Vorteilhafte Kombinationstherapie

Kleinzelliger Lungenkrebs ab 70

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Auch einige Patienten über 70 profitieren von einer Kombinationstherapie bei kleinzelligem Lungenkrebs.

Kleinzelliger Lungenkrebs lässt sich oft wirkungsvoll mit einer Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie behandeln. Doch wie vertragen Patienten über 70 Jahre die Kombinationstherapie? Eine US-amerikanische Studie gibt Auskunft.

Diagnose kleinzelliger Lungenkrebs

Lungenkrebs zählt zu den Krebserkrankungen, die am häufigsten tödlich verlaufen. Dies gilt insbesondere für den kleinzelligen Lungenkrebs. Hier wächst der Tumor so schnell, dass es für eine Operation oft schon zu spät ist. Doch für die Betroffenen gibt es Hoffnung. Meistens erkennen die Ärzte das bösartige Gewebe, noch bevor es sichtbar die Lungengrenze überschritten hat. In diesem limitierten Stadium erweise sich eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie als besonders wirkungsvoll, erklärt Prof. Dr. med. Frederik Wenz, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Mannheim.

Ist die Behandlung ab 70 zu belastend?

Der kleinzellige Lungenkrebs betrifft häufig ältere Patienten. Doch gerade sie erhalten seltener die wirkungsvolle Kombinationstherapie. "Es besteht die Sorge, dass die Patienten ab einem gewissen Alter die Belastungen durch Zytostatika und Strahlen nicht verkraften und vielleicht sogar an den Folgen der Therapie sterben", erläutert Prof Dr. med. Frederik Wenz.

Kombinationstherapie verlängert Überlebensdauer

Inwiefern ältere Patienten mit kleinzelligem Lungenkrebs im limitierten Stadium von einer Kombinationstherapie profitieren, zeigt ein US-amerikanische Studie, die sich auf ein Patientenregister mit über 8600 Personen stützt. Die registrierten Personen erreichten nach einer Kombinationstherapie eine durchschnittliche Überlebensdauer von 15,6 Monaten. Altersgenossen mit der gleichen Erkrankung, die sich einer reinen Strahlentherapie unterzogen hatten, überlebten im Durchschnitt nur 9 Monate. Am besten half die Behandlung, wenn Strahlen- und Chemotherapie im gleichen Zeitraum erfolgten. Die Überlebensdauer steigerte sich dadurch auf durchschnittlich 17 Monate.

Kombinationstherapie auch im Alter vorteilhaft

"Die Studie zeigt, dass eine intensivierte Therapie mit simultaner Radiochemotherapie auch für ältere Patienten mit kleinzelligem Lungenkrebs vorteilhaft ist", folgert Prof. Dr. med. Martin Stuschke, Direktor der Klinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Essen. So seien Nebenwirkungen der Chemotherapie besser behandelbar und die Strahlen ließen sich gezielter auf das kranke Gewebe richten.

Die Lebensqualität entscheidet

Laut US-Studie eignen sich 56 Prozent der Über-70-Jährigen für eine Kombinationstherapie. "Bei mehreren Begleiterkrankungen, einem fortgeschrittenen Stadium und vor allem bei einem schlechten Allgemeinzustand raten wir von einer intensivierten Behandlung ab", erklärt Prof. Werz. Denn in der letzten Lebensphase zähle nicht nur die Zahl der zusätzlichen Lebensmonate, sondern auch die Lebensqualität, betont der Experte.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

Autoren

01.04.2016 | Susanne Schmid/ Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachges
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