Phimose

Phimose (Vorhautverengung): Angeborene oder erworbene Unmöglichkeit, die Vorhaut zurückzustreifen. Beim Neugeborenen ist sie noch die Regel, denn üblicherweise trennt sich die Vorhaut von der Eichel erst später – spätestens ab dem dritten Geburtstag sollte das Zurückstreifen möglich sein. Wenn nicht, so bei 10 % aller dreijährigen Knaben, oder wenn die Vorhaut zu eng ist, handelt es sich um eine angeborene Vorhautverengung – davon sind bei den 17-jährigen Jungen ~ 2 % betroffen. Unbehandelt drohen immer wiederkehrende Entzündungen von Eichel und/oder Vorhaut (Balanitiden). Im Erwachsenenalter hingegen entsteht eine erworbene Vorhautverengung vor allem durch wiederkehrende (chronische) Balanitiden, Diabetes oder einige Hauterkrankungen wie Morbus Reiter.

Leitbeschwerden

  • Schwellung, Schmerzen
  • Wiederkehrende Balanitiden
  • Erschwertes Wasserlassen, in seltenen Fällen bis zum Harnverhalt (Unmöglichkeit des Wasserlassens)
  • Schmerzen bei der Erektion und beim Geschlechtsverkehr
  • Paraphimose: Eichel ist unterhalb des Schnürrings blaurot verfärbt.

Wann zum Arzt

In den nächsten Wochen bei

  • Mechanischen Schwierigkeiten beim Geschlechtsverkehr
  • Gehäuften Balanitiden

Am nächsten Tag bei

  • Schmerzen
  • Schwierigkeiten beim Wasserlassen.

Die Erkrankung

Kindesalter. Beim Neugeborenen sind Vorhaut und Eichel noch miteinander verbunden – sie trennen sich erst später. Dadurch ist die empfindliche Eichel während der „Windelphase“ vor dem recht aggressiven Urin geschützt. So ist im Alter von sechs Monaten die Vorhaut nur bei 20 % der Jungen zurückstreifbar, dann löst sich die Verklebung langsam, und bei 90 % der Dreijährigen gelingt das Zurückstreifen.

Auf keinen Fall sollte man bei einem kleinen Jungen die Vorhaut mit Kraft zurückschieben, um den Lösungsprozess zu beschleunigen oder die Eichel zu waschen (was bei Kindern nicht nötig ist). Dies führt nur zu Einrissen und in der Folge zu narbigen Verengungen der Vorhaut.

Ist die Phimose besonders ausgeprägt, ist auch das Wasserlassen häufig erschwert, da sich der Urin zunächst unter der Vorhaut staut – wodurch sich die Vorhaut ballonförmig aufbläht –, um sich anschließend durch die verengte Vorhautöffnung zu „zwängen“. (Nur) in diesen Fällen empfiehlt sich die Vorstellung beim Kinderarzt oder Urologen.

Rund 2 % der Jungen können erst zu Beginn der Pubertät die Vorhaut ohne Probleme hinter die Eichel zurückschieben, wenn die ersten Geschlechtshormone die Vorhaut auflockern und nächtliche Erektionen ihre Wirkung entfalten.

Phimose nach der Pubertät. Bleibt die „physiologische“ Phimose des Kindesalters bestehen, sammelt sich ab der Pubertät das Smegma unter der verengten Vorhaut an, was Hygieneprobleme mit sich bringt und das Wachstum von Bakterien begünstigt. So kommt es zu häufigen und immer wiederkehrenden Entzündungen von Eichel und/oder Vorhaut (Balanitiden). Sie sind problematisch, weil sie nach dem Abheilen häufig straffes Narbengewebe hinterlassen und damit die Phimose noch verstärken. Phimosen können beim älteren Mann durch die dauernde Einwirkung des Smegmas zum Peniskrebs an der Eichel führen.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Der Arzt sieht bei der Untersuchung des Penis, ob die Vorhaut nicht oder nur teilweise zurückgezogen werden kann oder ob lediglich eine Vorhautverklebung vorliegt. Die einzuleitenden Therapieschritte hängen davon ab, wie stark die Verengung und wie alt der Patient ist, und ob der Patient Begleiterkrankungen hat.

Therapie. Handelt es sich um eine Phimose ohne wesentliche Verengung und ohne Begleiterkrankungen, kann eine lokale Behandlung mit Kortisonsalbe durchgeführt werden, wobei ihre Wirksamkeit umstritten ist.

Bei einer Phimose mit wiederkehrenden Balanitiden und erheblicher Beeinträchtigung beim Wasserlassen wird der Arzt zur Beschneidung (Zirkumzision) raten, wobei zwischen der kompletten Entfernung der Vorhaut und der vorhauterhaltenden Erweiterung unterschieden wird.

Weiterführernde Informationen

  • www.leitlinien.net – Die Stichwortsuche Phimose liefert verschiedene Leitlinien zum Therapiestandard aus Sicht der Deutschen Fachgesellschaften für Kinderchirurgie und Urologie.
Dr. med. Martina Sticker, Dr. med. Arne Schäffler | zuletzt geändert am 25.04.2016 um 15:53 Uhr


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ist nach wissenschaftlichen Standards verfasst und von Mediziner geprüft worden. Die in diesem Artikel kommunizierten Informationen können auf keinen Fall die professionelle Beratung durch Ihren Apotheker ersetzen. Der Inhalt kann und darf nicht verwendet werden, um selbständig Diagnosen zu stellen oder mit einer Therapie zu beginnen.
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