Die Stimme schulen lassen

Stimmerkrankungen bei Lehrern

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Mit Stimmtraining beugen Lehrer einer Stimmerkrankung vor.

Die Stimme ist für Lehrer ein wichtiges Arbeitsmittel – doch viele entwickeln im Laufe ihrer beruflichen Laufbahn eine Stimmerkrankung. Eine Stimm- und Sprechausbildung beugt Stimmproblemen vor.

„Ein Lehrer muss 40 Jahre lang mit dem Arbeitsinstrument Stimme arbeiten, und das oft unter schwierigen Bedingungen wie Lärm und das Sprechen zu großen Gruppen“, erläutert Prof. Michael Fuchs, Leiter der Sektion Phoniatrie und Audiologie am Universitätsklinikum Leipzig. „Ob die Stimme dieser Belastung auf Dauer gewachsen ist und damit Erkrankungen oder Berufsunfähigkeiten verhindert werden können, hängt ab von der Qualität der Stimmausbildung während des Studiums.“ Das belegt eine aktuelle Studie.

Jeder Dritte mit Stimmproblemen

An drei Kliniken wurden rund 200 Lehrer untersucht, die seit mindestens 5 Jahren an einer Schule unterrichten. Jeder Dritte hatte eine Stimmerkrankung. Dabei zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang: Je besser die Stimmausbildung während des Studiums war, umso gesünder war die Stimme. „Fehlt eine Stimmausbildung während des Studiums, steigt das Risiko einer Stimmerkrankung um das 1,6-fache“, erläutert Prof. Fuchs. Besonders gefährdet eine Stimmerkrankung zu entwickeln sind daher Quereinsteiger, die beispielweise als Naturwissenschaftler in den Lehrerberuf wechseln.

Bei Stimmschäden droht Berufsuntauglichkeit

Deutschlandweit ist die Stimmausbildung von Lehrern unterschiedlich geregelt. Oft erfolgt die Studienzulassung ohne vorherige Tauglichkeitsprüfung. So können auch Menschen diesen Beruf wählen, deren Stimme sehr schwach oder anfällig ist. Fehlt dann eine Stimm- und Sprechausbildung im Studium, sind Beschwerden mit der Stimme vorprogrammiert. „Nach fünf bis zehn Jahren beginnen dann die Stimmprobleme, die letztlich zu einer Berufsuntauglichkeit führen können“, beschreibt Prof. Fuchs die Folgen. Auf erste funktionelle Stimmstörungen wie Heiserkeit oder ein Missempfinden können Stimmbandknötchen folgen, die wiederum die Funktion der Stimme weiter mindern. Ein Teufelskreislauf, der nur mit einer Behandlung verbunden mit Berufspause durchbrochen werden kann. „Stimmübungsbehandlungen und Stimmheilkuren können hier in allen Stadien helfen“, rät der Stimmexperte Fuchs. Als letzte Option bleibt eine Operation.

Damit die Stimme wieder stimmt

Viele Stimmschädigungen wären mit einer besseren Stimmausbildung und einem geschulten Stimmeinsatz vermeidbar, ist Prof. Fuchs überzeugt. Nach dem Studium können Lehrer ihre Stimme mit speziellen Workshops schulen, zum Beispiel mit Vokal-Improvisationen, Atemtraining oder Übungen zur Stimmkontrolle in Konfliktsituationen. Qualifizierte Ansprechpartner für Lehrer sind Phoniater oder Logopäden. Adressen finden Interessierte bei der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie.

Autoren

26.02.2016 | Sandra Göbel/Universitätsklinikum Leipzig
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