Nach einem Biss richtig handeln

Zecken: Wie schützt man sich?

Alloy Photography/Veer
Nach Aufenthalten im Grünen sollte man den Körper nach Zecken absuchen.

Zecken können mehr als 50 Infektionskrankheiten übertragen, unter anderem Borreliose oder die Hirnhautentzündung FSME. Göran Donner, Vizepräsident und Pressesprecher der Sächsischen Landesapothekerkammer, weiß, wie man sich vor einem Zeckenbiss schützt und was im Falle eines Bisses zu tun ist.

Herr Donner, warum sind Zeckenbisse so gefährlich?

Zecken verursachen so viele Erkrankungen wie kein anderes Tier in Deutschland. Der Biss selbst ist unbedenklich, doch viele Zecken tragen Krankheitserreger in sich, die sie in den Körper ihres Wirts abgeben können. Spitzenreiter bei den Erkrankungen ist die Lyme-Borreliose: je nach Region sind 10 bis 35 Prozent der Tiere mit Borreliose-Bakterien befallen. Die Krankheit bewirkt u. a. Hautveränderungen, schmerzhaften Gelenkentzündungen, Herzrhythmusstörungen und Lähmungen. Wird die Infektion zu spät erkannt, kann es zu chronischen Verläufen mit dauerhaften Schäden kommen.
Seltener, aber nicht weniger gefährlich ist das FSME-Virus: es ist bei 0,1 bis 5 Prozent aller Zecken in den Risikogebieten zu finden. FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) ist kaum behandelbar und kann tödlich verlaufen. Je nachdem, welche Teile des zentralen Nervensystems betroffen sind, kann es zu Schluck- und Sprechstörungen, Wesensveränderungen, Krampfanfällen, Bewusstseinsstörungen bis zum Koma sowie Glieder- und sogar Atemlähmungen kommen.

Wann und wo sind Zecken denn hauptsächlich anzutreffen?

Sobald die Außentemperatur 6 bis 8 Grad Celsius übersteigt, lauern Zecken im hohen Gras, Gestrüpp oder Unterholz, bevorzugt an schattigen, feuchten Stellen im Wald. Kommen ein Wanderer oder ein Tier vorbei, krallen sie sich an Kleidung, Haut oder Fell fest und suchen von dort aus nach einer gut durchbluteten Stelle zum Zubeißen. Ausgewiesenen FSME-Risikogebiete sind zwar laut Robert Koch-Institut (RKI) vor allem Bayern und Baden-Württemberg, doch mit dem Vogtlandkreis gehört seit 2014 auch ein Teil Sachsens unmittelbar dazu. Infektionen können aber auch außerhalb dieser Gebiete vorkommen – überall, wo es Zecken gibt. Dank des milden Winters muss man in diesem Jahr mit besonders vielen Tieren rechnen.

Wie kann man sich schützen?

Der beste Schutz ist, gar nicht erst gebissen zu werden. Deshalb sollte man stets mit festem Schuhwerk unterwegs sein und die Haut möglichst vollständig durch Kleidung bedecken; glatte Stoffe erschweren den Tieren zudem das Festkrallen. Kann man die Hosenbeine in die Socken oder Stiefel stecken, umso besser. Wer auf den Wegen bleibt und nicht querfeldein durch hohes Gras oder Gestrüpp geht, verringert das Bissrisiko ebenfalls. Freie Hautpartien sollte man zusätzlich mit speziellen Anti-Zecken-Mitteln aus der Apotheke schützen. Da diese unterschiedlich stark und lang wirken, lässt man sich bei der Auswahl am besten vom Apothekenpersonal beraten. Nach jedem Ausflug sucht man Körper und Kleidung sorgfältig nach Zecken ab, bei Haustieren mit Freilauf auch deren Fell. Auf heller Kleidung sieht man die Tiere dabei besser. Und nicht zuletzt kann sich, wer in Risikogebieten lebt oder diese bereisen will, gegen FSME auch impfen lassen – diesen Schutz gibt es gegen Borreliose bislang allerdings nicht.  

Was tun, wenn man sich trotz allem einen der Mini-Vampire eingefangen hat?

Die wichtigste Regel lautet: Ruhe bewahren und die Zecke so schnell wie möglich entfernen. Das Infektionsrisiko für Borreliose steigt nämlich nach einer Saugzeit von mehr als 12 Stunden; wird die Zecke frühzeitig entfernt, ist es relativ gering. FSME-Viren können dagegen sofort nach dem Biss in die Wunde übergehen. Zum Entfernen fasst man die Zecke mit einer Zeckenkarte oder spitzen Pinzette möglichst dicht über der Haut und zieht sie langsam heraus. Anschließend sollte die Wunde mit Alkohol oder einer jodhaltigen Salbe desinfiziert werden. Wichtig ist, das Tier keinesfalls zu quetschen! Es sondert sonst nämlich Speichel in die Wunde ab – und mit ihm möglicherweise Erreger. Genauso kontraproduktiv sind auch alte „Hausmittel“ wie Öl, Nagellack oder Klebstoff. Von ihnen sollte man deshalb unbedingt die Finger lassen.

Sollte man gleich einen Arzt aufsuchen?

Bis sich zum Beispiel Borreliose-Symptome zeigen bzw. die Diagnose per Blutbild gestellt werden kann, können mehrere Wochen oder sogar Monate vergehen. Die Einstichstelle muss deshalb auf jeden Fall noch einige Monate lang beobachtet werden. In zwei Dritteln aller Borreliose-Infektionen tritt eine sich ringförmig ausbreitende sogenannte „Wanderröte“ auf. Auch allgemeine Symptome wie Abgeschlagenheit, Nachtschweiß, Fieber oder Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen können auf eine Infektion hinweisen – das gilt für Borreliose wie für FSME. In all diesen Fällen ist sofort ein Arzt aufzusuchen! Denn rechtzeitig bemerkt, lässt sich eine Borreliose-Infektion mit Antibiotika recht gut behandeln.

Autoren

Sandra Göbel/Sächsische Landesapothekerkammer | zuletzt geändert am 11.05.2015 um 13:52 Uhr
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