Fettabsaugung

Oben: 34-jährige Frau mit ausgeprägten Reithosen bei ansonsten normaler Körperkontur und normalem Gewicht, linke Bilder vor und rechte Bilder nach der Fettabsaugung.
Georg Thieme Verlag, Stuttgart

Fettabsaugung(Liposuktion, Aspirationslipektomie): Gezielte Entfernung hartnäckiger überschüssiger Fettdepots und Korrektur einer gestörten Fettverteilung mit einer Saugkanüle. In Deutschland die am häufigsten durchgeführte schönheitschirurgische Behandlung.

Fettpolster lassen sich zuweilen selbst mit strengen Diäten, Sport, Massage und speziellen Zellulitebehandlungen nicht bekämpfen. Meist sitzen sie dort, wo sie besonders stören. Beeinträchtigen sie den ästhetischen Eindruck der Körperproportionen, drückt dies bei manchen Menschen auf das Selbstbewusstsein. Eine Fettabsaugung kann das Körperbild dauerhaft korrigieren – insbesondere bei örtlichen Fettdepots an Bauch, Brust, Hüften, Gesäß und Oberschenkeln. Nicht geeignet ist eine Fettabsaugung zur Gewichtsreduzierung oder zur Beseitigung einer ausgeprägten Fettleibigkeit – hier hilft nur eine dauerhafte Umstellung der Ernährungs- und Lebensgewohnheiten.

Der Eingriff

Die sicherste und gewebeschonendste Methode zur Entfernung störender Fettdepots ist derzeit die Absaugung unter Tumeszenzlokalanästhesie. Dabei wird durch winzige Hautschnitte an versteckter Stelle (damit man die Narben später nicht sieht) zunächst eine Mischung aus physiologischer Kochsalzlösung (mit gleicher Konzentration an Salzen wie im Körper), lokal wirkenden Betäubungsmitteln und Adrenalin (zur Vermeidung von Blutungen) gespritzt. Während der Einwirkzeit von einer Stunde quellen die Fettzellen auf und lösen sich aus dem umgebenden Gewebe, anschließend werden sie mit einer dünnen Kanüle abgesaugt.

Eine Verfeinerung des Tumeszenzverfahrens ist die Vibrationslipolyse: Dabei wird eine elektronisch gesteuerte Spezialkanüle verwendet, die sich bis zu 80 Mal pro Sekunde in axialer Richtung hin- und her bewegt und die Fettzellen so noch schneller und schonender aus dem Bindegewebe „rüttelt“. Die abgesaugten Fettzellen werden in einem Behälter aufgefangen und während des Eingriffs immer wieder gewogen. So behält der Arzt die Kontrolle darüber, wie viel Fett bereits entfernt wurde.

Das Tumeszenzverfahren eignet sich allerdings nur zum Absaugen kleinerer Fettmengen (bis zu drei Liter), bei größeren Eingriffen sind mehrere Behandlungen oder eine Vollnarkose erforderlich. Eine Fettabsaugung dauert je nach Areal und Ausmaß zwischen 30 Minuten und zwei Stunden.

Nachbehandlung

Beim Fettabsaugen führt der Arzt über Schnitte (im Bild als rote Kreuze zu sehen) eine große Kanüle ein, um das unter der Haut liegende Fettgewebe zu entnehmen. Um die Fettzellen zu lösen, wird die Kanüle tief in das Fettgewebe vorgeschoben und dann langsam zurückgezogen. Gleichzeitig saugt eine Vakuumpumpe mit Unterdruck die Fettzellen ab. Die grünen Linien markieren das Kerngebiet der abzusaugenden Fettpolster, in den blau eingezeichneten Arealen schafft der Arzt einen optimalen Übergang zum umliegenden Gewebe.
Georg Thieme Verlag, Stuttgart

Kleinere Eingriffe sind ambulant möglich, bei größeren ist mit einem Klinikaufenthalt von bis zu acht Tagen zu rechnen. In den ersten 24 Stunden nach dem Eingriff nässen Reste der Betäubungsflüssigkeit aus den Einstichstellen, dies ist aber ungefährlich. Später können leichte Schmerzen, Blutergüsse und Schwellungen auftreten, die aber meist innerhalb von zwei Wochen wieder abklingen. Lymphdrainagen helfen, die Schwellungen zu lindern. Zuweilen stellen sich vorübergehende Taubheitsgefühle ein. Noch auf dem OP-Tisch wird dem Patienten ein Mieder, Stützstrümpfe oder ein Kompressionsverband angelegt. Diese muss er vier Wochen lang tragen, um das entfettete Gewebe zusammenzuhalten. Die behandelten Hautpartien sollten regelmäßig mit Öl oder einem Bodygel massiert werden. Für 4–6 Wochen sollte auf körperliche Anstrengung verzichtet werden. Um Thrombosen zu vermeiden, ist umgekehrt jedoch auch längeres Sitzen (mehr als zwei Stunden) tabu. Das Ergebnis ist im Prinzip dauerhaft, denn der Körper kann zwar neue Fettzellen bilden, dies aber nur schwer.

Risiken und Gegenanzeigen

Eine Fettabsaugung erfolgt immer aus ästhetischen Gründen. Wenn man sich für diesen Eingriff entscheidet, sollte die Haut noch straff und elastisch sein. Bei zu schlaffer Haut kann nur noch eine chirurgische Entfernung der überschüssigen Haut mitsamt des Fettgewebes helfen. Eine Fettabsaugung ist mit den heutigen feinen Kanülen und dem Tumeszenzverfahren relativ risikoarm. Dellen- und Wellenbildung oder Hautunregelmäßigkeiten kommen nur noch selten vor.

Das bedeutet aber nicht, dass der Eingriff ganz ungefährlich ist. Das Operationsgebiet kann sich infizieren, oder es bleiben dauerhafte Blutergüsse oder Ödeme zurück, die nachbehandelt werden müssen. Bei der Tumeszenzanästhesie bekommt der Patient hohe Dosen eines Betäubungsmittels (meist Lidocain) verabreicht, die den Kreislauf belasten und schlimmstenfalls zu Vergiftungserscheinungen führen. Herzprobleme oder Störungen im Gehirn sind seltene, aber mögliche Folgen.

In ungeübten Händen kommen auch heute noch Nerven- und Gefäßverletzungen vor, in seltenen Fällen Verletzungen innerer Organe sogar mit Todesfolge.

1 500 € (Kinn) bis 6 000 € (Bauchbereich)

Autoren

Dr. Nicole Schaenzler, Dr. Hans-Hermann Wörl | zuletzt geändert am 26.10.2009 um 08:49 Uhr
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