Umgang mit Medikamenten für Kinder

Sichere Arzneimittel

Joanna Zielinska/Fotolia
Medizin kann ganz schön bitter schmecken und wird deshalb für Kinder oft mit Geschmacksstoffen gemischt

Zwei von drei Kindern wurden in den letzten vier Wochen mit Medikamenten behandelt. Selbst die Hälfte der Eltern, die den Gesundheitszustand ihres Kindes als "sehr gut" einstufen, hat ihm im letzten Monat Arzneimittel verabreicht. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Kinder und Arzneimittel". Im Auftrag der Deutschen Apothekerverbände (ABDA) hat das Institut für angewandte Sozialwissenschaft (infas) bundesweit 3.200 Eltern befragt.

Mehr Sicherheit bei Arzneimitteln

Dass die Sterblichkeitsrate von Kindern heute so niedrig ist wie nie, verdanken wir neben der verbesserten Hygiene den Impfungen und Medikamente für Kinder. Die Säuglingssterblichkeit sank zwischen den Jahren 1900 und 2007 von 265 Todesfällen pro 1000 Kinder auf 4 Todesfälle, so die Zahlen des statistischen Bundesamtes.

Absolut sicher ist die Arzneimittelbehandlung von Kindern aber nicht, weil Kinder häufig Medikamente bekommen, die für Erwachsene entwickelt wurden. Durch die europäische Verordnung für Kinderarzneimittel von 2007 soll sich das ändern. Mehr Arzneimittel für Kinder und Jugendliche sollen entwickelt und für die Anwendung bei dieser Patientengruppe eigens zugelassen werden. Dass solche Medikamente dann zu früh und manchmal unnötig zum Einsatz kommen, könnten Risiken dieser Entwicklung sein.

Typische Kinderkrankheiten behandeln

Für typische Kinderkrankheiten gibt es bereits Präparate mit Kinder-Zulassung oder Zulassungserweiterung. Das sind vor allem Mittel gegen Fieber, Entzündungen, Triefnasen, Hustenreiz, Magen-Darm-Infekte, Mittelohr- und Mandelentzündungen. Denn mit ihren kleinen Körpern und einem noch nicht ausgereiften Immunsystem sind Kinder besonders anfällig für Infektionen. Auch gegen chronische Erkrankungen wie Asthma, Allergien, rheumatoide Arthritis, Epilepsie oder Diabetes gibt es Kindermedikamente.

Versorgungslücken sieht der Verband Forschender Arzneimittelhersteller bei Arzneimitteln für Frühgeborene, gegen Hirntumoren, Leberkrebs oder Herzrhythmusstörungen. In diesen Fällen müssen Kinderärzte immer noch häufig auf Präparate zurückgreifen, die nur für Erwachsene oder noch gar nicht zugelassen sind. Dafür übernimmt der Arzt die Verantwortung und die Eltern müssen ihr Einverständnis geben.

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen

Laut Ergebnis der infas-Studie sind die meisten Eltern an der Entwicklung von speziellen Arzneimitteln für Kinder zwar interessiert, aber nur wenige wären mit Arzneimittelstudien am eigenen Kind einverstanden. Für die Zulassung sind diese jedoch unerlässlich, weil Kinder einen anderen Stoffwechsel haben als Erwachsene.

Der Körperfettanteil verändert sich im Laufe des Lebens ebenso wie die Verteilung der Körperflüssigkeiten. Leber, Nieren und Darm können Wirkstoffe schneller verarbeiten. Das hat Effekte auf die Wirksamkeit und Nebenwirkungen von Medikamenten.

Kind-gerechte Dosis und Darreichungsform

In Bezug auf Kinder und Arzneimittel gelten daher besondere Regeln, die Eltern auch bei harmlosen Erkrankungen ihrer Kinder berücksichtigen sollten:

  • Bei unklarer Ursache der Beschwerden zum Kinderarzt gehen.
  • Medikamente für Erwachsene nicht auf eigene Faust verabreichen – auch nicht in halber Dosierung. Sie können ungeeignet oder sogar gefährlich sein.
  • Babys im ersten Lebensjahr nie ohne Rücksprache mit dem Arzt mit Medikamenten behandeln.
  • Werden Arzneimittel mit Muttermilch oder Säuglingsnahrung gemischt, müssen Wechselwirkungen ausgeschlossen sein.
  • Für die Selbstbehandlung des Kindes dürfen nur Arzneimittel verwendet werden, die als für Kinder geeignet ausgewiesen sind und entsprechende Dosierungshinweise im Beipackzettel aufführen.
  • Nicht jede leichte Befindlichkeitsstörung mit Arzneimitteln behandeln. Oft helfen schon sanfte Hausmittel wie Wadenwickel, Wärmflasche, Fencheltee, viel Aufmerksamkeit und liebevolle Pflege.
  • Für Kinder sind Säfte, Tropfen oder Zäpfchen oft besser geeignet als Tabletten oder Kapseln, die die Kleinen nur schwer schlucken können.
  • Flüssiger Medizin sind oft Geschmacksstoffe zugesetzt, die den Arzneigeschmack überdecken. Kinder sollten Arzneimittel aber nicht mit Süßigkeiten verwechseln - deshalb geschmacksneutrale Mittel bevorzugen.
  • Säfte und Tropfen genau abmessen, am besten Dosierlöffel oder Messbecher verwenden. Für Säuglinge gibt es Medikamentensauger.
  • Die vom Arzt verordnete Dosis und Einnahmedauer nicht verändern.
  • Wenn das Kind ein wichtiges Medikament wie etwa ein Antibiotikum wieder ausspuckt entscheidet der Kinderarzt, ob und in welcher Dosis das Mittel noch einmal verabreicht wird.
  • Kinder altersgerecht mit einbeziehen und älteren Kindern erklären, warum die Einnahme des Medikaments nötig ist.

Autoren

Susanne Kemmer | zuletzt geändert am um 08:51 Uhr
Vorheriger Artikel

Was Mutter und Kind gut tut