Gedächtnis speichert Infos im Schlaf

Im Tiefschlaf lernen

Schlaf hilft dem Gedächtnis auf die Sprünge. Musikschüler können Melodien, die sie während der Tiefschlafphase hören, nach dem Aufwachen ohne Noten vorspielen. Denn das Gehirn speichert die Klangfolge während des Schlafs im Langzeitgedächtnis. Dies berichten US-amerikanische Forscher.

Gehirn schläft nicht

Forscher der Northwestern Universität in Evanston schauten Musikstudenten auf die Finger. Sie überprüften, wie viele Fehler die Musiker bei dem notenfreien Nachspielen eingeübter Musikstücke machten. Die Studenten lernten zwei gleich schwere Melodien auswendig. Anschließend legten sie sich für 90 Minuten aufs Ohr. Während des Schlafs zeichneten die Forscher EEG-Signale der Studienteilnehmer auf, mit denen sich deren Gehirnaktivität ermitteln ließ. Nachdem die Studenten die Tiefschlafphase erreicht hatten, spielten die Wissenschaftler ihnen eine der beiden Melodien vor. Die Lautstärke des Liedes war so leise, dass die Studenten nicht aufwachten.

Nach dem Nickerchen spielten die Musikstudenten beide Melodien vor. Dabei machten sie deutlich weniger Fehler bei jener Melodie, die sie zuvor im Schlaf gehört hatten.

Den Tag rekapitulieren

Im Schlaf gehen wir Erlebnisse des Tages noch einmal durch und speichern diese im Langzeitgedächtnis ab. Vor allem in der Tiefschlafphase lernen und speichern wir Informationen. Dies geschah auch beim Vorspielen der Musik: Die Forscher registrierten mehr kurze Wellen im EEG der Studienteilnehmer. Dies zeigt, dass das Gehirn die Melodie verarbeitete und im Langzeitgedächtnis registrierte.

Das Lernen im Schlaf funktioniert jedoch nur, wenn die Informationen tagsüber bereits aufgenommen wurden. Neue Informationen nimmt das Gehirn im Schlaf nicht auf, es geht lediglich bereits bekanntes noch einmal durch und verbessert dadurch das Erinnerungsvermögen daran. Studenten sollten also besser nicht die Freunde in die Vorlesung schicken und sich nachts die mitgeschnittenen Tonbandaufzeichnungen anhören.

Auch auf eine angemessene Lautstärke der nächtlichen Musik ist zu achten. Ist die Aufnahme zu laut, kann die Tiefschlafphase ganz entfallen und man quält sich morgens übermüdet aus dem Bett. Offen bleibt ferner, ob sich das Lernen in nichtmusikalischen Bereichen durch Schlaf fördern lässt.

Autoren

29.06.2012 | Sandra Göbel
Vorheriger Artikel

Solarium: unterschätzte Gefahr