Nur selten Hinweis auf Nachtblindheit

Sehschwäche bei Dunkelheit

Alloy Photography/Veer
Im Dunkeln machen sich bestehende Sehfehler, zum Beispiel eine Kurzsichtigkeit, stärker bemerkbar als bei Tag.

„Abends fahre ich nur ungern Auto. Ich bin nachtblind“. Diesen Satz hat sicher jeder schon einmal gehört. Tatsächlich sehen die meisten Menschen nachts schlechter. Die Ursache hierfür ist aber nur in den seltensten Fällen eine Nachtblindheit, erklärt Prof. Dr. Horst Helbig vom Berufsverband der Augenärzte. Zum einen sind die vermeintlichen Sehschwierigkeiten durch die Funktionsweise der Augen bedingt. Zum anderen kommen bei Dunkelheit bestehende Sehfehler stärker zum Ausdruck.

Nachts sind alle Katzen grau

Die Netzhaut des Auges verfügt über zwei verschiedene Sinneszellen: Zäpfchen und Stäbchen. Bei Tageslicht arbeiten vor allem die Zäpfchen. Sie sind auf das Farbsehen spezialisiert und vermitteln ein buntes Bild der Welt. Bei Einbruch der Dämmerung dominieren die Stäbchen den Sehvorgang. Sie sind Experten für das Dunkelsehen und unterscheiden zwischen feinsten Helligkeitsnuancen. Stäbchen tauchen die Welt in ein Meer aus verschiedenartigen Grau- und Blautönen. Dadurch bestätigt sich das alte Sprichwort, demzufolge nachts alle Katzen grau sind. Wer also in der Dämmerung wie durch einen Grauschleier sieht, braucht noch lange nicht zu befürchten, nachtblind zu sein. Vielmehr darf er staunend zur Kenntnis nehmend, mit welcher Vielzahl an Grautönen seine nachtaktiven Stäbchen auf die unterschiedlichen Helligkeitsabstufungen der Umgebung reagieren.

Dunkelheit verstärkt bestehende Sehschwierigkeiten

Häufig bleibt der Grauschleier nicht das einzige befremdliche Sehphänomen in der Dunkelheit. Konturen verschwimmen, um Lichtquellen legt sich ein regenbogenartiger, diffuser Strahlenkranz und plötzliche Lichteinfälle blenden die Augen schmerzhaft. Sehschwierigkeiten dieser Art deuten auf bestehende Augenerkrankungen hin. Sie kommen besonders zum Tragen, wenn sich die Pupille im Dunkeln weitet, damit mehr Licht zur Netzhaut durchdringt. „Bei schlechten Lichtverhältnissen fallen kleine Sehfehler stärker auf, die wir im Hellen überhaupt nicht bemerken“ berichtet Prof. Dr. Helbig. „Denn bei weiter Pupille wirken sich solche Sehfehler stärker aus.“ Beispielsweise spricht ein regenbogenartiger Strahlenkranz für Kurzsichtigkeit. Erhöhte Blendungsempfindlichkeit in der Dunkelheit gilt als Symptom des Grauen Stars.

Nachtblindheit ist in Industrieländern sehr selten

Im Falle der echten Nachtblindheit passen sich die Stäbchen beim Übergang vom Hellen ins Dunkle nicht ausreichend an die veränderten Lichtverhältnisse an. Dadurch haben die Betroffenen ernsthafte Schwierigkeiten, sich im Dunkeln zu orientieren. Meistens ist die Erkrankung erblich  bedingt. Nachtblindheit entsteht auch, wenn die Stäbchen nicht genügend Vitamin A zur Verfügung haben, um ihren Sehfarbstoff zu regenerieren. Die Bevölkerung der reichen Industrienationen ist von dieser Form der erworbenen Nachtblindheit kaum betroffen. Meistens gelingt es ihr, den täglichen Vitamin-A-Bedarf von 1-2 mg über Möhren, Grünkohl, Spinat, Leber, Milch und Ei zu decken. Bei Personen, die unter chronischen Magendarmerkrankungen leiden oder bestimmte Medikamente zur Gewichtsreduktion einnehmen, ist eine ausreichende Versorgung mit Vitamin A hingegen nicht gewährleistet.

Autoren

30.01.2015 | Susanne Schmid/Berufsverband der Augenärzte Deutschlands
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