Im ersten Lebensjahr behandeln

Therapie bei Hodenhochstand

Corbis Photography/veer
Das optimale Zeitfenster zur Behandlung einer Hodenfehllage liegt zwischen dem 7. und 12. Lebensmonat.

Jungen mit Hodenhochstand sollten die erforderliche Behandlung bis zu ihrem 1. Geburtstag abgeschlossen haben, empfiehlt die Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH). Ein Hinauszögern der Therapie könne eine verminderte Fruchtbarkeit bis hin zu Sterilität zur Folge haben, warnen die Experten.

Fehllagen sind keine Seltenheit

Beim Hodenhochstand, medizinisch Maldeszenus testis genannt, befindet sich der Hoden bei der Geburt nicht im Hodensack, sondern noch im Bauch oder den Leisten. Er ist die häufigste Anomalie des männlichen Urogenitaltrakts: Bis zu drei Prozent der „reif“ geborenen Jungen kommen mit dieser Abweichung zur Welt, bei männlichen Frühgeborenen sind es sogar bis zu 30 Prozent.

Da der Hodenhochstand keine Beschwerden verursacht und die Keimdrüse bei etwa sieben Prozent der betroffenen Babys in den ersten sechs Lebensmonaten von allein an den richtigen Platz wandert, sind sich Ärzte darüber einig, dass diese Zeit erst einmal abzuwarten ist.

Vor dem ersten Geburtstag behandeln lassen

Wandert der Hoden nicht von selbst in den Hodensack, korrigiert man die Fehllage mittels Hormontherapie oder Operation. „Die Gabe von Hormonen ist jedoch umstritten, da die langfristigen Folgen einer Einwirkung auf den kindlichen Hormonhaushalt noch nicht abschließend geklärt sind“, gibt Dr. Barbara Ludwikowski zu bedenken, Chefärztin der Klinik für Kinderchirurgie auf der Bult, Hannover. Zudem sei die Erfolgsquote mit rund 20 Prozent niedrig, die Rückfallquote aber hoch. Schlägt die Hormontherapie nicht an oder entscheidet man sich gegen diese, wird die Fehllage operativ korrigiert.

Die Erfolgsraten der Operationen liegen bei 74 bis 96 Prozent. „Aber anders als früher, wo man eine Operation oft erst nach Jahren durchgeführt hat, ist man heute der Auffassung, dass der Hoden bis zum ersten Geburtstag in den Hodensack verlagert werden sollte“, berichtet Dr. Ludwikowski.

Bei Verdacht zum Arzt

Untersuchungen zeigen, dass sich die Zahl der Samenvorläuferzellen beim Hodenhochstand ab dem Ende des ersten Lebensjahrs laufend verringert. Da diese spermienbildenden Zellen unwiederbringlich verloren gehen, ist die Fruchtbarkeit ab dem 2. Lebensjahr immer schwerer zu erhalten. Zudem wächst der Hoden besser, wenn er frühzeitig in der richtigen Position ist. „Voraussetzung ist jedoch, dass Eltern ihre kleinen Jungen bei Verdacht auf Hodenhochstand frühzeitig einem Kinderchirurgen zur Abklärung vorstellen. Dann können wir auch das optimale Zeitfenster zur Therapie nutzen“, erläutert DGKCH-Präsident Professor Bernd Tillig.

Frühe Behandlung senkt Risiko für Hodenkrebs

Und noch ein weiterer Grund spricht aus Sicht von Dr. Ludwikowski für eine frühe Behandlung: Männer, die im Kindesalter an einem Hodenhochstand gelitten haben, sind einem bis um das 10-fache erhöhten Risiko ausgesetzt, später an Hodenkrebs zu erkranken. „Diese Gefahr ist durch die Operation zwar nicht gebannt“, erklärt die Kinderchirurgin. „Sie ist jedoch umso niedriger, je früher der Hoden im Hodensack zu liegen kommt.“ Hodenkrebs ist mit rund 4000 Neuerkrankungen pro Jahr hierzulande die häufigste Krebsart bei Männern zwischen 20 und 45 Jahren.

Autoren

Sandra Göbel/DGKCH | zuletzt geändert am 04.06.2014 um 14:56 Uhr
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