Unfallgefahr bei M. Parkinson

Sicherheit am Steuer

Ruslan Guzov/ Shutterstock
Eine ruhige Hand am Steuer ist insbesondere bei Parkinson-Patienten gefragt.

Für viele Menschen mit Parkinson-Erkrankung ist die Teilnahme am Straßenverkehr ein wichtiger Faktor der Selbständigkeit. In wieweit das selbständige Fahren zumutbar ist, obliegt nicht ausschließlich der Selbsteinschätzung der Betroffenen.

Die Parkinson-Krankheit, auch Schüttelkrankheit genannt, ist eine langsam fortschreitende neurodegenerative Erkrankung. In der Folge kommt es zu verlangsamten Bewegungen, Muskelstarre, Muskelzittern und instabiler Haltung. Zudem sind Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsstörungen bis hin zur Demenz möglich.

Beinahe alle Parkinson-Patienten sind aktive Autofahrer

Schon eines dieser Krankheitszeichen reicht, um die Fahrtauglichkeit der Betroffenen einzuschränken. Doch führen auch die Medikamente, die das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten oder deren Symptome lindern, teilweise zu eingeschränkter Fahrtauglichkeit.

80 Prozent der Parkinson-Erkrankten haben laut einer 2005 durchgeführten Studie einen Führerschein. 60 Prozent sind aktive Autofahrer. Von 3.000 Befragten mit Parkinson-Erkrankung hatten 15 Prozent in den vergangenen fünf Jahren einen Verkehrsunfall, davon elf Prozent selbstverschuldet.

Besserung nach tiefer Hirnstimulation

Privatdozent Dr. Carsten Buhmann, Ärztlicher Leiter des Bereichs Neurologie am Ambulanzzentrum des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) hat herausgefunden, dass Parkinson-Erkrankte nach tiefer Hirnstimulation besser Auto fahren. Dabei werden Elektroden ins Gehirn eingebracht, die bestimmte Hirnareale stimulieren.

Einschätzung durch Angehörige wichtig

„Über die Fahreignung wird immer im Einzelfall entschieden. Es gibt keine allgemein gültigen Richtlinien“, erläutert Buhmann. Neben der kritischen Selbsteinschätzung ist auch die Einschätzung der Angehörigen wichtig. Der erste Ansprechpartner sollte immer der behandelnde Arzt sein. Zusätzlich bieten der TÜV sowie Fahrschulen die Möglichkeit, die eigene Fahrtüchtigkeit zu überprüfen. „Die Befürchtung ist, dass das Dokument in der Schublade landet, wenn das Ergebnis schlecht ist. Hier appelliere ich wiederum an die Eigenverantwortlichkeit“, sagt Buhmann.

Quellen:

Meindorfner C., Korner Y., Moller J.C. et al. Driving in Parkinson’s disease: mobility, accidents, and sudden onset of sleep at the wheel. Mov Disord 2005;20:832–842
Buhmann C. und Gerloff C. Autofahren bei Morbus Parkinson. Akt Neurol 2013;40:315–320, DOI

Buhmann C., Maintz L., Hierling J. et al. Effect of subthalamic nucleus deep brain stimulation on driving in Parkinson disease. Neurology, 2014;82:32-40 Published online December 18, 2013

Autoren

14.08.2015 | Dr. Julia Stegmaier/Deutsche Gesellschaft für Neurologie
Vorheriger Artikel

Insulinpumpe rettet Leben