Kreuz- und Steißbeinschmerzen

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Kreuzschmerzen betreffen jede Altersgruppe.

Jeder zehnte Besuch beim Hausarzt hat seinen Grund in Rückenproblemen. Da sie häufig von Schmerzen begleitet sind, spricht der Betroffene im Allgemeinen von Rückenschmerzen, die sich in obere Rückenschmerzen (Brustwirbelsäule) und untere Rückenschmerzen (Kreuz, Steißbein) unterteilen lassen. Fast jeder Erwachsene leidet zumindest gelegentlich unter Kreuzschmerzen – jüngere Menschen übrigens häufiger als ältere. Halten die Beschwerden länger als 3 Monate an, gelten sie als chronisch, auch wenn sie in ihrer Intensität und Ausprägung wechseln.

Häufig strahlen Kreuzschmerzen in Gesäß oder Oberschenkel aus. Schmerzt ein Bein stärker als der Rücken selbst, sind die Beschwerden meist durch einen gereizten oder gequetschten Nerv verursacht. Dabei kann es auch zu Lähmungen oder Gefühlsstörungen kommen. In diesem Fall empfiehlt sich ein baldiger Besuch beim Orthopäden, um dauerhafte Nervenschäden zu vermeiden.

In 2 % der Fälle liegen den Kreuzschmerzen Erkrankungen der Bauchorgane zugrunde, insbesondere der Nieren, der Bauchspeicheldrüse und bei Frauen der weiblichen Geschlechtsorgane. Die Mehrheit der Fälle verteilt sich auf krankhafte Veränderungen an der Wirbelsäule und psychische Ursachen – oder eine Kombination von beidem. Weiterführende Untersuchungen sind jedoch von nur begrenztem Wert, denn – ob mit oder ohne Spezialdiagnostik – in der Mehrzahl der Fälle bleibt die Ursache von Rückenschmerzen unklar.

Beschwerdebilder, ihre Ursachen, Maßnahmen und Selbsthilfe

Ischias; Kreuzschmerzen mit ziehenden Schmerzen an der Rückseite der Beine; oft Verschlimmerung durch Bewegung; evtl. Gefühlsstörungen wie Kribbeln oder Taubheit um den After oder am Bein; evtl. Lähmungen am Bein

Ursachen:

Maßnahmen:

  • Bei starken Schmerzen, Taubheitsgefühl oder Lähmungen am selben Tag zum Orthopäden oder Hausarzt
  • Bei anhaltenden Beschwerden in den nächsten Wochen zum Arzt

Selbsthilfe:

  • In Bewegung bleiben, Bettruhe ist eher ungünstig
  • Eine schmerzarme Lage suchen
  • Wärmeanwendungen an der Schmerzregion ausführen

Hexenschuss; plötzlich einschießende, heftige Kreuzschmerzen, oft ausgelöst durch schweres Heben oder Bücken; Besserung im Liegen; Verschlimmerung bei Husten oder Niesen, evtl. Gefühlsstörungen wie Kribbeln oder Taubheit um den After oder am Bein; evtl. Lähmungen am Bein; bei starken Schmerzen Bewegungsunfähigkeit

Ursachen:

Maßnahme:

  • Am selben Tag zum Orthopäden oder Hausarzt

Selbsthilfe:

  • Stufenlagerung einnehmen: Rückenlage mit um 90° gebeugten Hüft- und Kniegelenken
  • Anfangs Kälteanwendungen durchführen, z. B. Kühlpack oder Eisbeutel auflegen
  • Bei längerem Verlauf Wärmeanwendungen vorziehen, z. B. heiße Rolle

Kreuzschmerzen besonders bei aufrechter Haltung; Besserung durch Einnehmen einer gebeugten Haltung; Schweregefühl, Schmerzen und Schwäche in den Beinen – besonders beim Gehen und Stehen; oft Taubheitsgefühl in Gesäß und/oder Beinen

Ursache:

Maßnahmen:

  • Bei anhaltender Taubheit in Gesäß oder Beinen in den nächsten Tagen zum Orthopäden oder Hausarzt
  • Bei Rückenschmerzen in aufrechter Haltung, belastungsabhängigem Schweregefühl oder Schmerzen in den Beinen in den nächsten 1–2 Wochen zum Arzt

Wiederkehrende oder dauerhafte Kreuzschmerzen, verstärkt bei Belastung; dumpf ziehend; oft steifer Rücken nach dem Aufstehen; Besserung in Ruhe; Verschlimmerung durch schnelle Bewegungen, Bücken und Heben

Ursachen:

Maßnahme:

  • In den nächsten Wochen zum Hausarzt oder Orthopäden

Selbsthilfe:

  • Arbeitsplatzergonomie verbessern
  • Schmerzauslösende Bewegungen vermeiden, z. B. in die Knie gehen statt Bücken
  • Auf einer festen Matratze schlafen
  • Auf eine rückenschonende Sitzhaltung achten
  • Ausgleichssport betreiben (Motto: Was Spaß macht und nicht weh tut)
  • Mind-Body-Therapie erlernen, z. B. Yoga oder Autogenes Training

Langsam zunehmende Schmerzen in Kreuz und Oberschenkeln vor allem nachts; morgens Steifigkeit der Lendenwirbelsäule, Besserung durch Bewegung; oft auch Schmerzen und Schwellungen an großen Gelenken (z. B. Schulter, Knie) oder Ferse

Ursachen:

Maßnahme:

  • In den nächsten Wochen zum Hausarzt oder Orthopäden

Selbsthilfe:

  • Auf einer festen Matratze schlafen
  • Mehrmals am Tag kurz hinlegen
  • Aufrecht sitzen, z. B. mithilfe von Sitzkeilen oder einer schrägen Arbeitsplatte

Akute Schmerzen in Kreuz und Flanke; oft auch im Bauch; meist Fieber; Übelkeit und Erbrechen

Ursachen:

Maßnahmen:

  • Bei starken Schmerzen oder schlechtem Zustand den Notarzt rufen
  • Ansonsten am selben Tag zum Hausarzt

Chronische oder wiederkehrende Schmerzen in Kreuz und Flanke, oft auch im Bauch

Ursachen:

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Hausarzt

Akute Schmerzen im Kreuz und Becken, oft auch in den Oberschenkeln; dumpf ziehend; evtl. Regelstörungen und/oder ungewöhnlicher Ausfluss

Ursachen:

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Hausarzt oder Gynäkologen

Schmerzen im gesamten Rücken; Zunahme bei Belastung; Besserung in Ruhe; oft auch Schmerzen in Schultern und Beinen, Abnahme der Körpergröße um mehrere Zentimeter, evtl. Witwenbuckel

Ursachen:

Maßnahmen:

  • Bei plötzlicher Verschlechterung am selben Tag zum Orthopäden oder Hausarzt
  • Sonst in den nächsten Wochen

Selbsthilfe:

  • Kalziumreich ernähren
  • Ausreichend in die Sonne gehen (zur Bildung von Vitamin D)
  • Rückenschonende Bewegung

Ziehende oder brennende Dauerschmerzen im Anal- und Steißbeinbereich; Steißbein ist sehr druckempfindlich

Ursachen:

  • Kokzygodynie (chronische Steißbeinschmerzen)

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Hausarzt

Selbsthilfe:

  • Sitzbäder und Wärmeanwendungen durchführen
  • Mind-Body-Therapien erlernen, z. B. Yoga oder Autogenes Training

Ihre Apotheke empfiehlt

Selbstmedikation.

Sind Rückenschmerzen so stark und anhaltend, dass sie den Tagesablauf beeinträchtigen, empfiehlt sich die Einnahme oder topische Anwendung von Schmerzmitteln (NSAR), z. B. Ibuprofen, Diclofenac oder Etoricoxib. Wegen der Nebenwirkungen sollten die Schmerzmittel nicht länger als 3 Tage ohne Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden.

Physikalische Verfahren.

Schmerzlindernd wirken Massagen, Wärme oder Kälte (je nach individuellem Bedürfnis) sowie verschiedene elektrische Ströme. Wärme beruhigt und entspannt die Muskulatur und hilft dadurch, den Schmerz zu lindern. Manchmal helfen auch warme Vollbäder (beruhigend: Melisse, Lavendel; anregend und durchblutungsfördernd: Rosmarin), warme Wickel (Heublume, Fango), eine Wärmflasche oder Wärmekissen im Bett, durchblutungsfördernde Pflaster (z. B. mit Capsicumfrüchten, dem Wirkstoff des Chilis).

Krankengymnastik.

Gezielte Übungen helfen beim Aufbau stützender Muskelgruppen, die die Wirbelsäule stabilisieren. Sie dehnen verspannte und verkürzte Muskeln und verbessern damit die Rückenbeweglichkeit. Außerdem schulen sie Koordination und Körpergefühl, was langfristig zu rückenfreundlicheren und gesünderen Bewegungsmustern führt. Die Wirksamkeit von Krankengymnastik ist bei Rückenschmerzen wissenschaftlich erwiesen, jedoch nur bei konsequenter (täglicher) Fortführung der Übungen zu Hause.

Rückenschule.

Die Anleitung zur Selbsthilfe vermittelt neben gymnastischen Übungen zur Stärkung der Muskulatur und der Beweglichkeit auch Wissen zu rückenschonendem Verhalten. Krankenkassen, Krankengymnasten und Rehabilitationskliniken bieten hierzu Kurse an, deren Kosten häufig die Krankenkasse übernimmt. Auch hier gilt: Die Rückenschule hilft bei chronischen Rückenproblemen nur dann, wenn der Betroffene die erlernten Techniken in seinem Alltag tatsächlich einsetzt – beim Sitzen auf dem Bürostuhl, beim Einkaufen und bei der Hausarbeit.

Akupunktur.

Je nach Ursache der Rückenschmerzen kann auch die Akupunktur die Schmerzsymptomatik lindern oder gar für eine gewisse Zeit ganz beseitigen.

Aktiv bleiben.

Außer wenn Ihr Arzt gegenteiliges angeordnet hat: Bettruhe ist nicht notwendig und eher schädlich. Gehen Sie Ihrem gewohnten Alltag nach und bewegen Sie sich viel. Denn nur so lässt sich verhindern, dass sich die Muskeln wieder verspannen und der Teufelskreis von vorne beginnt.

Mind-Body-Therapien.

Bei chronischen Rückenschmerzproblemen wird die Behandlung durch Techniken wie Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder Yoga ergänzt. Die Verfahren wirken aber in erster Linie prophylaktisch.

Arbeitsplatzergonomie.

Arbeitsstühle sollten über eine Rückenlehne verfügen, die sich mitbewegt und gleichzeitig den Rücken stützt. Bedeutsam ist auch die richtige Höhe von Tisch und Stuhl. Idealerweise bilden Ober- und Unterarme sowie Ober- und Unterschenkel mindestens einen rechten Winkel. Wenn die Arme locker auf den Armlehnen aufliegen, entlastet diese Position den Schulterbereich. Handballenauflagen vor der Tastatur entspannen beim Tippen ebenfalls die Schultern, tun aber auch dem Nacken gut.

Autor*innen

Dr. med. Arne Schäffler; Dr. med. Brigitte Strasser-Vogel; Sektion "Ihre Apotheke empfiehlt": Dr. med. Arne Schäffler; Sandra Göbel | zuletzt geändert am um 17:27 Uhr


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ist nach wissenschaftlichen Standards verfasst und von Mediziner*innen geprüft worden. Die in diesem Artikel kommunizierten Informationen können auf keinen Fall die professionelle Beratung in Ihrer Apotheke ersetzen. Der Inhalt kann und darf nicht verwendet werden, um selbständig Diagnosen zu stellen oder mit einer Therapie zu beginnen.