Genussvoll Essen statt strenger Diät

Ernährungsempfehlungen:

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Fisch ist für Diabetiker bestens geeignet - er enthält viel Eiweiß und Omega-3-Fettsäuren.

Ernährungsempfehlungen für Diabetiker haben sich in den letzten Jahrzehnten sehr verändert. Während Ärzte früher noch eine strenge Diät forderten, sind die Empfehlungen heute recht ähnlich wie für jedermann. Spezielle Diätlebensmittel, wie sie Supermärkte und Reformhäuser für Diabetiker anbieten, werden nicht mehr empfohlen. Sie enthalten oft zuviel Kalorien und ungesunde Fette. Für Diabetiker ist es wichtig, mehr über die Inhaltsstoffe in Nahrungsmitteln zu wissen.
Ein Blick in die Zutatenliste mancher Produkte reicht dann oft aus, um zu entscheiden, ob es sich um ein gesundes oder ungesundes Produkt handelt. Spezielle Ernährungskurse für Diabetiker, wie Krankenkassen und Volkshochschulen sie häufig anbieten, helfen dabei, das theoretische Wissen in die Praxis umzusetzten.

Die Grundbausteine der täglichen Ernährung bilden Kohlenhydrate, Eiweiße (Proteine) und Fette (Lipide). Davon eignen sich manche Arten besser, andere schlechter für Diabetiker.Wie viel Eiweiß

Da Diabetikern früher eine eher eiweißreiche und kohlenhydratarme Kost empfohlen wurde, essen manche auch heute noch zu viel Eiweiß. Der Eiweißanteil in der Nahrung sollte aber nicht mehr als 10 – 20 Prozent der Tageskalorien ausmachen. Zuviel Eiweiß, vor allem tierisches Eiweiß aus Fleisch und Eiern, belastet die Nieren, die bei Diabetikern ohnehin gefährdet sind. Wenn im Verlauf der Diabeteserkrankung erste Anzeichen für Nierenschäden auftreten, müssen Diabetiker die Eiweißmenge noch mehr reduzieren.Tipp: Eiweiß einsparen kann man, indem man höchstens zweimal pro Woche Fleisch und Wurst isst. Die besten Eiweißquellen sind Fisch und pflanzliche Nahrungsmittel wie Linsen und andere Hülsenfrüchte.Welches Fett

Fett liefert doppelt so viele Kalorien wie Kohlenhydrate oder Eiweiß. Um nicht zuzunehmen, sollten Diabetiker daher insgesamt weniger als 35 Prozent der Tageskalorien in Form von Fetten zu sich nehmen.

Geeignete Fettlieferanten sind pflanzliche Öle aus Raps, Oliven, Erdnüssen und Haselnüssen, die viele einfach ungesättigte Fette enthalten. Günstig wirken sich auch Omega-3-Fettsäuren aus, die in fettem Fisch, Rapsöl, Sojaöl, Nüssen und grünblättrigem Gemüse enthalten sind.
Andere mehrfach ungesättigte Fette wie aus Maiskeim- oder Distelöl sollten nur wenig verwendet werden.

Möglichst meiden sollten Diabetiker gesättigte und gehärtete Fette. Sie erhöhen das ohnehin erhöhte Risiko für Arterienverkalkung, Herzinfarkt und Schlaganfall. Gesättigte Fette finden sich in Kokosfett oder tierischen Nahrungsmitteln wie Fleisch, Mich und Milchprodukten. Gehärtete Fette sind vor allem in Fertiggebäck, Schokolade, Pralinen und anderen Fertiggerichten enthalten.Kohlenhydrate, Ballaststoffe und Vitamine

Alle Kohlenhydrate sind aus Zuckerbausteinen aufgebaut. Doch es gibt große Unterschiede: Einfache Kohlenhydrate wie beispielsweise Traubenzucker nimmt der Körper schnell auf, während er komplexe Kohlenhydrate wie Stärke erst zerkleinern muss und sie daher langsam aufnimmt.

Diabetiker sollen 45 bis 60 Prozent der Gesamtenergie als Kohlenhydrate zu sich nehmen. Am besten wählen sie solche, die der Körper langsam aufnimmt. Denn sie lassen auch den Blutzuckerspiegel nur langsam steigen und langsam wieder fallen, man wird also nicht so schnell wieder hungrig. Dafür eignen sich ballaststoffreiche Lebensmittel wie Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst und Vollkornprodukte.

Ballaststoffe kommen nur in pflanzlichen Nahrungsmitteln vor. Sie gehören ebenfalls zu den Kohlenhydraten, der Körper kann sie jedoch nicht verdauen. Dadurch sättigen sie gut und regen die Darmtätigkeit an. Im Idealfall sollten Diabetiker mehr als 40 g Ballaststoffe pro Tag zu sich nehmen. Ein weiterer Vorteil von pflanzlichen Nahrungsmitteln ist, dass sie reich an Vitaminen und Spurenelementen sind, die zusätzlichen Schutz vor Folgeerkrankungen des Diabetes bieten. Ob Nahrungsergänzungsmittel den gleichen Effekt haben, ist bisher noch nicht ausreichend untersucht. Daher empfiehlt die Deutsche Diabetes Gesellschaft keine zusätzlichen Nahrungsergänzungsmittel.Ein bisschen Zucker darf sein

Zucker ist ein einfaches Kohlenhydrat und war früher für Diabetiker streng verboten. Wer es süß mochte, musste zu Ersatzstoffen greifen. Heute werden energiehaltige und also dickmachende Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit oder Xylit nicht mehr empfohlen. Möglich bleibt energiefreies Süßen mit Süßstoffen wie Saccharin, Aspartam und Cyclamat. Bei befriedigendem Blutzuckerspiegel dürfen Diabetiker heute auch ein bisschen Zucker zu sich nehmen, aber nicht mehr als 30 – 50 g pro Tag und höchstens 10 Prozent der Tageskalorien. Mit Zucker gesüßte Getränke und Fruchtsäfte sollten sie deshalb meiden, es sei denn, sie wollten eine akute Unterzuckerung damit behandeln.Alkohol mit Einschränkungen

Alkohol ist für Diabetiker nicht generell verboten, allerdings sollten sie dazu eine kohlenhydratreiche Mahlzeit zu sich nehmen: Denn Alkohol kann zu tiefer und lang andauernder Unterzuckerung führen, abgesehen davon ist Alkohol generell gesundheitsschädigend. Frauen dürfen nicht mehr als 10 g Alkohol pro Tag, Männer nicht mehr als 20 g Alkohol pro Tag zu sich nehmen. Das entspricht etwa ein bis zwei Gläsern Wein. Diabetiker mit Übergewicht, Bluthochdruck und erhöhten Blutfettwerten müssen diese Menge reduzieren.

Autoren

Sybille Knauß | zuletzt geändert am 12.12.2013 um 17:38 Uhr
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