Ohrenschmerzen, Ohrenjucken, Ohrendruck

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Je nach Schwere der Symptome können Ohrenschmerzen selbst behandelt werden oder erfordern einen Besuch beim Ohrenarzt.

Ohrenschmerzen sind besonders im Kindesalter eine sehr häufige Beschwerde, der meist Erkältungen, Mittelohrentzündungen oder Mandelentzündungen zugrunde liegen. Bei Erwachsenen stehen andere Ursachen im Vordergrund, insbesondere Gehörgangsentzündungen und Probleme im Bereich des Kiefergelenks. Die schmerzleitenden Nervenfasern aus dem Ohr verlaufen zusammen mit den Nervenfasern aus den Gesichts- und Halsregionen zu den Schmerzzentren im Gehirn. Diese können oft nicht genau unterscheiden, wo der Entstehungsort der Schmerzen liegt. So kommt es, dass auch Erkrankungen außerhalb des Ohrs, z. B. im Bereich der Zähne, Nasennebenhöhlen, des Halses oder Kiefergelenks, oftmals im Ohr empfunden werden.

Ein häufiges Krankheitsbild ist die oromandibuläre Dysfunktion. Sie äußert sich in verschiedenartigen Beschwerden, verursacht durch eine gestörte Funktion des Kiefergelenks. Die Betroffenen leiden z. B. unter Schmerzen in und vor dem Ohr, Knackgeräuschen beim Kauen, Zähneknirschen, eingeschränkten oder ruckartigen Kieferbewegungen. Auch Kopf- oder Nackenschmerzen und Ohrgeräusche (Tinnitus) kommen vor. Oft ist die Wangenmuskulatur stark druckempfindlich. Die oromandibuläre Dysfunktion gilt als somatoforme Störung, die z. B. durch Stress oder psychische Belastungen ausgelöst wird. Entsprechend spielen Entspannungsverfahren bei der Therapie eine große Rolle. Gesichtsmassagen und ggf. kieferorthopädische Maßnahmen ergänzen die Behandlung.

Eine Okzipitalisneuralgie äußert sich in anfallsweise auftretenden, stechenden Nervenschmerzen (Neuralgie, neuropathische Schmerzen), am Hinterkopf und/oder in den Ohren zu spüren. Meist bestehen in diesem Bereich auch Gefühlsstörungen und eine Berührungsüberempfindlichkeit. Ursache sind Funktionsstörungen des Okzipitalnervs, z. B. aufgrund einer früheren Gürtelrose oder einer Erkrankung der Halswirbelsäule. Durch Injektion eines lokalen Betäubungsmittels in die Nähe des gereizten Nervs lassen sich die Beschwerden beseitigen.

Eine lokale Entzündung am oberen Ohrmuschelrand zeigt sich häufig in einem schmerzhaften Ohrknötchen. Die Ursache ist unbekannt; manche Wissenschaftler vermuten, dass länger zurückliegende Erfrierungen eine wichtige Rolle spielen. Kortisoncremes bringen die Entzündung in ca. 25 % der Fälle zum Verschwinden. In den restlichen Fällen wird das Ohrknötchen meist operativ entfernt, ausgekratzt oder mit Laser behandelt.

Beschwerdebilder, ihre Ursachen, Maßnahmen und Selbsthilfe

Heftige stechende, pulsierende oder klopfende Ohrenschmerzen; meist Fieber; oft Schnupfen; evtl. Ausfluss von Sekret

Ursachen:

  • Akute Mittelohrentzündung
  • Selten: Mastoiditis (Entzündung des Warzenfortsatzes hinter dem Ohr als Komplikation einer akuten Mittelohrentzündung)

Maßnahmen:

  • Sofort Haus- oder HNO-Arzt bei starken Kopfschmerzen, Rötung und Schwellung hinter dem Ohr oder Verstärkung bereits abgeklungener Beschwerden
  • Ansonsten am selben Tag zum Arzt

Selbsthilfe:

  • Zwiebelsäckchen

Stechende Ohren- und Halsschmerzen, v. a. beim Schlucken, mit Fieber; starkes Krankheitsgefühl; geschwollene Lymphknoten im Kieferwinkel; selten Atemnot

Ursachen:

Maßnahmen:

  • Notarzt rufen bei brodelndem Atemgeräusch oder Atemnot
  • Ansonsten am selben Tag zum Kinder- oder Hausarzt

Selbsthilfe bei Angina:

  • Zwiebelwickel
  • Gurgeln mit kommerziellen Präparaten, Salbei- oder Kamillentee
  • Schmerzlindernde Lutschtabletten

Ohrdruck und (meist) leichtes Ohrstechen mit Schwerhörigkeit bei Erkältung; verstopfte Nase; Knacken im Ohr beim Schlucken

Ursache:

Maßnahme:

  • Am selben Tag zum Haus- oder HNO-Arzt, wenn starke Schmerzen oder Fieber > 39 °C auftreten

Selbsthilfe:

  • Inhalationen mit Salz- oder Kamillelösung
  • Salzhaltige Nasensprays, schleimhautabschwellende Nasentropfen (maximal 5 Tage)

Dauerhafter Ohrdruck mit Schwerhörigkeit; oft Mundatmung, Schnarchen; Knacken im Ohr beim Schlucken

Ursachen:

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Kinder-, Haus- oder HNO-Arzt

Ziehender oder stechender Ohrschmerz und Ohrdruck mit dumpfem Höreindruck; oft Wundgefühl im oberen Rachen; manchmal blutige oder borkige Absonderungen aus dem Rachen

Ursachen:

  • Rachenentzündung, v. a. im oberen Teil des Rachens
  • Selten: Tumoren in Nase oder Rachen

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Haus- oder HNO-Arzt, wenn blutige Absonderungen bemerkt werden oder die Beschwerden länger als eine Woche anhalten

Schmerzhafter, beidseitiger Ohrdruck mit Schwerhörigkeit durch Druckunterschiede, z. B. im Flugzeug oder beim Tauchen; kurzfristige Besserung durch Schlucken

Ursache:

  • Unterdruck im Mittelohr

Maßnahme:

  • Am selben Tag zum Haus- oder HNO-Arzt, wenn die Beschwerden länger als 5 Stunden nach dem Ereignis anhalten

Selbsthilfe:

  • Kräftig schlucken, gähnen, Bonbon lutschen, Kaugummi kauen

Jucken, Druckgefühl und/oder leichte Ohrenschmerzen mit "Hören wie durch Watte"; oft häufige Ohrsäuberungsaktionen wegen vermehrtem Ohrenschmalz; evtl. Ohrgeräusche, Schwindel

Ursache:

Verschluss des Gehörgangs durch

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum HNO-Arzt

Selbsthilfe:

  • Keinesfalls versuchen, Gegenstände aus dem Gehörgang mit einer Pinzette selbst zu entfernen

Plötzlicher, stechender Ohrschmerz mit Schwerhörigkeit; hohles Gefühl oder Taubheitsgefühl im Ohr; oft Ohrgeräusche, Schwindel; evtl. Austritt von etwas Blut aus dem Gehörgang

Ursache:

Trommelfellverletzung durch

  • Direkte Verletzung, z. B. bei Bohren im Ohr
  • Starke Druckschwankungen (Barotrauma), z. B. bei Ohrfeigen, Explosionen, Tauchen

Maßnahme:

  • Sofort zum HNO-Arzt

Nach starken Schmerzen plötzliches Ohrenlaufen, verbunden mit Schmerzminderung und Fieberabfall

Ursache:

Maßnahme:

  • Das Schlimmste ist überstanden – trotzdem am selben oder nächsten Tag zum Haus- oder HNO-Arzt

Ohrdruck mit schleimig-gelblichem, manchmal übelriechendem Ausfluss; wiederkehrend oder dauernd; oft zunehmende Schwerhörigkeit; Beginn meist in der Kindheit

Ursache:

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Kinder-, Haus- oder HNO-Arzt

Schmerzen und Jucken im Ohr, oft mit schmierigem, übelriechendem Ausfluss; Schmerzen nehmen zu bei Zug am Ohrläppchen; Schwellung und Krusten im äußeren Gehörgang; häufig nach Säuberung des Ohrs oder nach dem Schwimmen

Ursache:

Maßnahme:

  • Am nächsten Tagen zum HNO-Arzt

Selbsthilfe:

  • Nicht versuchen, den Gehörgang mit Wattestäbchen zu reinigen
  • Gechlortes und unsauberes Badewasser meiden
  • Bei Juckreiz kühlende Umschläge, bei Schmerzen Wärme (z. B. Rotlicht)

Juckreiz im Gehörgang

Ursache:

Gehörgangekzem, z. B. bei

Maßnahmen:

  • In den nächsten Tagen zum Hausarzt bei starken Beschwerden
  • Ansonsten in den nächsten Wochen, wenn die Beschwerden anhalten

Schuppige oder nässende, abgegrenzte Rötung der Ohrmuschel; Jucken, seltener Brennen; evtl. ähnliche Beschwerden an anderen Hautstellen

Ursache:

Ohrmuschel-Ekzem bei

Maßnahme:

  • Zum Haus- oder Hautarzt, wenn Maßnahmen der Selbsthilfe nicht ausreichen

Selbsthilfe:

  • Meiden, was allergische Reaktionen auslösen könnte

Hochschmerzhafte Schwellung und Rötung der Ohrmuschel; starke Druckempfindlichkeit; Ohrläppchen nicht einbezogen; kein Fieber; meist nach Verletzungen oder Insektenstichen

Ursache:

  • Perichondritis (akute bakterielle Entzündung der Ohrknorpelhaut)

Maßnahme:

  • Am selben Tag zum Haus- oder HNO-Arzt bei starken Schmerzen, sonst in den nächsten Tagen

Schmerzhafte Schwellung und scharf abgegrenzte Rötung der Ohrmuschel; Ohrläppchen und Gesichtshaut oft einbezogen; Fieber, Krankheitsgefühl

Ursache:

Maßnahme:

  • Am selben Tag zum Haus- oder HNO-Arzt

Reis- bis bohnengroßes, hautfarbenes oder graues Knötchen am oberen Ohrmuschelrand; bei Berührung äußerst schmerzhaft; oft verkrustet

Ursache:

  • Schmerzhaftes Ohrknötchen

Maßnahme:

  • In den nächsten Wochen zum Haus-, Haut- oder HNO-Arzt, um das Ohrknötchen von weniger harmlosen Erkrankungen (z. B. Hautkrebs) abzugrenzen

Schmerzhafte Schwellung und Rötung der Gehörgangsöffnung

Ursache:

  • Furunkel (Entzündung des Haarbalgs) im Gehörgang

Maßnahme:

  • Am selben Tag zum Haus- oder HNO-Arzt

Selbsthilfe:

  • In Ruhe lassen, auf keinen Fall herumdrücken oder aufstechen

Starke, brennende oder ziehende Schmerzen, Rötung und kleine Bläschen auf der Ohrmuschel; oft gleichseitige Gesichtslähmung; evtl. Schwindel, Schwerhörigkeit

Ursache:

Maßnahme:

  • Am selben Tag zum Hausarzt

Schmerzen vor und im Ohr; oft verstärkt durch Kauen oder Zähneknirschen

Ursachen:

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Zahnarzt

Schmerzen vor und im Ohr mit Schwellung der Wange; evtl. Fieber

Ursache:

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Haus- oder HNO-Arzt

Blitzartig einschießende, einseitige, stärkste Schmerzen in Ohr und Gesicht; oft ausgelöst durch Kauen, Sprechen oder Gähnen; Dauer einige Sekunden bis zu 2 Minuten

Ursache:

Nervenschmerzen (neuropathische Schmerzen), z. B.

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Hausarzt oder Neurologen

Ihr Apotheker empfiehlt

Zwiebelsäckchen.

Ein bewährtes Hausmittel bei Ohrenschmerzen ist die Zwiebel. Ihre Inhaltsstoffe wirken entzündungshemmend und heilungsfördernd. Am Ohr bieten sich kleine Zwiebelsäckchen an (auch Zwiebelwickel genannt). Dazu wird eine rohe Zwiebel in kleine Würfel geschnitten und diese in ein Baumwolltaschentuch eingeschlagen. Damit der Saft austritt, walkt man das Säckchen mit einem Nudelholz und drückt es so stark wie möglich zusammen. Im letzten Schritt wird das Zwiebelsäckchen in der Mikrowelle, im Ofen oder auf der Heizung erwärmt und dann mit einem Schal oder Tuch am Ohr fixiert. Das Zwiebelsäckchen verbleibt 1–2 Stunden auf dem Ohr. Die Wirkung wird gesteigert, wenn der Patient die betroffene Kopfseite auf eine Wärmflasche legt.

Selbstmedikation.

Bei Angina oder Ohrenschmerzen, die mit einer Halsentzündung zusammenhängen, sorgt das Lutschen von Halspastillen oder -tabletten für Linderung. Erhältlich sind zahlreiche Arzneimittel in unterschiedlicher Zusammensetzung. Neben desinfizierenden pflanzlichen Zusätzen wie Salbei oder Anis eignen sich auch betäubende und schmerzlindernde Wirkstoffe (z. B. Lidocain, Fluriprofen).

Am besten wirken Halspastillen oder -tabletten, wenn sie nach oder zwischen den Mahlzeiten langsam gelutscht werden. Zuckerzusätze sind sehr ungünstig: sie setzen den Zähnen zu, indem sie das Wachstum von Kariesherden in der Mundhöhle fördern.

Belüftung des Mittelohrs verbessern.

Die Ohrtrompete ist eine schmale röhrenförmige Verbindung zwischen dem Mittelohr und dem Nasenrachenraum. Ihre Funktion ist die Belüftung des Mittelohrs und der Druckausgleich zur Umgebung. Bei einer Verengung oder Verlegung der Ohrtrompete kommt es zu einer Belüftungsstörung. Dies ist häufig bei Erkältungen der Fall, z. B. durch die geschwollene Schleimhaut. Dann ist der Druckausgleich zwischen Mittelohr und Umgebung eingeschränkt. Der Betroffene bemerkt ein Druckgefühl, hat eventuell Schmerzen und hört schlechter. Wenn die Schwellung zurückgeht, wird das Mittelohr wieder richtig belüftet und die Symptome verschwinden.

Um das Abschwellen der Schleimhaut zu unterstützen, eignen sich Inhalationen und Nasenspülungen mit Salz- oder Kamillenlösung. Auch abschwellende Nasentropfen und -sprays sorgen für Linderung. Sie dürfen wegen der Gewöhnungsgefahr jedoch maximal eine Woche angewendet werden.

Druck im Ohr

ist nicht immer krankheitsbedingt, sondern entsteht auch durch äußere Druckunterschiede. Dieses Phänomen kennt fast jeder, z. B. von der Autofahrt durch einen Tunnel, im Gebirge oder vom Flugzeugstart. Man spürt ein unangenehm dumpfes, leicht schmerzendes Gefühl im Ohr. Der Druck lässt sich bei einem gesunden Ohr schnell wieder ausgleichen:

  • Oft reicht dafür schon kräftiges Gähnen, Schlucken oder Kaugummikauen.
  • Naseputzen ist auch eine gute Idee, außer wenn die Nase absolut trocken ist.
  • Alternativ kann der Betroffene sich die Nase zuhalten und gleichzeitig mit geschlossenem Mund kräftig in die Nase ausatmen.

Wenn das Druckgefühl über Tage besteht, sollte eine ärztliche Untersuchung abklären, ob eine Erkrankung im Mittelohr oder ein dauerhafter Verschluss der Ohrtrompete vorliegt.

Ohrenpflege.

Der Gehörgang verfügt über eine Art Selbstreinigungssystem: Schmutz-, Staubpartikel und abgestorbene Hautschuppen werden mit dem Ohrschmalz nach außen transportiert. Deshalb ist es völlig ausreichend, regelmäßig die Ohrmuschel mit einem feuchten Waschlappen oder Wattepad zu reinigen. Einige Experten empfehlen auch das Ausspülen des Gehörgangs mit klarem, warmem Wasser, z. B. beim Duschen. Dies wird aber nur von wenigen Menschen als angenehm empfunden – und ist auch nicht nötig.

Von der Verwendung von Wattestäbchen raten Ärzte dringend ab: Das Trommelfell droht verletzt zu werden und wenn es darum geht, Ohrschmalz zu entfernen, wird dieser oft nur weiter Richtung Trommelfell vorgeschoben. Ein Pfropf aus Ohrschmalz ist deshalb besser vom Arzt zu entfernen. Das gilt auch für alle Fremdkörper im Gehörgang wie Wattereste oder tote Insekten. Ist kein Arzt verfügbar, z. B. auf Reisen, kann ein Partner oder ein Apotheker vor Ort den Fremdkörper mit einer möglichst stumpfen Pinzette herauslösen. Ein Ohrschmalzpfropf muss zuvor 15 Minuten mit ein paar Tropfen Olivenöl aufgeweicht werden. Zur Not tut es auch warmes Wasser – hier ist der Kopf allerdings so zu halten, dass das Wasser nicht sofort wieder herausläuft.

Autoren

Dr. med. Arne Schäffler; Dr. med. Brigitte Strasser-Vogel; Sektion "Ihr Apotheker empfiehlt": Dr. med. Arne Schäffler; Miriam Knauer | zuletzt geändert am um 17:23 Uhr


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ist nach wissenschaftlichen Standards verfasst und von Mediziner geprüft worden. Die in diesem Artikel kommunizierten Informationen können auf keinen Fall die professionelle Beratung durch Ihren Apotheker ersetzen. Der Inhalt kann und darf nicht verwendet werden, um selbständig Diagnosen zu stellen oder mit einer Therapie zu beginnen.
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