Chia-Samen

Als Chia-Samen werden die Samen der Pflanze Salvia hispanica L. aus der Gattung des Salbeis bezeichnet. Ursprünglich stammt das Kraut aus Mexiko, mittlerweile wird es in vielen Ländern Lateinamerikas angebaut. Die rohen oder getrockneten Samen können Getränken und Speisen zugegeben werden. Aufgrund ihrer 25fachen Quellfähigkeit werden sie gerne als Verdickungsmittel für Puddings oder als Bindemittel beim Backen als Ei- oder Fettersatz genutzt. In englischsprachigen Ländern wie den USA oder Kanada werden Chia-Samen mittlerweile auch in gemahlener Form verwendet – beispielsweise als Zutat für Brot oder zur Gewinnung von Öl. Im Internet und im Handel vor Ort werden Chia-Samen als Superfood angepriesen: Sie sollen die Verdauung unterstützen und den Blutzucker regulieren. Auch als Mittel zum Abnehmen oder für schöne Haut werden sie gelobt. Wissenschaftliche Studien, die diese gesundheitsbezogenen Aussagen bestätigen, liegen bisher nicht vor.

Inhaltsstoffe der Chia-Samen

Laut der bundesweiten Verbraucherzentrale enthalten Chia-Samen:
  • Proteine: 20 Prozent
  • Fett, insbesondere Omega-3-Fettsäuren: 30 Prozent
  • Kohlenhydrate: bis zu 40 Prozent
  • übrige Inhaltsstoffe, zum Beispiel Mineralstoffe, Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe: etwa 10 Prozent
Chia-Samen werden von der EU als neuartiges Lebensmittel (Novel Food) eingestuft. Lebensmitteln, die vorher nicht im erwähnenswerten Maß für den menschlichen Verzehr verwendet wurden, benötigen ein Zulassungsverfahren. Erst dann dürfen sie auf den Markt gebracht werden. Seit 2009 gestattet die Europäische Kommission für Brotwaren einen Chia-Samen-Höchstgehalt von 5 Prozent. Seit 2013 sind Chia-Samen als Zutat in allen Lebensmitteln (beispielsweise in Müsli, Früchte- und Nussmischungen) erlaubt – bis zu einem Gehalt von 10 Prozent. Auch als eigenständiges Lebensmittel dürfen sie seit 2013 gehandelt werden. Reine Chia-Samen müssen vorverpackt vertrieben werden mit dem Hinweis, dass eine tägliche Aufnahme von 15 Gramm nicht überschritten werden darf. Höhere Mengen gelten als gesundheitlich bedenklich. Langzeitstudien zu Chia-Produkten, etwa hinsichtlich allergischer Reaktionen, liegen bisher nicht vor. Seit Dezember 2014 ist auch kaltgepresstes Chia-Öl als Lebensmittelzutat zugelassen, wobei der Anteil 10 Prozent am Öl nicht überschreiten darf.

Durch ihre Fähigkeit, Flüssigkeit aufzunehmen, quellen Chia-Samen auf ein Vielfaches ihrer ursprünglichen Größe an. Nach dem Verzehr können sie dadurch das Eintreten des Sättigungsempfindens beschleunigen.
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Chia-Samen als Nahrungsergänzungsmittel

Chia-haltige Nahrungsergänzungsmittel sind in Form von Kapseln erhältlich. Meist enthalten sie kaltgepresstes Chia-Öl. Dieses ist als Zutat in Nahrungsergänzungsmitteln seit Dezember 2014 erlaubt. Das Chia-Öl muss mindestens 60 Prozent alpha-Linolensäure (ALA) und 15-20 Prozent Linolsäure enthalten. Kapseln mit kaltgepresstem Chia-Öl weisen durchschnittlich 1,2 gr alpha-Linolensäure (ALA) auf. Genaue Angaben zur Zusammensetzung sind auf den Produkten oft nicht vorhanden.

Die erlaubte Höchstmenge für Nahrungsergänzungsmittel mit Chia-Öl in Form von Kapseln liegt bei 2 gr täglich. Bei der Einnahme von Chia-Kapseln sollten unbedingt die Hinweise des Herstellers beachtet werden. Beim Verzehr von nicht gequollenen Chia-Samen ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten, da es ansonsten zur Verstopfung kommen kann.

Für wen sind Chia-haltige Nahrungsergänzungsmittel geeignet?

Chia-Samen enthalten Omega-3-Fettsäuren, vor allem alpha-Linolensäure. Eine wissenschaftliche Untersuchung der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) hat ergeben, dass Omega-3-Fettsäuren den Wert des Blutfetts Triglycerid senken können. Ein langfristig zu hoher Blutwert an Triglycerid kann zu Gefäßschäden (Arteriosklerose) führen. Personen mit Herzerkrankungen oder erhöhten Blutfettwerten können von Nahrungsergänzungsmitteln mit Omega-3-Fettsäuren profitieren. Dies teilt die bundesweite Verbraucherzentrale mit. Eine zusätzliche Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren durch Nahrungsergänzungsmittel sollte jedoch mit dem Arzt abgesprochen sein.

Wechselwirkungen von Chia-Samen und Chia-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln

Einige Menschen reagieren allergisch auf Chia-Samen. Zu Allergien neigende Personen sollten daher den Verzehr der Chia-Samen oder die Anwendung von Chia-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln vorab mit ihrem Arzt besprechen. Des Weiteren gibt es Hinweise auf Wechselwirkungen von blutverdünnenden Medikamenten (Warfarin in Coumadin®, Acetylsalicylsäure wie in ASS® oder Aspirin®) mit Chia-Produkten. Patienten, die diese Arznei einnehmen, sollten die Anwendung von Chia-Kapseln vorher mit ihrem Arzt abklären.

Schadstoffbelastung von Chia-Samen

Anmerkungen zu Anbaubedingungen zu Chia-Samen fehlen meist auf den Produkten. Vollständig naturbelassen sind sie jedoch nicht, bemerkt die Verbraucherzentrale. In der Sicherheitsbewertung weist die EFSA 2005 daraufhin, dass das Saatgut mit Pflanzenhormonen behandelt ist, damit die Pflanzen zeitgleich keimen. Zusätzlich vermerken die Ernährungswissenschaftler, dass der Boden vor dem Anbau mit einem Bodenherbizid behandelt wird, das in Europa verboten ist. 

Autoren

Julia Schmidt | zuletzt geändert am um 12:30 Uhr
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