Wie viele Schwermetalle und Bakterien sind erlaubt?

Trinkwasser

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Wasser aus dem Hahn zu trinken, ist für viele Menschen in Deutschland normal.

Warum Wasserkästen schleppen, wenn zuhause das Wasser aus dem Hahn fließt? Zum Trinken geeignetes Wasser muss bestimmte Qualitäts-               standards erfüllen – diese regelt der Staat in der Trinkwasserverordnung. Vom 1. November 2011 an gelten neue Auflagen. Details dazu teilte letzte Woche das Bundesgesundheitsministerium mit.

Legionellen im Fokus

Immer wieder war in den vergangenen Jahren von Infektionen und sogar Todesfällen durch Legionellen zu hören – vor allem in Krankenhäusern. Bisher existierte kein Grenzwert, der vorgab, wie viele Legionellen im Trinkwasser enthalten sein dürfen. Nun legt die Trinkwasserverordnung einen Höchstwert von 100 Legionellen pro 100 Milliliter Wasser fest. Studien nennen diese Menge als oberste Toleranzgrenze. Legionellen sind wärmeliebende Bakterien und vermehren sich auch in wenig durchspülten Wasserleitungen. Werden sie über kleinste Wassertröpfchen in der Luft eingeatmet, lösen sie die Leginonärskrankheit aus. Diese äußert sich durch Symptome wie hohes Fieber, Schüttelfrost, Müdigkeit und Kopfschmerzen. Zudem quälen Betroffene Bauchschmerzen und Durchfall. Als häufigste Komplikation kommt es zu einer schweren Lungenentzündung – vor allem bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem.

Blei in der Neuauflage

Obwohl die Gefahren von Blei bekannt sind, bestehen heute noch viele öffentliche Trinkwasserleitungen und Leitungen in Altbauten aus diesem giftigen Schwermetall. Was viele Menschen nicht wissen: Verzinkte Stahlrohre oder Messingarmaturen können ebenso Blei in das Trinkwasser abgeben. Blei ist vor allem für Ungeborene, Säuglinge und Kleinkinder gefährlich. Es reichert sich während des Wachstums im Körper an und schädigt das Gehirn. Betroffene Kinder kämpfen häufig mit Intelligenz-, Lern- und Konzentrationsstörungen. Außerdem leiden sie unter einem schwachen Immunsystem. Seit 1993 empfiehlt die WHO einen Wert von einem Milligramm pro Liter. Bis Dezember 2013 gilt in Deutschland noch ein Grenzwert von 25 Milligramm pro Liter. Allerdings lagen vor allem in Nord- und Ostdeutschland gemessene Werte noch darüber. Die Neuregelung: Künftig darf ein Liter Trinkwasser nicht mehr als zehn Mikrogramm Blei enthalten.

Erstmals Grenzwert für Uran

Für das Schwermetall Uran gelten ab November 2011 zum ersten Mal Grenzwerte in Deutschland. Ähnlich wie Blei, lagert sich Uran im Körper ab, schädigt dabei aber vor allem die Nieren. Das Bundesgesundheitsministerium legt nun die Höchstgrenze für Uran mit zehn Mikrogramm pro Liter Trinkwasser fest. Noch 2009 meldeten die Versorger zahlreicher Gemeinden in Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen und Sachsen-Anhalt deutlich höhere Werte. Sie müssen nun Gegenmaßnahmen ergreifen, Filteranlagen einbauen oder ihr höher belastetes Wasser mit weniger belastetem mischen. Verbraucherschützer von Foodwatch indes fordern einen Höchstwert von zwei Mikrogramm pro Liter. Der Grund: Laut einer Studie von 2009 kann auch Trinkwasser mit einem weit geringeren Anteil an Uran die Nieren von Säuglingen und Kleinkindern massiv schädigen.

Für so genannte „Babywässer“, die der Hersteller für die Zubereitung von Säuglingsnahrung empfiehlt, gilt bereits ein Höchstwert von zwei Mikrogramm pro Liter. Für andere Mineralwässer hingegen existiert bisher gar kein Grenzwert.

Autoren

Tina Neundorf | zuletzt geändert am 10.06.2011 um 14:07 Uhr
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