los. Die Apothekerkammer Niedersachsen erklärt, welche Medikamente für welches Krankheitsstadium geeignet sind.

Lippenherpes: Unverhofft kommt oft

Gerade in der kalten Jahreszeit ist Herpes ein Thema, weil es  die Herpes- Viren im Winter besonders leicht haben. Die Haut und Schleimhäute sind durch kalte Winterluft und trockene Heizungsluft strapaziert. Ihre Schutzbarriere ist dadurch gestört und Viren können leichter eindringen. Häufig wird die Immunabwehr zusätzlich durch eine Erkältung oder andere Infekte geschwächt. Diese Abwehrschwäche kommt dem Herpes-Virus gerade recht. Oft treten Herpes-Infektionen im Zuge eines Infektes auf. Erste Symptome sind meist Spannungen und Kribbeln an der Lippe. Dann heißt es: schnell Handeln!

Für jedes Stadium ein anderes Mittel

Wer unter Herpessymptomen leidet, sollte sofort eine Apotheke aufsuchen. Die Behandlungsart variiert je nach Krankheitsstadium. Cremes mit antiviralen Inhaltsstoffen sollten bereits beim ersten Kribbeln aufgetragen werden – und zwar alle ein bis zwei Stunden, damit sie optimal wirken können. Sie hemmen die Ausbreitung des Virus auf gesunde Hautpartien. Zur Heilung tragen sie dagegen nicht bei. Gegen bestehende Bläschen helfen Pasten oder Gele mit Zinksulfat. Sie haben eine zusammenziehende Wirkung und trocknen die Bläschen aus. Anschließend beschleunigen Cremes mit Melissenextrakt die Heilung der trockenen Bläschen.

Tipp: Hydrokolloidpatches – kleine und durchsichtige Pflaster – helfen dabei, die Bläschen zu kaschieren. Sie werden aufgeklebt und überschminkt. Mithilfe einer getönten Penciclovircreme lassen sich die Blasen gut abdecken. Sie sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Übertragung auf andere vermeiden

Bereits nach dem ersten Kribbeln auf der Haut oder bei Spannungsgefühlen auf der Lippe besteht eine hohe Ansteckungsgefahr. Wer ein Aufflammen der Krankheit bei sich vermutet, sollte direkte und indirekte körperliche Kontakte mit anderen Personen vermeiden, besonders mit Kleinkindern und Babys, rät die Apothekerkammer Niedersachsen. Herpesviren überleben außerhalb des Körpers nur eine sehr kurze Zeit, dennoch sollte man mit akut Erkrankten nicht dieselben Handtücher, Servietten, Lippenstifte, Gläser und Besteck teilen. Cremes lassen sich gut mithilfe eines Wattestäbchens auftragen. So wird der Kontakt mit dem Virus vermieden. Für Kontaktlinsenträger ist es ratsam, während eines Schubes auf eine Brille zurückzugreifen, damit die Viren nicht über die Fingerspitzen auf die Kontaktlinsen und in die Augen gelangen.

Bei wiederkehrendem Lippenherpes das Immunsystem stärken

Typische Auslöser für die Infektion sind Stress, Infekte oder Schlafmangel, die eine Abwehrschwäche hervorrufen. Häufig spielt auch Sonneneinstrahlung eine Rolle: Das UV-Licht reduziert die Immunabwehr an der Hautoberfläche. Lippenpflegestifte mit hohem Lichtschutzfaktor schaffen dagegen Abhilfe. Wer oft unter Herpesschüben leidet, sollte seine Abwehrkräfte stärken: Sinnvoll ist eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung, Ausdauersport, Wechselduschen, Saunabesuche sowie der Verzicht auf Alkohol und Nikotin.

Wann zum Arzt?

Schwangere, Stillende, Kinder, stark immungeschwächte Menschen sowie Erstinfizierte sollten immer einen Arzt aufsuchen, wenn eine Herpes-Infektion aufflammt. Dies gilt auch bei Komplikationen, wenn sich beispielsweise der Lippenherpes auf untypische Hautpartien ausbreitet, etwa auf die Nasenregion oder an den Augen. Wer an Schmerzen, Fieber oder an Infektionen mit Eiterbildung leidet, die wiederholt an der gleichen Stelle oder im größeren Ausmaß wiederkehren, sollte sich ebenfalls von einem Arzt untersuchen lassen.

Autoren

Sandra Göbel/Apothekerkammer Niedersachsen | zuletzt geändert am um 13:47 Uhr
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