Patient besser in Therapie einbinden

Deutsche zahlen viel für Arznei

Die Arzneimittelpreise in Deutschland sind besonders hoch, verglichen mit anderen europäischen Ländern. Dies verdeutlicht der aktuelle Arzneiverordnungsreport (AVR) 2013. Aber es geht günstiger.

Steuern treiben die Preise

Der AVR ermittelt einmal pro Jahr, wie viel Geld Patienten in Deutschland für Medikamente zahlten. Demnach sind die Ausgaben für Arzneimittel im vergangenen Jahr leicht angestiegen auf einen Betrag von 30,6 Milliarden. Dies entspricht einer Erhöhung von 2,6 Prozent.

Insgesamt sind die Nettopreise für die 50 umsatzstärksten Medikamente in Deutschland um 31 Prozent teurer als die gleichen Präparate in Frankreich. Bei gleichem Preisniveau hätten die Deutschen 1,2 Milliarden Euro weniger berappen müssen. Frühere AVRs zeigen: Im Vergleich zu den Niederlanden ließen sich 1,6 Milliarden Euro sparen, mit schwedischen und britischen Preisen wären es sogar 4,1 Milliarden Euro.

Einen großen Anteil an den satten Preisen hierzulande trägt der deutsche Fiskus, der auf Medikamente 19 Prozent an Steuern aufschlägt. In Frankreich sind es nur 2,1 Prozent.

Die effizienteste Therapie wählen

„Die Daten des Arzneiverordnungsreports sind interessant und können dabei helfen, relevante Trends zu erkennen“, urteilt Fritz Becker, Vorsitzender der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (DAV). „Eine statistische Betrachtung auf der Basis von Durchschnittswerten ist aber oft zu einseitig, da der Patient mit seinen persönlichen Eigenschaften wie Alter oder Bildung zu wenig berücksichtigt wird. Ziel der Gesundheitspolitik sollte es nicht sein, irgendwelche Durchschnittswerte zu optimieren, sondern die effizienteste und effektivste Therapie zu suchen.“

Eines der häufigsten Probleme in der Arzneimitteltherapie ist nach Meinung der DAV die  fehlende Therapietreue (Compliance) der Patienten. Die Experten raten hier anzusetzen, um Arzneimittelrisiken zu senken und Kosten zu sparen. Becker macht darauf aufmerksam: „Die Lösung vieler Probleme liegt in einer konsequenten Einbindung des Patienten in die vom Arzt verordnete und vom Apotheker begleitete Arzneimitteltherapie.“

Autoren

17.09.2013 | Sandra Göbel/ABDA/DAV
Vorheriger Artikel

Experten warnen vor Sepsis