Ab dem ersten Zahn putzen

Zahnpflege bei Kindern

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Mit Spaß bei der Sache - bei kleineren Kindern sollten Eltern trotzdem nachputzen.

Kinder haben einen besonders weichen Zahnschmelz. Ihre Zähne sind deshalb anfällig für Karies. Experten empfehlen, schon ab dem ersten Zahn zu putzen. So wird die Zahnpflege zur Selbstverständlichkeit.

Dr. Thomas Wolf, Zahnarzt und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Hypnose (DGHZH) erklärt im Interview mit zahnzusatzversicherungsvergleich.org die richtige Zahnpflege von Kindern.

Säuglinge zahnen mitunter schon im fünften Monat. Können Eltern eventuell bereits vor dem ersten Zahn Pflegemaßnahmen in Angriff nehmen?
Dr. Thomas Wolf: „In dieser Frühphase der kindlichen Entwicklung spielt die Zahnpflege noch keine so große Rolle, da entsprechende Maßnahmen in aller Regel erst mit dem Durchbruch der Zähne greifen. Eine Maßnahme besteht darin, die Mund- und Rachenschleimhaut zu untersuchen. Andere Behandlungen machen hier meist wenig Sinn. Der Zahnarztbesuch in dieser frühen Phase kann sich aber in der Folge positiv auswirken. Das Kind wird zeitig an den Praxisbesuch gewöhnt und Eltern können sich Tipps im Zusammenhang mit der späteren Zahnpflege holen.“

Gibt es spezielle Baby-Zahnpflegeprodukte? Worauf sollte bei der diesbezüglichen Auswahl geachtet werden? Können Zahnpasta  und Co. bereits ab dem ersten Zahn oder erst bei vollständigem Milchgebiss zum Einsatz kommen? Welche Anforderungen sollten Eltern an Zahnpflegeprodukte stellen?

„Grundsätzlich haben Eltern darauf zu achten, dass bei Kindern nur altersgerechte Zahnpasta zum Einsatz kommt. Dieser Umstand ist besonders vor dem Hintergrund des Fluoridgehalts wichtig, da Erwachsenenprodukte deutlich mehr Fluorid enthalten. Es besteht andernfalls die Gefahr einer Überfluoridierung. Letztere (Fluorose) zeigt sich unter anderem durch die Bildung von Verfärbungen, welche nicht nur ästhetisch sehr störend sind. Die Kinderzahnpasta ist diesbezüglich auf die entsprechende Dosis eingestellt und kann mit dem ersten Zahn zum Einsatz kommen.“

Viele Eltern fragen sich bestimmt, welche Hilfsmittel neben Bürste und Zahnpasta in der Kinderzahnpflege noch zum Einsatz kommen können. Was ist von Hilfsmitteln wie Mundspülung und Zahnputztabletten/Färbetabletten zu halten und was ist diesbezüglich zu beachten? Welche zusätzlichen Zahnpflegeutensilien würden Sie Eltern, die Wert auf eine umfassende Zahngesundheit ihrer Kinder legen, noch empfehlen?

„Prinzipiell sind die genannten Utensilien der Zahnpflege zuträglich. Allerdings stoßen die Hilfsmittel in der Kinderzahnpflege schnell an die Grenzen der Machbarkeit. Zahnseide setzt beispielsweise motorische Fertigkeiten voraus, die bei Kindern erst ab einem gewissen Alter erreicht sind. Färbetabletten sind eigentlich eher für den Praxisalltag relevant, um das Vorhandensein von Belägen zu illustrieren. Mundspülungen sind solange kritisch zu betrachten, wie die Gefahr des Verschluckens droht. Grundsätzlich lässt sich keine konkrete Altersgrenze für die einzelnen Hilfsmittel festlegen. Sofern eine korrekte Anwendung gewährleistet ist, können die einzelnen Maßnahmen unterstützend zur täglichen Zahnpflege durchgeführt werden.“

Kinderzahnpasta gibt es in vielen leckeren Geschmacksvarianten. Müssen sich Eltern Sorgen machen, wenn der Nachwuchs hin und wieder etwas davon verschluckt?

„Allgemein ist die aufgenommene Menge unproblematisch, da die verwendete Zahnpastamenge in aller Regel nur erbsengroß ist. Sofern das Kind versehentlich eine wesentlich größere Dosis aufnimmt und verschluckt, wäre ein Besuch beim Hausarzt unter Umständen in Erwägung zu ziehen. Mir ist aktuell aber keine besondere Problematik hinsichtlich des Verschluckens der Zahnpasta bekannt. Auf der anderen Seite kann es zu allergischen Reaktionen auf Inhaltsstoffe kommen, die sich allerdings unabhängig von der Menge bemerkbar machen können.“

Erwachsene kennen die früher oft angesprochenen Themen rund um Putztechnik, Putzdauer und -häufigkeit sicherlich. Kindern die richtige Putztechnik zu vermitteln, ist mitunter nicht einfach. Können Sie unseren Lesern ein paar Tipps geben, wie sie Kindern die richtige Putztechnik vermitteln und was eigentlich die richtige Technik beim Zähneputzen ausmacht?

„Grundsätzlich existieren in der Praxis verschiedene Putztechniken. Eltern sind in der Regel froh, wenn ihr Kind die Zahnbürste überhaupt in die Hand nimmt. Der erste Schritt ist meist die horizontale Schrubbtechnik – also das Bewegen der Zahnbürste von rechts nach links. Ab einem gewissen Alter können Eltern ihrem Nachwuchs die modifizierte Bass-Technik vermitteln. Hier wird die Zahnbürste im 45-Grad-Winkel seitlich zum Zahnfleisch angesetzt und von Rot nach Weiß mit kreisend-rüttelnden Bewegungen die Zahnaußenfläche gereinigt. Hierbei bewährt sich eine gewisse Ritualisierung des Putzens. Beispielsweise fängt man oben rechts an und arbeitet sich nach unten links vor. Zuerst werden so die Außenseiten, anschließend die Zahninnenseiten und zum Schluss die Kauflächen gereinigt. Wann genau der Zeitpunkt für den Einsatz der komplexen Putztechnik kommt, lässt sich pauschal nicht festlegen.“

„Was können Eltern tun, wenn das Zähneputzen beim Baby oder Kleinkind nicht auf Anhieb klappt bzw. wie erklärt man das Thema Zahnpflege kindgerecht? Wie bringt man Kindern die Wichtigkeit der Zahnpflege näher und welche Tipps können Sie unseren Lesern diesbezüglich geben, um dem Kind die Freude an der Zahnpflege spielerisch zu vermitteln?“

„Anlaufschwierigkeiten beim Zähneputzen werden fast alle Eltern kennen. Eine Möglichkeit wäre der Versuch, dem Kind den Gebrauch der Zahnbürste vorzuführen. Ich persönlich bin an dieser Stelle eher der spontane Typ, der auch spielerische Methoden und Elemente für die Kinderzahnpflege einsetzt. Eltern werden an diesem Punkt um das Prinzip „Test und Irrtum“ nicht herumkommen und verschiedene Hilfsmittel ausprobieren müssen. Eltern dürfen hier gerne kreativ sein und können verschiedene Hilfsmittel ausprobieren.“

Mit dem Älterwerden werden Kinder selbstständiger. Ab welchem Zeitpunkt sollte erfahrungsgemäß die Zahnpflege selbstständig vom Kind durchgeführt werden?

„Dieser Moment lässt sich nicht exakt festlegen. Einige Kinder sind bereits mit sechs bis sieben Jahren in Bezug auf die Zahnpflege relativ selbstständig. Bei anderen Kindern müssen die Eltern auch in der 2. oder 3. Klasse noch nachputzen. Hier sind eher individuelle Parameter ausschlaggebend, die Selbstständigkeit sollte aber stetig zunehmen. Als Faustregel können Eltern im Hinterkopf behalten, dass das Nachputzen etwa bis zur Einschulung erfolgen sollte. Der Grund: Beim Zahnwechsel führt eine eventuell nur mangelhafte Zahnpflege andernfalls früh zur ersten Karies – beispielsweise im Backenzahnbereich.“

Irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem jedes Kind auf dem Behandlungsstuhl in der Zahnarztpraxis Platz nehmen sollte. Wann und in welchem Alter ist aus Ihrer Sicht der richtige Zeitpunkt, um den ersten Termin in der Zahnarztpraxis auszumachen und wie läuft der Termin ab? Was genau wird bei einem solchen Erstbesuch gemacht? Welche Tipps können Sie unseren Lesern im Hinblick auf die Gewöhnung an den Zahnarztbesuch geben?

„In meinem Praxisalltag können Eltern mit ihren Kindern bereits in den ersten Monaten vorbeikommen. Dabei geht es nicht nur um eine reguläre Untersuchung, sondern die frühe Gewöhnung und Prägung auf die späteren Behandlungstermine. Patienten nehmen dieses Angebot meiner Erfahrung nach gern an. Generell ist es empfehlenswert, mit dem ersten Milchzahn zum Zahnarzt zu gehen. Hier stehen Eltern in gewisser Weise zwischen den Stühlen, da sich an einigen Punkten gegensätzliche Ansichten gegenüberstehen. Die Meinungen der Zahnärzte und Kinderärzte sind hier nicht immer deckungsgleich. Ich halte es an dieser Stelle aber für durchaus sinnvoll, den Zahnarzt als Experten einzubeziehen. Eltern können im Vorfeld übrigens zum positiven Ablauf der ersten Termine beitragen, wenn beispielsweise das Mundöffnen oder Ähnliches geübt wird. In meiner Praxis handelt es sich bei den ersten Terminen meist um Beratungstermine, Behandlungstermine schließen sich eventuell später an. Gerade bei Kindern sind neue Erfahrungen nicht immer einfach zu vermitteln, sondern mit einem gewissen Ritualisierungsgrad.“

Empfiehlt es sich hinsichtlich des Ersttermins der kleinen Patienten, einen Termin beim Zahnarzt der Eltern zu machen oder ist der Besuch eines speziellen Kinderzahnarztes vorzuziehen? Wie genau definieren sich die Vorteile eines Besuchs bei einem Kinderzahnarzt?

„Es gibt natürlich Zahnärzte, die speziell auf Kinder ausgebildet sind sowie Praxen, die sich im Behandlungsalltag auf Kinder spezialisiert haben. Im Alltag spielt es meist aber keine Rolle, da Zahnärzte im Studium auch den Umgang mit Kindern erlernen. Sofern ein Zahnarzt das Augenmerk eher auf die Behandlung von Erwachsenen legt, wird er dies in der Regel gegenüber den Eltern ansprechen und kompetente Kollegen empfehlen.“

Erwachsene gehen meist aufgrund traumatischer Kindheitserlebnisse eher ungern zum Zahnarzt. Wie wird mit Kindern umgegangen, die Angst vor dem Zahnarzt haben und wie kann ich meinem Kind die Zahnarzt-Angst nehmen bzw. eine solche erst gar nicht entstehen lassen? Welche Möglichkeiten haben Zahnärzte, um den kleinen Patienten die Behandlung von Karies und Co. von Beginn an so angenehm wie möglich zu machen?

„Ich persönlich komme mit Kindern im Praxisalltag sehr gut zurecht. Es ist aber in der Tat schwierig, mit heute erwachsenen Patienten entsprechende Erfahrungen aufzuarbeiten. Heute hat sich die Zahnmedizin aber auch im Umgang mit dem Patienten verändert. Zahnärzte gehen deutlich stärker auf die Patienten ein. Sofern sich Eltern bei einem Zahnarzt unwohl fühlen, können sie immer noch vom Recht der freien Zahnarztwahl Gebrauch machen und nach Alternativen suchen. Mit Kindern muss man grundsätzlich anders auf dem Behandlungsstuhl kommunizieren als im Vergleich zum Erwachsenen. Das gesamte Spektrum würde den Rahmen des Interviews sicher sprengen. Als Zahnarzt arbeite ich mit verschiedenen Hilfsmitteln, um eine angenehme und entspannte Behandlung der Kinder zu realisieren – speziell im Zusammenhang mit einer gezielten Beschäftigung der Kinder auf dem Behandlungsstuhl.“

Das Thema Ernährung spielt bei der optimalen Zahngesundheit ebenfalls eine große Rolle. Welche Auswirkungen hat die Ernährung auf die Zahngesundheit meines Kindes? Was sollte ich vor diesem Hintergrund in Sachen Ernährung wissen und beachten? Gibt es an dieser Stelle Tipps, die Sie Eltern hinsichtlich Ernährung und der optimalen Zahngesundheit ihrer Kinder mit auf den Weg geben können?

„Einer der wesentlichen Aspekte im Zusammenhang mit modernen Zahnerkrankungen ist und bleibt der Zucker- bzw. Kohlenhydratkonsum. Diese bieten den Mikroorganismen Nahrung und begünstigen so die Kariesentstehung. Generell auf Süßes würde ich aber nicht verzichten, da Kinder letztlich auch über das Umfeld hinsichtlich des Verzehrs von Süßigkeiten mitgeprägt werden und es bei Abwesenheit der Eltern zu unkontrolliertem Zuckerkonsum kommen kann. Eine gesunde Ernährung mit reduziertem Zuckeranteil – egal, ob es sich um Lebensmittel oder Getränke handelt – ist sicher einer der Schlüssel für gesunde Kinderzähne. Explizit Produkte zu empfehlen, die einen besonderen Nutzen für die Zahngesundheit haben, halte ich für schwierig. Einerseits besteht die Herausforderung darin, die Wirkung der entsprechenden Lebensmittel innerhalb von Studien nachzuweisen. Auf der anderen Seite besteht die Gefahr, dass den Vorzügen für die Zahngesundheit in anderen Bereichen durch eine eventuell starke Dosierung bestimmter Inhaltsstoffe Nachteile gegenüberstehen.“

Quelle und weitere Informationen: www.zahnzusatzversicherungsvergleich.org

Autoren

zahnzusatzversicherungsvergleich.org/Sandra Göbel | zuletzt geändert am um 14:32 Uhr
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