Allergen und schlecht gekennzeichnet

Tätowierfarben im Test

Alloy Photography/ veer
Laut Stiftung Warentest enthalten viele Tätowierfarben krebserregende oder allergieauslösende Inhaltsstoffe.

Circa neun Prozent aller Deutschen haben eine oder mehrere Tätowierungen. Die Kunstwerke auf der Haut sind Modetrend, Ausdruck der eigenen Persönlichkeit oder Schönheitsideal. Doch schaden die bunten Bilder der Gesundheit? Um das zu klären, hat die Stiftung Warentest zehn Tätowierfarben untersucht. Tattoos als modisches Accessoire

Vor noch nicht allzu langer Zeit waren Tattoos ein Kennzeichen gesellschaftlicher Randgruppen. Sträflinge, Seeleute und Größen des zwielichtigen Milieus grenzten sich durch sie von der bürgerlichen Bevölkerung ab. Heute ist die bunte Körperkunst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Menschen aller Altersklassen und Bevölkerungsschichten schmücken ihre Haut mit chinesischen Symbolen, Porträts ihrer Familienangehörigen oder witzigen Comicfiguren. Etwa neun Prozent aller Deutschen haben mindestens eine Tätowierung, bei den 16- bis 29-jährigen ist es ein Viertel. Doch wie sicher sind die Farben, mit denen die Bilder unter die Haut gestochen werden? Die Stiftung Warentest hat zehn Farben untersucht, die in professionellen Tattoo-Studios zum Einsatz kommen und von deutschsprachigen Anbietern über das Internet verkauft werden. Bedenkliche Inhaltsstoffe gefunden

Die gute Nachricht: Die fünf roten und fünf schwarzen Testfarben enthielten keine verbotenen Stoffe gemäß der Tätowiermittelverordnung wie Azofarbstoffe oder primäre aromatische Amine. Allerdings fanden die Tester in sechs der zehn getesteten Farben kritisch eingestufte Inhaltsstoffe. Dazu gehören Nickel oder potentiell allergene (allergieauslösend) Konservierungsmittel wie Methylisothiazolinon oder Benzylisothiazolinon. Nicht in allen Fällen waren diese Stoffe auf der Verpackung ausgewiesen. Zwei der Testfarben enthielten außerdem giftige polyzyklische Kohlenwasserstoffe. Diese sind nicht verboten, stehen jedoch im Verdacht, Krebs auszulösen. Fast alle getesteten Tätowierfarben fielen beim Thema Anwendungs- und Sicherheitshinweise durch. Die Angaben auf den Verpackungen waren meist unvollständig, nicht in deutscher Sprache oder fehlten völlig. Nur eine Testfarbe konnte die Experten dahingehend überzeugen. Positivliste wünschenswert

Es gibt keine verlässlichen Zahlen, wie oft es nach Tätowierungen zu allergischen oder entzündlichen Reaktionen kommt. Im schlimmsten Fall muss die Körperkunst in mehreren Sitzungen per Laser wieder entfernt werden. Dabei bleiben fast immer Narben zurück. Außerdem weiß man nicht sicher, wie sich die Farben langfristig auf die Gesundheit auswirken. Sinnvoll wäre aus Expertensicht eine Positivliste, die alle unbedenklichen Inhaltsstoffe für Tätowierfarben auflistet. Sie sollte die derzeit gültige Negativliste mit den verbotenen Substanzen ersetzen. Denn bisher weichen die Hersteller, sobald ein Inhaltsstoff verboten wird, auf einen ähnlichen, nicht gelisteten aus. Leider ist solch eine Positivliste gegenwärtig nicht in Arbeit.

Autoren

11.08.2014 | Anne Jantos/ DAZ
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