Medikamente bei chronischer Herzinsuffizienz

Für die meist lebenslänglich notwendige medikamentöse Therapie bei chronischer Herzinsuffizienz gibt es vier Gruppen von Medikamenten. Sie werden abhängig von der Grunderkrankung und dem Schweregrad eingesetzt.

  • ACE-Hemmer oder alternativ AT1-Blocker (Sartane) erweitern das eng gestellte Gefäßsystem, Nitrate oder Hydralazin wirken ähnlich. Sie werden als Basistherapie ab NYHA-Stadium I eingesetzt. Die wichtigsten ACE-Hemmer sind: Captopril, Enalapril, Fosinopril und Ramipril. Bei Candesartan und Losartan handelt es sich um bekannte AT1-Blocker.
  • Nitrate werden vor allem zur Behandlung von Akutsituationen geeignet, zum Beispiel bei einem Angina-pectoris-Anfall. In Form rasch wirksamer Sprays oder Zerbeißkapseln weiten sie innerhalb weniger Minuten die Herzkranzgefäße, sodass sich die Durchblutung des Herzens verbessert und die Druckbelastung des Herzens abnimmt. In der Langzeittherapie kommen Nitrate nur bei Unverträglichkeit der Standardmedikation zum Einsaz.
  • Entresto® ist eine Fixkombination aus dem AT1-Blocker Valsartan und dem Neprilysin-Hemmer Sacubitril. Dadurch soll besonders das Enzyms Neprilysin gehemmt werden. Entresto fördert die Ausscheidung von Natrium über die Nieren und verbessert die Gefäßweitung.
  • Betablocker wie z. B. Bisoprolol, Carvedilol, Metoprolol beeinflussen das vegetative Nervensystem und schützen das Herz vor zu schnellem Herzschlag. Sie werden je nach Bedarf ab NYHA-Stadium II eingesetzt.
  • Digitalis ist ein pflanzlicher Wirkstoff, der aus dem Roten Fingerhut bzw. anderen Fingerhüten gewonnen wird, z. B. Digoxin , Digitoxin . Er steigert die Herzkraft und wird je nach Bedarf ab NYHA-Stadium II empfohlen. Die richtige Dosis ist schwierig zu finden – Unterdosierungen sind wirkungslos, und Überdosierungen führen schnell zu Herzrhythmusstörungen und Vergiftungserscheinungen. Digitalis wird daher nicht mehr so häufig verordnet.
  • Diuretika entwässern den Körper und führen zu einer erhöhten Urinausscheidung. Einfache Diuretika werden ab NYHA-Stadium II eingesetzt, ab NYHA-Stadium III greift der Arzt zu speziellen Aldosteronantagonisten, bei denen dem Körper weniger Kalium verloren geht als bei anderen Diuretika.

Umstritten ist, ob bei chronischer Herzinsuffizienz im NYHA-Stadium III–IV auch eine Gerinnungshemmung z. B. mit Marcumar® erfolgen soll, um eine Blutgerinnselbildung im Herzen zu vermeiden.

Besonders gefährdet sind Patienten mit sehr schlecht pumpendem Herzen. Bestehen anhaltende gefährliche Herzrhythmusstörungen (ventrikuläre Tachykardien), die zu plötzlichem Herztod führen können, wird die vorbeugende Versorgung mit einem speziellen Herzschrittmacher (ICD) empfohlen, der diese Herzrhythmusstörungen erkennt und automatisch beendet.

Ist die Pumpfunktion des Herzens so schlecht geworden, dass trotz aller Therapiebemühungen die Atemnot weiter zunimmt (entspricht NYHA-Stadium IV), so bieten spezialisierte Zentren folgende Therapiemöglichkeiten an:

Ausgeprägte Ödeme bei einem 74-Jährigen mit Rechtsherzinsuffizienz (links). Nach der Behandlung mit Digitalis-Präparaten und Diuretika sind die Ödeme verschwunden (rechts).
Georg Thieme Verlag, Stuttgart

  • Biventrikuläre Herzschrittmachertherapie (kardiale Resynchronisationstherapie): Die gleichzeitige elektrische Schrittmacherstimulation von linker und rechter Herzkammer verbessert die Pumpfunktion des Herzens bei bestimmten Formen der Reizleitungsstörung und erhaltenem Sinusrhythmus.
  • Herz-Unterstützungssystem (assist device) oder Kunstherz-Implantation: Die Pumpfunktion des Herzens wird durch mechanische Pumpen unterstützt oder ersetzt. Dies erfordert einen hohen Betreuungsaufwand und dient meist nur als Überbrückung bis zur Herztransplantation.
  • Herztransplantation, allgemein Transplantation.
  • Kardioreduktionsplastik (Batista-Operation) oder kardiales Unterstützungsnetz (Corcap): Die Pumpfunktion der erweiterten linken Herzkammer soll durch operative Verkleinerung oder Umhüllung mit einem Netz verbessert werden. Von beiden Operationen liegen keine ausreichenden Langzeiterfahrungen vor, um diese Maßnahmen als Standardverfahren empfehlen zu können.

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