Deko, Basteln und gesunde Venen

Rosskastanien:

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Diesen kleinen Kastanienmann plagen bestimmt keine müden Beine.

Für die einen gehört sie auf jeden herbstlich geschmückten Tisch. Für die anderen ist sie lästig, wenn sie im Biergarten von meterhohen Bäumen ausgerechnet in das eigene Weizenglas fällt: die Kastanie. Doch was viele nicht wissen, die Kastanie steckt voller gesunder „Seife“.

Herbstdeko ja, Herbstküche nein

Kein Wunder, denn sie versteckt sich zunächst hinter einer unscheinbaren, grünen Schale. Erst wenn sie zu einer glänzend braunen Kugel gereift ist, platzt sie aus ihrer Schale und fällt zu Boden – oder eben auch mal ins Bierglas. Der Herbst ist da. Zeit, lustige Kastanientiere zu basteln und den Tisch zu dekorieren. Auf dem Tisch bleibt die Kastanie jedoch besser nur Deko. Denn anders als die Marone ist sie ungenießbar. Wer trotzdem von ihr nascht, dem drohen Durchfall und sogar Bewusstseinsstörungen. Schuld daran ist das Aescin – ein Gemisch aus vielen großen Molekülen, die denen in Waschmitteln und Seifen ähneln.

Mit Seife gegen Motten

Mit diesen Seifenmolekülen verteidigt sich die Kastanie gegen Pilze oder Schädlinge wie die Miniermotte. Doch die kleine Motte ist clever, der Kastanienbaum bleibt trotzdem ihre Leibspeise. Am besten schmecken ihr die Blätter, die nur sehr wenig Aescin enthalten. Die Früchte der Kastanie rührt die Motte dagegen nicht an. Zu viel des giftigen Aescins.

Erbsengroßes Stück macht Beine wieder fit

Was für die Motte ein Gift ist, ist für die Medizin ein Heilmittel. Apotheker entziehen der Kastanie das Aescin und packen es in Tabletten. Bei kranken Venen empfehlen sie täglich eine Dosis von 100 Milligramm. Das entspricht etwa dem Aescin-Gehalt eines erbsengroßen Kastanienstücks. Nachweislich hilft diese Menge bei chronischen Venenleiden – und zwar genauso gut wie Kompressionsstrümpfe.

Auch bei Wasser in den Beinen, Krampfadern oder nächtlichen Wadenkrämpfen ist Kastanienextrakt ein bewährtes Mittel. Die großen Seifenmoleküle setzen sich in die Wände von Blutgefäßen. Dort wirken sie sich positiv auf den Wasserstrom aus: mehr Wasser sickert aus dem Gewebe ins Blut, weniger Wasser sickert zurück. So nehmen Schwellungen in den Beinen ab.

Wer weiß, was die kleine Motte täte, wenn sie müde und geschwollene Beine plagen würden. Ob sie ausnahmsweise einen kleinen Happen von der giftigen Kastanienmedizin nehmen würde?

Autoren

Julia Ehmer | zuletzt geändert am 07.12.2011 um 09:38 Uhr
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